Bielefeld, Stadttheater – DIE MILDE DES TITUS – LA CLEMENZA DI TITO

von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Dramma serio per musica in zwei Akten, Libretto: Caterino Tommaso Mazzolà nach dem Dramma per musica von Pietro Metastasio, UA: 6. September 1791, Prager Ständetheater
Regie: Wolf-Dietrich Sprenger, Bühne/Kostüme: Achim Römer, Dramaturgie: Uwe Sommer,
Dirigent: Peter Kuhn, Bielefelder Philharmoniker und Opernchor, Choreinstudierung: Hagen Enke
Solisten: Uwe Stickert (Tito,(Titus) Römischer Kaiser), Melanie Kreuter (Vitellia Tochter des vormaligen Kaiser Vitellius), Dshamilja Kaiser (Sesto, Freund des Titus, Geliebter der Vitellia), Cornelie Isenbürger (Servilia, Schwester des Sesto, Geliebte des Annius), Christin Mollnar (Annius, Freund des Sesto, Geliebter der Servilia), Torben Jürgens (Publius, Präfekt)
Besuchte Aufführung: 10. Mai 2009 (Premiere)

Kurzinhalt
bielefeld-titus.jpgVitellia hofft auf die Liebe des Kaisers Tito, um auf den Thron zu gelangen. Als dieser sich für eine andere entscheidet, beschließt sie aus Rache ein Attentat auf Tito zu verüben. Vitellia fordert von Sesto, der in sie verliebt ist auf, die Tat zu vollziehen. Sesto, der sich zwischen der Liebe zu Vitellia und dem Leben seines Freundes Tito entscheiden muß, setzt ihren Wunsch schließlich schweren Herzens um. Der Anschlag mißlingt und Tito erfährt von der Verschwörung. Der Kaiser, der Mildtätigkeit und Gnade über alles setzt, soll seinen Freund zum Tode verurteilen. Vitellia, die fürchtet, daß Sesto sie verraten hat, bereut und bekennt gegenüber dem Kaiser alles. Kaiser Tito vergibt beiden. Das Volk huldigt ihm zum Dank.
Aufführung
Wer annimmt, ein Bühnenbild zu erblicken, welches in die erzählte Zeit des römischen Kaiser Titus (Tito) Vespasianus führt (79-81), der irrt. Das Bühnenbild ist während der gesamten Inszenierung überwiegend weiß gehalten. Mit den letzten Tönen der Ouvertüre öffnet sich der Vorhang. Eine zweiteilige Bühnenwand aus geschlossenen Türen mit feststehenden Zwischenelementen beschränkt die Bühnentiefe. Sesto, in elegantem schwarzem Mantel, tritt schnell aus einer Tür auf die Bühne, gefolgt von Vitellia, die im Morgenmantel gekleidet an der Tür stehen bleibt. Die Bühnenwand öffnet sich mittig und setzt eine dahinterliegende Wand frei, die in einfachen Konturen das Kapitol bildet. Tito ist lediglich durch seinen roten Mantel und schlichter Krone als Obrigkeit zu erkennen. Der Chor in dunkler, bürgerlicher Kleidung. Vitellia, eine selbstsichere, vornehm gekleidete Dame, wandelt sich zum Ende des zweiten Aktes in eine bereuende, seelisch gebrochene Frau, die in ihrer letzten Arie die Kette vom Hals nimmt, ihre Perücke abwirft und letztendlich auf dem Boden kriechend ihr Kleid abstreift.
Sänger und Orchester
Das Orchester unter der Leitung von Peter Kuhn spielt vom ersten bis zum letzten Ton vorzüglich und bietet den Vokalisten in allen Parametern die passende musikalische Basis. Der Tenor Uwe Stickert (Tito), besitzt eine klare und starke Stimme. Besonders hervorzuheben ist die Szene, in der er seiner Wut und Enttäuschung über Sesto in Gestik und Stimme Ausdruck verleiht. Melanie Kreuter (Vitellia) verdient großes Lob für ihre gesangliche und theatralische Leistung. Sie spielt den sich ändernden Handlungscharakter glaubwürdig und mitfühlend. Ihre letzte Arie Non più di fiori vaghe catene– um aus Blumen anmutige Ketten zu flechten ist ein wahres Glanzstück: die einst ehrgeizig Ruhmsüchtige steht vor den Trümmern ihrer Existenz. In der von Einbrüchen durchschnittenen Musik, bei der die Stimme bis in die tiefsten Lagen hinuntergeführt wird, zeigt sie ihren seelischen Zusammenbruch über Resignation und Raserei eindrucksvoll. Das solistische Bassetthorn begleitet sie. Die Rollen des Sesto und Annius, ursprünglich für Kastratenstimmen vorgesehen, sind mit Dshamilja Kaiser (Sesto) und Christin Mollnar (Annius), zwei Mezzosopranistinnen, passend besetzt. Beide zeigen grandiose Gesangsleistungen in den leisen, gefühlvollen Passagen wie auch in ausdrucksstarken kräftigeren Szenen. Sehr eindrucksvoll ist die Kunst des Koloraturgesangs von Dshamilja Kaiser. Cornelie Isenbürger (Servilia) singt selbst große Intervallsprünge locker und sicher. Ihr Duett mit Annius ist klanglich hervorzuheben. Torben Jürgens (Publius) bringt mit seinem kräftigen, voluminösen Baß einen schönen Kontrast zu den hellen Stimmen. Der Bielefelder Opernchor unterstützt durch die Ensembleeinlagen die dynamischen Prozesse ganz vortrefflich.
Fazit
Eine Aufführung, die vor allem durch ihre wirklich guten Gesangsstimmen und der vorzüglichen Musik überzeugt. Das schlichte Bühnenbild jedoch hätte durch ein höheres Maß an Authentizität (Anlehnung an die gespielte Zeit des Sujets) mehr gewonnen. So aber kann der Gesamteindruck fast nur über den Höreindruck und durch wenige theatralische Leistungen der Darsteller zustanden kommen.
Britta Wandschneider

Bild: Matthias Stutte
Das Bild zeigt von links nach rechts:
Cornelie Isenbürger als Servilia, Uwe Stickert als Titus und Mitglieder des Opernchors

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