Karlsruhe, Badisches Staatstheater – DON CARLOS

von Giuseppe Verdi (1813-1901), Oper in fünf Akten (Modena-Fassung, 1886), Libretto: Joseph Méry und Camille Du Locle nach dem Dramatischen Gedicht Don Karlos, Infant von Spanien (1805) von Friedrich Schiller, UA: 11. März 1867, Théâtre Impérial de l’Opéra, Paris
Dirigent: Justin Brown, Badische Staatskapelle
Regie: Robert Tannenbaum, Bühne: Christian Floeren, , Kostüme: Ute Frühling
Solisten: Konstantin Gorny (Philipp II.), Keith Ikaia-Purdy (Don Carlos), Armin Kolarczyk (Rodrigo), Ulrich Schneider (Großinquisitor), Luiz Molz (Mönch); Barbara Dobrzanska (Elisabeth von Valois), Sabina Willeit (Prinzessin Eboli), Clara Lim (Tebaldo) u.a.
Besuchte Aufführung: 25. April 2009 (Premiere, in italienischer Sprache)

Kurzinhalt
karlsruhe-don-carlos.jpgDon Carlos, Sohn König Philipps II von Spanien, trifft im Wald von Fontainebleau auf die ihm versprochene Königstochter Elisabeth von Valois. Als er sich zu erkennen gibt, entdecken beide ihre gegenseitige Zuneigung. Kurz danach erscheint der Page Tebaldo überbringt Elisabeth den Beschluß König Philipps, daß dieser selbst sie zur Gattin will. Auf diese Weise soll der Frieden zwischen Spanien und Frankreich gesichert werden.
Im Kloster San Just trifft Carlos auf seinen aus dem durch Glaubenskriege zerrütteten Flandern zurückgekehrten Freund Rodrigo. Er gesteht Rodrigo seine Zuneigung zu Elisabeth, woraufhin dieser Carlos überzeugt, er solle von Philipp seine Entsendung nach Flandern ersuchen.
In einer längeren Unterredung bittet Rodrigo von Philipp, die grausame Unterwerfung Flanderns zu beenden. Der König, der den Verdacht hat, daß sein Sohn Carlos ein Verhältnis mit seiner Gattin hat, bittet er, mit Elisabeth zu sprechen. In einem Autodafé werden die sechs flandrischen Deputierten dem Flammentod übergeben. Als sich Carlos dagegen stellt, wird er im Auftrag des Königs von Rodrigo entwaffnet und ins Gefängnis geworfen. In einem Gespräch Phillips mit dem Großinquisitor drängt dieser ihn, den als Rädelsführer angesehene Rodrigo zu töten. Sodann wird Rodrigo, der Carlos im Gefängnis besucht, ohne Vorwarnung erschossen. Doch Rodrigo wird von Philipp erschossen. Phillip läßt Carlos frei. Dieser eilt zum Kloster St. Just, um zum letzten Mal Elisabeth zu sehen. Sie werden von Phillips Soldaten überrascht, doch Carlos kann sich ins Kloster retten.
Aufführung
Die Bühne bietet in allen fünf Akten im Kern dasselbe Bild: Als „doppelter“ Boden dient eine schwebende Metallfläche, unter welcher im ersten Akt, halb unter der Bühne versunken, der Chor auf enger Fläche zusammengedrängt ist, während die Protagonisten auf der Metallfläche agieren. Im ersten Bild des zweiten Aktes wird der Zuschauer geblendet von einem die Bühnenvertikale ausfüllenden leuchtenden Neonkreuz. Die Stimme Karls V. erklingt aus Lautsprechern Ei voleva regnare sul mondo -er wollte über die Welt regieren. Im zweiten Bild stellt eine in grünes Licht getauchte Bühne die königlichen Gärten dar. Die Hofdamen tragen zeitgenössische Trachten. In der Autodafé-Szene erscheinen seitlich der Bühne Projektionen sämtlicher Gewaltherrscher von Mussolini bis Osama Bin Laden. Im vierten Akt zeigt die Bühne den König auf einem Berg von Elektroschrott, meist alte Bildschirme.
Sänger und Orchester
Makellos sang Barbara Dobrzanska in ihrer Rolle als Elisabeth mit ihrer klaren, schlanken und von Vibrato nicht überladenen Stimme. Auch das Freundschaftsduett von Carlos und Rodrigo Dio che nell’alma infondere – Gott, der du in der Seele einbringst mit stimmlicher Sicherheit und Präzision. Nicht minder Sabina Willeit als Eboli, etwas dunkler im Timbre, doch völlig zu Recht vom Publikum nach ihrem Schleierlied vor den Toren des Klosters St. Just Nei giardin – del bello Saracin – in den Gärten des schönen Sarazenen stürmisch bejubelt, ebenso Konstantin Gorny (Phillipp II.) bei seiner Arie Ella giammai m’amo – sie hat mich nie geliebt. Keith Ikaia-Purdy (Carlos) meisterte, trotz einer etwas gepreßten Stimme, die Partie erstklassig. Auf höchstem Niveau musizierte die Badische Staatskapelle unter Justin Brown.
Fazit
Dieser Opernabend ist wärmstens zu Empfehlen. Das Bühnenbild ist allerdings aufgrund seiner sozialkritischen Ausrichtung sehr karg. Der Zuschauer wird jedoch durch die Glanzleistungen von Sängern und Orchester entschädigt.
Daniel Rilling

Bild: Jaqueline Krause-Burberg
Das Bild zeigt: Barbara Dobrzanska (Elisabeth), Ulrich Schneider (Großinquisitor), Konstantin
Gorny (Phillip II.), Armin Kolarczyk (Rodrigo)

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