GIOVANNA D‘ARCO – Bielefeld, Theater

von Giuseppe Verdi (1813-1901), Dramma lirico in vier Akten, Libretto: Temistocle Solera, Rekonstruierte Urtextfassung von Alberto Rizzuti und Phillip Gossett, UA: 15. Februar 1845 Mailand, Teatro alla Scala

Regie: Sabine Hartmannshenn, Bühne: Stefan Heinrichs, Kostüme: Susana Mendoza, Dramaturgie: Daniel Westen

Dirigent: Alexander Kalajdzic, die  Bielefelder Philharmoniker und Chor und Extrachor

Solisten: Astrid Kessler (Giovanna), Evgueniy Alexiev (Giacomo), Paul O’Neill (Carlo), Lianghua Gong (Delil), Moon Soo Park (Talbot)

Besuchte Aufführung. Samstag, 12. Oktober 2013 (Premiere)

Bielefeld-GiovannaKurzinhalt

Frankreich befindet sich im Krieg mit England und Carlo, der König von Frankreich, möchte abdanken. Giovanna, die im Wald auf ihn beim Gebet trifft, schenkt ihm aber neuen Mut und zieht mit ihm erneut in den Krieg. Giacomo, Giovannas Vater, beobachtet die Szene und ist davon überzeugt, daß Giovanna einen Pakt mit Dämonen geschlossen hat. Nach Frankreichs Sieg konfrontiert er den König mit seiner Vermutung und Giovanna soll bestraft werden. Kurz vor ihrer Hinrichtung erkennt Giacomo aber seinen Irrtum und ermöglicht es Giovanna, in die Schlacht zu ziehen, bei der sie umkommt. Die Franzosen feiern ihre Heldin.

Aufführung

Die gesamte Bühne wird von einem großen Käfig eingenommen, in dem eine Menge schäbig gekleideter Personen von Wachen hin und her getrieben werden. Im Hintergrund wird ein Video an die Wand geworfen, auf dem unzählige Steckbriefe einzelner Personen zu sehen sind. Der Käfig wird teilweise hochgefahren, so daß unter ihm eine zweite Ebene entsteht; auf dieser werden einige Szenen gespielt. Im dritten Akt werden verschiedene Ausschnitte eines berühmten Gemäldes von Jeanne d’Arc als bewegliche Wände benutzt. Giovanna trägt ein einfaches bräunliches Kleid und hat die rötlich blonden Haare locker zusammengesteckt. Ihr Kostüm hebt sie nicht sonderlich von den anderen Frauen ab. König Carlo, in einen schwarzen Anzug gekleidet, ist zuletzt mit einer leuchtendblauen Schärpe geschmückt. Giacomos grauer Anzug ist unscheinbarer: unter der schäbigen Anzugjacke sieht man noch einen fliederfarbigen Pullover.

Sänger und Orchester

Die Bielefelder Philharmoniker unter der Leitung von Alexander Kalajdzic präsentierten sich in der Ouvertüre als sehr wandlungsfähiges Orchester: sie beweisen, nach ein paar anfänglichen rhythmischen Ungenauigkeiten ihre Fähigkeit, Verdis zu einem schönen Klangteppich für die Sänger zu machen. Der Bielefelder Opernchor nutzte dies auch reichlich aus und beeindruckte das Publikum mit großer Stimmengewalt, der sich sehr wohl gegen das starke Orchester behaupten konnte. Die Balance zwischen beiden Klangkörpern war nie gefährdet.

Die drei Hauptpersonen des Abends hätten unterschiedlicher nicht sein können, ergänzten sich aber im Zusammenklang vorzüglich: Astrid Kessler (Giovanna) erschien am Anfang zwar ein wenig blaß in ihrer Stimme, wuchs aber im Laufe der Zeit hervorragend in die, zugegebenermaßen, sehr schwere Rolle hinein und meisterte die hohen Passagen mit einer beeindruckenden Zuverlässigkeit. Positiv hervorzuheben ist außerdem ihr Einfühlungsvermögen im Zusammenspiel mit dem Chor. Ihre helle Stimme, die erst Unsicherheit vermuten ließ, paßte zudem gut zur Stimme ihres Kollegen Paul O’Neill (Carlo), der ebenfalls einen technisch sehr anspruchsvollen Part zu meistern hatte. Auch wenn er dafür etwas Volumen in der Tiefe einbüßte, die hohen Passagen gelangen ihm hervorragend und ohne jede Unsicherheit in der Stimme. Bei Evgueniy Alexiev (Giacomo) erlebte man das Gegenteil: er fügte sich als tiefste Stimme gut in den Gesamtklang der drei Hauptdarsteller, war vor allem in den unbegleiteten Stellen eine angenehme Basis für das Ohr. Auch solistisch beeindruckte er das Publikum: er war es, der am besten artikulierte und somit am besten zu verstehen war.

Fazit

Die Solisten wurden vom Publikum gefeiert. Die große Anzahl von Statisten neben dem auch so schon großen Opernchor sorgte für ein prächtiges Abschlußbild, vor dem der Vorhang noch häufig geöffnet wurde. Mit Auftritt des Inszenierungsteams mischten sich einige Unmutsbekundungen in den Jubel – doch der überwiegende Teil war offensichtlich zufrieden.

Sahra Heemann

Bild: Bettina Stöß

Das Bild zeigt: Evgueniy Alexiev (Giacomo), Astrid Kessler (Giovanna), Mitglieder des Opern- und des Extrachors

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