Stockholm, Königliche Oper – ELEKTRA

von Richard Strauss (1864-1949), Tragödie in einem Aufzug, Text von Hugo von Hofmannsthal, UA: Dresden 1909
Regie: Stefan Valdemar Holm, Bühne/Kostüm: Bente Lykke Møller, Licht: Torben Lendorph, Dramaturgie: Stefan Johansson
Dirigent: Pier Giorgio Morandi, Königliche Hofkapelle, Chör der Königlichen Oper, Einstudierung: Folka Alin und Christina Hörnell
Solisten: Katarina Dalayman (Elektra), Marianne Eklöf (Klytämnestra), Emma Vetter (Chrysothemis), Johan Edholm (Orest), Magnus Kyhle (Aegisth), Agneta Lundgren (Vertraute), Barbro Hillerud (Schleppträgerin), u.a.
Besuchte Aufführung: 12. Dezember 2009

Kurzinhalt
stockholm-elektra.jpgAgamemnon, der König von Mykene, ist nach seiner siegreichen Heimkehr von Troja von seiner untreuen Gattin Klytämnestra und ihrem Liebhaber Aegisth heimtückisch erschlagen worden. Seine Tochter Elektra erwartet schon seit langer Zeit die Ankunft ihres Bruders Orest, der den Tod seines Vaters rächen soll. Eigentlich hätte Orest nach dem Willen seiner Mutter bereits als Knabe umgebracht werden sollen, doch Elektra ist es gelungen, ihn rechtzeitig fort und in Sicherheit bringen zu lassen. Da werden zwei Männer gemeldet, die der von Träumen geplagten Klytämnestra eine gute Nachricht zu bringen vorgeben: Orest sei bei einem Unfall umgekommen. Doch tatsächlich handelt es sich bei einem von ihnen um niemand als anderen als Orest selbst. Er tötet seine Mutter und Aegisth. Elektra steigert sich vor Freude in einen ekstatischen Tanz und stirbt.
Aufführung
Der Platz für die szenische Aktion ist sehr klein. Von zwei riesigen blutroten Blöcken mit einem schmalen Gang dazwischen wird er auf den äußeren Rand der Rampe begrenzt. Die Sänger agieren zumeist ins Publikum gewandt. Dies hat auch dank der großen Nähe der Darsteller zu den Zuschauern zwei Dinge zur Folge: zum einen eine ungewöhnliche Deutlichkeit der mimischen Aktion und zum anderen eine gute Verständlichkeit der Textaussprache bei allen Sängern. Die Kostüme sind klassisch schlicht gehalten, abgesehen von ein paar neumodischen Einschlägen wie den Stöckelschuhen der Darstellerinnen.
Sänger und Orchester
Das Orchester spielte wegen des begrenzten Platzes in dem für kontinentale Verhältnisse eher kleinen Stockholmer Opernhaus in kleinerer Besetzung als sie die Partitur vorsieht. Dementsprechend haben es die Sänger zwar ein wenig „leichter“, gegen die außerordentlich dichte Textur von Strauss’ Orchester anzukommen, und sie können an einigen Stellen feinere Nuancen anbringen. Doch bedeutet das nicht, das an diesem Abend „leichte“ Stimmen zu hören gewesen wären, ganz im Gegenteil: Die Sängerinnen der weiblichen Hauptrollen verfügen über ein imponierendes Material und vermögen ihre starken Spitzentöne sicher und durchschlagend zu setzen und dabei auch noch Klangschönheit zu wahren. Katarina Dalayman (Elektra) hat in der Titelpartie ein musikalisch über jeden Zweifel erhabenes Rollendebüt abgelegt und spielte mit viel Bewegung. Emma Vetter (Chrysothemis) präsentierte ihre Partie mit einer vor allem in der hohen Lage metallischen, jugendlich schlanken Stimme. Die Partie der Klytämnestra, gesungen von Marianne Eklöf, war dagegen, ganz wie es das Libretto erfordert, mit einer reifen Stimme besetzt. Bewundernswert ist ihre Darstellung der von Angst zermürbten Mörderin, in der sie viel Mut zur Häßlichkeit beweist. Wie Magnus Kyhle (Aegisth) bewegte sie sich schwankend, wie angetrunken über die Bühne, gestützt auf Agneta Lundgren (Vertraute) und Barbro Hillerud (Schleppträgerin), die wie alle Darstellerinnen dieser Inszenierung schauspielerisch gekonnt und sicher ihre Rollen spielten. Johan Edholm (Orest) singt mit voller, ein wenig gedeckt klingender Stimme. Gestisch agiert er gut, mimisch ist er allerdings ein wenig zu einförmig. Unter der Leitung von Pier Giorgio Morandi ging das Orchester trotz der vielen kompakten Klänge stets in seiner eigentlichen Aufgabe auf, was im Fall der Elektra höchstes Lob verdient, nämlich die Sänger zu begleiten, ohne sie zu überdecken. Dabei wirkte die Musik bei aller Wuchtigkeit erstaunlich wenig schwerfällig.
Fazit
Der Gesamteindruck dieser musikalisch hervorragenden und klassisch streng inszenierten Stockholmer Elektra ist durchaus packend und das, ohne auf drastische Bilder zurückgreifen zu müssen. Die Regie respektiert die Hofmannsthalsche Textvorlage, und vor allem die Personenführung ist in sich vollkommen stimmig, was das Premierenpublikum zu schätzen wußte. Es feierte neben Sängern und Orchester auch die gelungene Inszenierung, die die Spannung ständig auf hohem Niveau zu halten vermag. In deren Zentrum stehen die drei Sängerinnen der Hauptpartien, die ihre Charaktere scharf herausarbeiten und dabei darstellerisch wie stimmlich begeistern.
Dr. Martin Knust

Bild: Carl Thorborg
Das Bild zeigt: Marianne Eklöf (Klytämnestra), Bildmitte und Chor

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