Kölner Philharmonie – Carmina Burana

Dirigent: David Marlow, WDR Sinfonieorchester Köln, WDR Rundfunkchor

Solisten Regula Mühlemann, Sopran, Tobias Hunger, Tenor, Jochen Kupfer, Baß

Sechs Schulchöre aus NRW

Carl Orff (1895-1982) Carmina Burana, Lieder aus der Benediktbeurer Handschrift

Konzertbesuch: 1. Juni 2017

Mit der Reihe WDR@Philharmonie läuft seit einigen Jahren ein erfolgreiches Projekt, mit dem junge Menschen an Musik – und nicht nur an klassische Musik – herangeführt werden sollen. Moderatoren gehen in die Schulen und bereiten Schüler und Lehrer auf das jeweilige Konzert vor. Die Preise sind äußerst moderat, so daß auch wirklich viele Kinder und Jugendliche Zugang zu den Veranstaltungen haben.

Vorbemerkung

Bei der Aufführung der berühmten Carmina Burana ist der Dirigent David Marlow selber in die Schulen gegangen und hat mit den Chören einzelne Passagen einstudiert – Jungen und Mädchen ab Klasse 7 waren angesprochen.

So standen an diesem Abend über 300 Mitwirkende auf der Bühne. Allein das WDR Sinfonieorchester besteht aus etwa 100 Personen, der WDR Rundfunkchor hat etwa 45 Sänger und Sängerinnen, dazu kamen Schulchöre von sechs Schulen aus Köln und Umgebung. Am Konzerttag selber war die Generalprobe und schon lange vor dem Konzert wuselten viele junge Leute aufgeregt um das Philharmonie-Gebäude herum, aufgeschlossen auch für ein kurzes Gespräch.

Eine weitere Besonderheit dieser Konzertreihe – die Aufführungen werden von zwei WDR-Mitarbeitern moderiert.

Isabel Hecker und Johannes Büchs gaben eine kurze Werkseinführung und schilderten die Vorbereitung des Projekts.

Das Konzert

Dann setzte der überwältigende Eingangschor O Fortuna mit dem gesamten Sängeraufgebot ein. Die Wirkung war so gigantisch, daß auch während der restlichen Darbietung der Spannungsbogen nicht abbrach, das ist in einem Konzert wirklich selten zu erleben. Gerade das Kölner Publikum ist bekannt für sein Husten und Räuspern in den Übergangspausen (der Pianist Alfred Brendel hat darüber sogar ein Gedicht geschrieben), hier war es zwischendurch bei den gleichermaßen aus Jung und Alt zusammengesetzten Zuhörern erstaunlich ruhig.

Jochen Kupfer setzte mit dem Baßsolo Omnia sol temperat – Alles macht die Sonne mild, einen ersten Höhepunkt, steigerte sich dann großartig in seinen weiteren Auftritten bis hin zum betrunkenen Abt in der Schänke, dessen Bekenntnis dann vom Männerchor fortgesetzt wird. Der Sprechgesang In taberna quando sumus – Wenn wir in der Schänke sitzen, der wiederum in das tänzerische Bibit hera, bibit herus – Trinkt die Herrin, trinkt der Herr übergeht, war meisterlich und mitreißend dargeboten.

Sicher saßen viele Mitschüler und Eltern der jungen Mitwirkenden im Publikum, die natürlich stolz und begeistert waren. Darüber hinaus entstand der Eindruck, daß kaum jemand im Publikum die Carmina Burana nicht kannte – auch das ist in einem Konzert eher selten.

Zum Ende des ersten Teils traten überraschenderweise die Moderatoren wieder auf. Der Dirigent David Marlow hatte die Idee, den Schlußchor dieses Teils mit dem ganzen Publikum noch einmal zu wiederholen. Ein kurzes Einsingen, und es klappte. Begeisterter Applaus für diese nette Idee.

Vor dem betrunkenen Abt hatte der gebratene Schwan seinen Auftritt. Was für ein Mitleid erregender Gesang im Falsett, was für eine herzzerreißende Mimik lieferte Tobias Hunger dazu, besser kann man es kaum darbieten.

Regula Mühlemann erfreute die Zuhörer mit ihrer glockenhellen vibratofreien Stimme im dritten Teil Cour d’Amour – Liebeshof. Bestechend perfekt ihr Pianogesang und die über mehrere Begleittakte gehaltenen langen Töne, erlösend aus der Spannung dann schließlich das mit einer None beginnende und mit wunderbaren Ausschmückungen endende Dulcissime, das in den Schlußchor und die Wiederaufnahme des Anfangschors O Fortuna führt.

Das groß besetzte Orchester mit einem ungewöhnlichen Instrumentenaufgebot – zwei Klaviere, Celesta, fünf Pauken, Trommeln, Becken, Triangel, Kastagnetten, Glockenspiel, Xylophon neben Streichern und Blasinstrumenten war in bester Spiellaune sowohl als vielseitiger Begleiter als auch solistisch im Reigen.

Es war eine makellose und rundum begeisternde Aufführung, die mit großem Beifall und Standing Ovations quittiert wurde. Dafür bedankten sich die Mitwirkenden noch einmal mit O Fortuna!

Dorothee Riesenkönig

Bild: Kölner Philharmonie

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