Wuppertal, Opernhaus – LA PORTA DELLE LEGGE – DAS TOR ZUM GESETZ

von Salvatore Sciarrino, Musik und Text nach Vor dem Gesetz (Türhüterlegende) aus dem Romanfragment Der Prozeß von Franz Kafka
Regie: Johannes Weigand, Ausstattung: Jürgen Lier, Video: Jakob Creutzburg, Dramaturgie: Karin Bohnert, Licht: Sebastian Ahrens
Dirigent: Hilary Griffiths; Sinfonieorchester Wuppertal
Solisten: Ekkehard Abele (Der Mann I), Gerson Sales (Der Mann II), Michael Tews (Der Türhüter)
Besuchte Aufführung: 25. April 2009 (Premiere, Uraufführung)

Kurzinhalt
wuppertal-gesetz.jpgEin Mann steht vor dem Tor zum Gesetz und möchte eintreten. Der Türhüter verweigert ihm jedoch den Eintritt. Eventuell sei es aber später möglich, das Tor zu durchschreiten. Doch auch im Lauf der Jahre verweigert der Türhüter stets den Eintritt, wenn der Mann seinen Monolog unterbricht und erneut um Einlaß bittet. So wartet er vor dem Tor, bis er stirbt. Nach dem Tod des Mannes ist die Oper jedoch nicht zu Ende: Ein neuer Mann trifft auf, der seinem Vorgänger optisch gleicht, lediglich die verschiedene Stimmlage stellt einen Unterschied dar. Auch diesem Mann wird kein Einlaß gewährt, egal wie oft er den Türhüter bittet. Nachdem auch dieser Mann verstorben ist und der Türhüter das Tor zum Gesetz wieder verschließt, treten beide Männer zusammen auf und blicken auf ihre Zeit vor dem Tor zurück.
Aufführung
Das Bühnenbild ist sehr sparsam gestaltet: Quer über die Bühne verlaufen gelbe Vorhänge, die in der Mitte der Bühne ein Tor offen lassen. Dahinter ist eine helle weiße Fläche zu sehen. Zudem steht ein Stuhl auf der Bühne, auf dem der Türhüter sitzt. Im ersten Teil der Oper wird das Tor immer größer, bis die Vorhänge ganz von der Bühne verschwunden sind. Nach dem Tod des Mannes schließt sich während des zweiten Teiles der Oper das Tor wieder langsam, dieses Mal jedoch am Bühnenrand mit schwarzen Vorhängen. Mit dem erneuten Tod des Mannes schließt sich das Tor dieses Mal jedoch komplett. Bei dem darauf folgenden Finale werden auf einem transparenten Vorhang, hinter dem die beiden gleich gekleideten Männer auftreten, zahlreiche Pater-noster-Aufzüge in verschiedenen Tiefen gezeigt, die mit jeweils einem Insassen, gekleidet wie die beiden Männer, auf und ab fahren. Dann verschwindet ein Aufzug nach dem anderen, bis die Oper zu Ende ist. Gekleidet sind die beiden Männer in schwarzen Anzügen, der Türhüter trägt eine grauen Anzug und gelegentlich einen Mantel.
Sänger und Orchester
Salvatore Sciarrino gestaltet seine Oper im Stil des Minimalismus; das sparsam eingesetzte Orchester spielt viele sich ständig wiederholende Motive. Hilary Griffiths führt das Sinfonieorchester Wuppertal durch die Uraufführung und erzeugt dabei eine sehr beklemmende Stimmung, die die Bühnenatmosphäre unterstreicht. Dabei fließen auch einige moderne Mittel ein, wie z.B. das dezent zischend-pfeifende Geräusch einer Windmaschine. Die drei Gastsänger hinterlassen einen guten Eindruck: Ekkehard Abele (Der Mann I) hat seine starken Momente in den Zeiten des Zögerns und Zauderns, wenn ihn der Türhüter einmal mehr abgewiesen hat. Wenn er mit seinen vorrei intrare- ich möchte eintreten um Einlaß bittet, wünscht man sich ein wenig mehr Kraft in der Stimme. Gerson Sales (Der Mann II) folgt ihm nach. Sein glasklarer und niemals schriller Countertenor hat genau diese Durchschlagskraft, die ihn zum besten Mann des Abends machen, da er auch in den intimen Momenten mit fast zerbrechlicher Stimme voll zu überzeugen weiß. Michael Tews (Der Türhüter) trägt seine Partie mit vollem, rundem Baß vor, was optimal zu der Rolle des Überlegenen in der Beziehung paßt. Diese weiß er durch seine übertriebene Mimik und Gestik noch zu unterstreichen.
Fazit
Für die Freunde der neuen Musik ist ein Opernbesuch in der neuen Oper von Sciarrino natürlich Pflicht. Wer sich mit diesem Stil jedoch schwer tut, den werden auch die gelungene musikalische Leistung und die Inszenierung nur schwerlich überzeugen. In der Uraufführung wurden alle Beteiligten, von den Sängern über die Regie bis zum Komponisten, allerdings begeistert gefeiert. Die Lektüre des Programmheftes und dort speziell die Anmerkungen des Komponisten selbst über die Intention seines neuen Werkes ist jedoch dringend angeraten. So wird aus dem zunächst schwer verdaulichen Werk ein gelungener Opernabend, der zum Nachdenken über die heutige Gesellschaft, Isolation, Bürokratie und abstumpfende Wiederholungen anregt.
Malte Wasem

Bild: Michael Hörnschemeyer
Das Bild zeigt: Immer wieder verweigert der Türhüter (Michael Tews) dem Mann (Gerson Sales) den Eintritt.

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