Tosca – Coburg, Landestheater

von Giacomo Puccini (1858-1924), Melodramma in drei Akten, Libretto: Giuseppe Giacosa und Luigi Illica, nach dem gleichnamigen Schauspiel von Victorien Sardo,, UA: 14. Januar 1900 Rom, Teatro Costanzi

Regie: Hans Walter Richter, Ausstattung: Bernhard Niechotz

Dirigent: Roland Fister, Philharmonisches Orchester, Opern-, Extra- und Kinderchor des Landestheaters Coburg, Choreinstudierung: Lorenzo Da Rio

Solisten: Celeste Siciliano (Floria Tosca), Nutthaporn Thammathi (Mario Cavaradossi), Michael Lion (Baron Scarpia), Beniamin Pop (Cesare Angelotti), Felix Rathgeber (Mesner), Dirk Mestmacher (Spoletta), Marcello Mejia-Mejia (Sciarrone), Christian Huber (Schließer), Katharina Trapp (Hirt)

Besuchte Aufführung: 25. Oktober 2017

Kurzinhalt

Rom 1800: Der Maler Cavaradossi verspricht dem politischen Gefangenen Angelotti Unterstützung bei seiner Flucht. Der Polizeichef Scarpia will Angelotti fassen, Cavaradossis Tosca zu seiner Geliebten machen und foltert deswegen Cavaradossi. Angelotti verübt Selbstmord, Tosca ersticht Scarpia, Cavaradossi wird erschossen. Tosca stürzt sich nach seinem Tod von der Engelsburg in die Tiefe.

Aufführung

Basis für das Bühnenbild aller drei Akte ist der Bühnenboden: er zeigt barocke Kirchenmalerei in verschiedenen Ausführungen, die aber vom Parkett aus nur eingeschränkt einsehbar ist. Unter diesem Boden verbirgt sich Angelotti, läßt Scarpia foltern oder verbergen sich Schließer und Soldaten hinter Luken. Im ersten Akt kommen Kirchenlichter und marmorne, hellrosa Kirchensäulen hinzu. Für den Palazzo Farnese erscheinen blutrote Vorhänge, die einen rechteckigen Raum bilden, auf einem Tisch stehen Speisen und findet sich das Messer. Die historisierenden Kostüme passen zu Rom um 1800.

Sänger und Orchester

Puccini ist ein Meister der edlen, warmen, kraftvollen musikalischen Stimmungen, die die psychologische Deutung untermalt. Was jedoch passiert, wenn die musikalische Leitung öfters zu schnell und viel zu laut agiert, macht der Abend unter Roland Fister deutlich: die Sänger und der Chor kämpfen gegen das Orchester, die raffinierten psychologischen Momente gehen unter. Am besten kommen die verstärkten Chöre mit geballter Macht zurecht, ein monumentaler Kirchenchor! Bestens eingestellt der Kinderchor in den höchsten Tönen.

Celeste Siciliano hat keinerlei Probleme als dramatischer Sopran mit viel Erfahrung im italienischen Fach die hysterisch-emotionalen Höhepunkte durchzusetzen. Piano ist weder ihr Schwerpunkt, noch die Eigenschaft der Tosca. Nutthaporn Thammathi wirkt als Einspringer etwas unsicher, kann sich aber mit den Vittoria-Rufen gut in Szene setzen. Doch leider geht E lucevan le stelle, gehen die leuchtenden Sterne fast unbemerkt vorüber. Er singt die Rolle des Cavaradossi auch in Meiningen, vielleicht sollte man ihn noch einmal dort anhören. Michael Lion, der erfahrene und durchschlagsstarke Hausbaß hat keinerlei Probleme, das ausdrucksstarke Rollenprofil eines dämonischen Scarpia abzugeben. Beeindruckend, daß auch die Nebenrollen adäquat besetzt waren, auch wenn sie sich kaum durchsetzen konnten. Erwähnenswert, daß der Hirte nicht mit dem Knabensopran besetzt ist, aber bei Katharina Trapp in guten Händen ist.

Fazit

Eigentlich muß man mit der Leistung eines kleinen Landestheaters zufrieden sein: Sänger, Chöre und Orchester geben eine engagierte Leistung ab, das Bühnenbild und Regie ist mit dem Werk im Einklang. Leider schießt das Orchester weit über das Ziel hinaus, ist oft zu laut oder zu schnell, bringt die Sänger in Zugzwang und die emotionalen Momente Puccinis gehen unter. Trotzdem zufriedener Applaus eines dankbaren Publikums an einem Mittwochabend im Oktober.

Oliver Hohlbach

Bild: Sebastian Buff

Das Bild zeigt: Celeste Siciliano (Floria Tosca), Nutthaporn Thammathi (Mario Cavaradossi) im ersten Akt in der Kirche

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