von Wolfgang A. Mozart, Commedia per musica (Opera buffa) in vier Akten, Text: Lorenzo da Ponte nach Beaumarchais, UA: 1. Mai 1786 Wien, Burgtheater
Regie: Katharina Thoma, Bühne: Johannes Leinacker, Kostüme: Irina Bartels
Dirigent: Andrès Orozco-Estrada und das Gürzenich-Orchester Köln
Solisten: Germán Olvera (Conte Almaviva), Selene Zanetti (Contessa Almaviva), Kathrin Zukowski (Susanna), Adolfo Corrado (Figaro), Anita Monserrat (Cherubino), Sarah Alexandra Hudarew (Marcellina), Dmitry Ivanchey (Basilio), Rhydian Jenkins (Don Curzio), Lucas Singer (Bartolo), Christoph Seidl (Antonio), Giulia Montanari (Barbarina)Besuchte Aufführung: 01. März 2026 (Premiere)
Die Hochzeit seines Dieners Figaro mit der Kammerzofe Susanna will Graf Almaviva unbedingt verhindern, denn Susanna soll seine Liebhaberin werden. Figaro plant den Grafen auszutricksen. Die betrogene Gräfin hilft dem Brautpaar dabei. Sie soll mit Susanna die Kleider tauschen und zu einem geheimen Treffen erscheinen, um den Grafen auf frischer Tat zu ertappen. Doch Figaro verstrickt sich so sehr in Lügen, dass der Plan zu scheitern droht. Also nehmen die Frauen die Sache selbst in die Hand: Susanna steckt dem Grafen einen Brief mit dem Ort ihres Treffens zu. Figaro glaubt daraufhin, Susanna sei ihm tatsächlich untreu. Als Gräfin verkleidet, führt sie ihm vor Augen, dass seine Eifersucht unbegründet ist. Die verkleidete Gräfin überführt ihren Ehemann der Untreue. Dieser ist nun endlich einsichtig.
Aufführung
Die Inszenierung wird auf drei verschiedene Zeitepochen im Rückwärtsgang verteilt: beginnend in der heutigen Moderne, über das Jahr 1939 bis zur Entstehungszeit der Oper (1786). Die Fassade eines Schlosses umrahmt den Schauplatz der Bühne und wird mit Videoprojektionen (Ornamente, Naturbilder und künstlerische Verzierungen) in jedem Akt ausgeleuchtet. Requisiten und Kostüme markieren die jeweilige Epoche. Im ersten Akt wird das Innere eines Museumsshops gezeigt, mit Exponaten in Regalen, einer Werkstatt für alte Möbel und einem Vortragsraum für Touristen. Danach verwandelt sich der Raum in das Schlafgemach der Gräfin, die ein grünes Seidengewand im Art-Déco-Stil mit Bademantel und Turbanhaube trägt, ihr Mann erscheint im eleganten Anzug mit Stiefeln. Im dritten Akt erscheinen die Damen in pompösen Rokoko-Kleidern mit seitlichen Hüftkissen und Perücken, die Herren in Rüschenhemden und Bundhosen. Viel mehr nutzt die Regie die Oper als Schablone für die Grundaussage, dass Konflikte in Paarbeziehungen zeitlos sind. Ein roter Faden oder eine innere Logik ist bei diesen teilweise zusammenhanglosen Zeitsprüngen aber nicht zu erkennen.
Sänger und Orchester
Orozco-Estrada dirigiert das Orchester sehr beschwingt und mit viel Gefühl für die dynamischen Wechsel durch die Ouvertüre. Dabei entwickelt das Orchester eine sehr gute Eigendynamik, mit großen Steigerungsbögen. Leider manchmal mit dem Ergebnis, dass der Gesang etwas übertönt wird. Adolfo Corrado (Figaro) besticht mit einem dunklen, sehr voluminösen Bass: in der Tiefe hat er eine profunde Stütze, in der Höhe scheppert er mit metallischer Nuancierung. Die Arie Se vuol ballare – Wenn Sie tanzen wollen im ersten Akt ist allerdings nicht seine beste Leistung, dagegen kann er später in der Arie Non piu andrai – Nun vergiss leises Flehen mit rhythmischer Genauigkeit und guter Verzierung in den Spitzentönen besondere Akzente setzen. Eine konstantere Leistung bringt seine Mitsängerin Kathrin Zukowski (Susanna), die von der ersten Minute an Höchstleistungen abruft. Ihr glockenklarer, lyrischer Sopran hat ein ausgenommen reines Timbre. Technisch führt sie ihre Stimme mit einer mühelosen Leichtigkeit durch die schnellen und hohen Melodieläufe, wie auch durch die langsamen, gefühlvollen Partien. Besonderer Höhepunkt ist das Duett mit ihrer Gesangspartnerin Selene Zanetti (Gräfin Almaviva), die über einen warmen Sopran mit mehr vibrato und Schwere verfügt. Hier legen sich die beiden konträren Stimmfarben so wunderschön umeinander und singen so synchron, dass es für eine sehr intime, zärtliche Stimmung sorgt. Auch in den Solopartien weiß Zanetti zu überzeugen: in der Arie Dove sono i bei momenti – Wo sind die schönen Momente, besingt sie die Sehnsucht nach besseren Tagen ihrer Liebe mit einer so konzentrierten, im pianissimo gesungenen Stimme im sotto voce. Unter den Frauenstimmen ist ebenso Anita Montserrat (Cherubino) zu erwähnen: ihr Einsatz bei der Arie Non so più cosa son, cosa faccio – Ich weiß nicht mehr was ich bin, was ich mache kommt zwar etwas zu früh, aber ihr lyrischer flinker Sopran hat ein ausgenommen schillerndes, stechendes Timbre, das sie im weiteren Verlauf sehr gut unter Kontrolle bringt. Germán Olvera (Almaviva) bringt von allen das markanteste und einprägsamste Schauspiel, was dankenswerter Weise etwas Abwechslung in die Handlung bringt: von Beginn an markiert er den Graf als Ekel mit dämonischer Mimik und überheblicher Brutalität gegenüber dem restlichen Ensemble. Dabei singt er mit einem knurrigen, rauen Bariton und scharfer Intonation und erzeugt besonders in den Höhen ein glanzvolles Volumen.
Fazit
Musikalisch bringt der Abend viele Höhepunkte. Allen voran Kathrin Zukowski und Adolfo Corrado werden vom Publikum lange beklatscht und gefeiert, aber auch Selene Zanetti und Germán Olvera sowie das Orchester erhalten besonders schallenden Applaus. Die Inszenierung ist aufgrund der inkonsistenten Zeitsprünge eher verwirrend und das Schauspiel an vielen Stellen zu zurückhaltend, was für viele unnötige Längen sorgt. Für eine Opera buffa gibt es wenig zu lachen, an seltenen Stellen hört man vereinzelt Kichern im Saal. Ein netter Opernabend – aber keiner, der im Gedächtnis bleiben wird.
Melanie Joannidis
Bild: Thilo Beu
Das Bild zeigt: Kathrin Zukowski, Germán Olvera
