Wiesbaden, Staatstheater – TRISTAN UND ISOLDE

von Richard Wagner (Musik und Text), Handlung in drei Aufzügen, UA: 10. Juni 1865, Königliches Hof- und Nationaltheater München
Inszenierung: Dietrich Hilsdorf, Bühne: Dieter Richter, Kostüme: Renate Schmitzer
Dirigent: Marc Piollet, Orchester und Herrenchor des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden
Solisten: Alfons Eberz (Tristan), König Marke (Bernd Hofmann), Isolde (Jayne Casselmann), Kurwenal (Thomas de Vries), Melot (Angus Wood), Silvia Hablowetz (Brangäne), Jud Perry (Stimme ‚Frisch weht der Wind’/Shepherd), Reinhold Schreyer-Morlock (Maraiche)
Besuchte Aufführung: 5. April 2009 (2. Vorstellung nach der Premiere am 21.03.09)

Kurzinhalt
wiesbaden-tristan.jpgAuf der Überfahrt nach Kornwall, wo die Irin Isolde den englischen König Marke heiraten soll, erzählt Isolde Brangäne, wie Tristan ihren Verlobten Morold tötete und dabei selbst verwundet wurde. Da nur Isolde das Heilmittel für das Gift, mit dem sie das Schwert präpariert hatte, besitzt, reiste Tristan zu ihr. Isolde will ihren Verlobten rächen, erhebt das Schwert gegen Tristan, doch dann treffen sich ihre Blicke und sie verschont ihn.
Isolde bittet Brangäne um einen Todestrunk für sich und Tristan. Diese jedoch gibt Isolde einen Liebestrunk. Tristan und Isolde trinken ihn und verfallen einander. Dennoch heiratet Isolde König Marke. Heimlich treffen sie sich immer wieder, bis Melot sie ertappt. Er verwundet Tristan schwer. Tristan wird von Kurwenal in seine Heimat Kareol gebracht. Isolde reist ihm hinterher, um ihn zu heilen. Marke hat es ihr erlaubt, da er von dem Liebestrank erfahren hat. Im Fieberwahn sieht Tristan Isoldes Schiff ankommen und reißt sich seine Wunde auf. Isolde kommt zu spät, Tristan liegt im Sterben. Isolde hält ihr Versprechen und folgt Tristan in den Tod.
Aufführung
Der Vorhang hebt sich zum Innenraum eines Schiffes. Brangäne und Isolde, in langen schwarzen Gewändern, liegen auf schmutzigen Matratzen. Die Besatzung trägt Uniformen, die mit ihren hohen Stiefeln und weiten Hosen NS-Uniformen gleichen. Das Bühnenbild im zweiten Akt ist imposant. Fast bis unter die Decke und weit nach hinten erstreckt sich der königliche Raum mit Marmorwänden, einem goldenen Schreibtisch und einem großen runden Bett, auf dem Isolde, wie ein verliebtes Mädchen, nach ihrem Tristan schmachtet. Marke, als alternder König, mit grauem Haar und zittrigen Händen, wird im Rollstuhl auf die Bühne gefahren. Melot entzieht langsam Isolde den Mantel, den Tristan vorher schützend um sie gelegt hat. Warum im dritten Akt das Bühnenbild des ersten Aktes (Schiffsinnenraum) wiederverwendet wurde, ist unklar, spielt der Akt doch eigentlich in Kareol. Man könnte annehmen, daß der Schiffsinnenraum nun ein Krankenzimmer darstellt. Isolde sucht mit verbunden Augen und Händen, tastend und orientierungslos, ihren Tristan, findet statt dessen Marke Sie läßt sich, im Glauben es sei ihr Geliebter, an Markes Seite nieder. In der Schlußszene schreitet Isolde zum Bühnenrand, während sich der Vorhang hinter ihr schließt. Sie wirft noch ein Blick zurück, dann wendet sie ihr Gesicht gen Himmel.
Sänger und Orchester
Trotz hervorragender Solisten erhält den größten Applaus heute das Orchester des Wiesbadener Staatstheaters. Mit Präzision und Leidenschaft hauchen die Musiker, insbesondere die phänomenalen Streicher, dem nahendem Schiff der Liebe Tristan und Isoldes und dem fortschreitenden Unheil Leben ein. Jayne Casselmann singt eine mitreißende Isolde. Daß sie kurzfristig eingesprungen und erst am Mittag angereist war, merkt selbst der genaue Beobachter kaum. Die durchweg erstklassigen Solisten haben keine Mühe, gegen die pompöse, sinfonische Wagnermusik anzusingen. Alfons Eberz (Tristan) steigert sich mit seinem harten Tenor im Laufe der Oper auf ein hohes, klangvolles Niveau. Angus Wood (Melot), ebenfalls Tenor, jedoch weicher und mindestens genauso kraftvoll, begeistert das Publikum erneut. Thomas de Vries‚ Bariton (Kurwenal) steht den Tenören in nichts nach und erntet ebenfalls Bravorufe. Silvia Hablowetz (Brangäne) glänzt mit ihrer klaren Stimme neben Jayne Casselmann, der Abend gehörte jedoch eindeutig letzterer.
Fazit
Allein um in den Genuß der Glanzleistung des Orchesters zu kommen, lohnt sich der Besuch dieser Oper. Sehr gute Solisten, ein ansprechendes Bühnenbild und eine tragisch-schöne Inszenierung runden den Abend ab. Nur dem schönen Sommertag ist es wohl zuzuschreiben, daß diese gelungene Vorstellung nicht restlos ausverkauft war.

Janine Schreier

Bild: Martin Kaufhold
Das Bild zeigt: Von rechts: sitzend: Silvia Hablowetz (Brangäne), Angus Wood (Melot), Bernd Hofmann (Marke), auf dem Stuhl im Vordergrund: Alfons Eberz (Tristan).
Liegend auf dem Bett Isolde (Jayne Casselmann).

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