Il ritorno d’Ulisse in patria – Die Heimkehr des Odysseus ins Vaterland – Hamburg, Staatsoper

von Claudio Monteverdi (1567-1643),  Oper in einem Prolog und drei Akten, Libretto: Giacomo Badoaro; UA: 1640, Venedig

Regie: Willy Decker, Bühne/Kostüme: Wolfgang Gussmann, Susana Mendoza, Licht: Franck Evin, Dramaturgie: Kathrin Brunner

Dirigent: Vaclav Luks, Collegium 1704

Solisten: Christophe Dumaux (L’umana fragilità/Anfinomo), Denis Velev (Tempo/Antinoo), Gabriele Rossmanith (Fortuna/Giunone), Kurt Streit (Ulisse), Sara Mingardo (Penelope), Katja Pieweck (Ericlea), Marion Tassou (Melanto), Alexander Kravets (Giove), Luigi De Donato (Nettuno), Dorottya Láng (Minerva), Rainer Trost (Eumete), Oleksiy Palchykov (Eurimaco), Dovlet Nurgeldiyev (Telemaco), Viktor Rud (Pisandro), Peter Galliard (Iro)

Besuchte Aufführung: 29. Oktober 2017 (Premiere)

Kurzinhalt

Nach 20 Jahren Abwesenheit von Zuhause kehrt Odysseus mit Unterstützung der Götter zurück als Bettler unerkannt in das von den Freiern seiner Frau Penelope besetzte Haus auf Ithaka. Mit Hilfe seiner alten Diener und seines Sohnes Telemaco gelingt es ihm, die Freier loszuwerden. Doch erst als er  Penelope ein gemeinsames Geheimnis mitteilt, glaubt sie, daß er wirklich ihr verschollener Ehemann ist.

Aufführung

In dieser Übernahme vom Opernhaus Zürich spielt sich der Großteil des Geschehens auf einer leeren Drehbühne vor schwarzem Hintergrund ab. Hinter der Drehbühne hebt und senkt sich ein Bankettisch samt Kronleuchter, der gleichsam die Spielwiese der Götter darstellt, die von Zeit zu Zeit Einfluß auf das Geschehen nehmen. Alle Personen auf der Bühne tragen Abendkleidung, verhalten sich jedoch komödiengerecht ausgelassen, so wie überhaupt die Aufführung eher in Richtung der Komödie als einer Tragödie neigt. Insgesamt orientiert sich die Personenführung sehr nahe am Libretto, so daß das Verhalten der Personen nie unmotiviert wirkt. Requisiten werden sparsam eingesetzt, entsprechen jedoch meist der Vorlage oder werden sinnvoll verwandt. So befindet sich bei der berühmten Bogenprobe auch tatsächlich ein Bogen auf der Bühne.

Sänger und Orchester

Da mit dem Collegium 1704 ein vergleichsweise umfangreich besetztes Originalklangensemble unter lebendiger Führung von Václav Luks zu hören ist, ist der Klang aus dem nur leicht abgesenkten Orchestergraben einerseits schlank und „exotisch“, andererseits entsprechend leise, was jedoch dem Werk überaus gerecht wird. Zudem sind Gesangsensemble und Begleitung nahezu perfekt aufeinander abgestimmt. Kurt Streit führt die historisch informierte Sängerriege als Ulisse mit seinem nie angestrengten, angenehm weichen Tenor an. Auch darstellerisch meistert er den Spagatt zwischen Bettler und König mit komödiantischer Leichtigkeit. Quasi gespiegelt wird dieser Ulisse in seinem ebenfalls stark aufspielenden und gleich gekleideten Diener Eumete in Gestalt von Rainer Trost. Die Sonnenbrille tragende, ganz in Schwarz gehüllte Sara Mingardo gibt die von ihren Freiern bedrängte Penelope ebenso überzeugend, wobei sie stimmlich nicht weniger gewandt agiert, jedoch nicht so durchschlagskräftig klingt, was angesichts ihrer Bekanntheit als Alte-Musik-Sängerin ein wenig erstaunt.

Für ihren Sohn, den David Nurgeldiyev gibt, gilt das Gegenteil. Sein Telemaco klingt äußerst kräftig und fast wie aus dem 19. Jahrhundert, was aber nie störend auffällt. Das Götterquartett aus Alexander Kravets (Jupiter), Luigi De Donato (Neptun), Dorottya Láng (Minerva) und Gabriele Rossmanith (Juno) gibt sich angemessen verspielt und streift bewußt die Grenze zum Kindischen.

Christophe Dumaux‘ verstrahlt mit seinem Countertenor anrührende Feinheit als allegorische menschliche Zerbrechlichkeit, doch auch als Freier der Penelope im Gespann mit Viktor Ruds Pisandros und Denis Velevs Antinoos macht er eine gute Figur. Für komödiantischen Überschwang sorgt der gefräßige Iro von Peter Galliard. Marion Tassou als stimmlich ebenfalls etwas leisere Melantho, ihr Liebhaber Oleksiy Plachkov als Eurimaco und Kataja Piewecks Ericlea komplettieren das insgesamt sängerisch starke und begeisternd aufspielende Ensemble.

Fazit

Das Publikum spendete zu Recht reichlich Applaus und Jubel, ebenfalls für das Regieteam. Wer mit Monteverdis Renaissance-Oper etwas anfangen kann oder vielleicht auch nur neugierig ist, dürfte von diesem Hamburger Odysseus, der definitiv den Besuch wert ist, nicht enttäuscht werden.

Dr. Aron Sayed

Bild: Copyright: Monika Rittershaus

Das Bild zeigt: Kurt Streit (Ulisse), und Ensemble

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