Köln, Oper – La Traviata

von Giuseppe Verdi (1813-1901), Melodrama in drei Akten, Libretto: Francesco Maria Piave nach dem Drama La dame aux camélias von Alexandre Dumas d. J., UA: 6. Mai 1854, Venedig
Regie: Dietrich Hilsdorf, Bühne: Dieter Richte, Choreographie: Athol Farmer, Kostüme: Renate Schmitzer, Beleuchtung: Wolfgang Göbbel
Dirigent: Markus Poschner, Gürzenichorchester, Chor der Oper Köln, Choreinstudierung: Andrew Ollivant
Solisten: Olga Mykytenko (Violetta Valéry), Fernando Portari (Alfredo Germont), Georg Tichy (Giorgio Germont), Adriana Bastidas Gamboa (Flora), Andrea Andonian (Annina), John Heuzenroeder (Gastone), Martin Kronthaler (Barone Duphol), Dennis Wilgenhof (Dottore Grenvil), Alexander Fedin (Giuseppe) u.a.
Besuchte Aufführung: 28. November 2009 (Premiere)

Kurzinhalt
koln-la-traviata.jpgDie Kurtisane Violetta Valéry und Alfredo Germont lernen sich auf einem Fest kennen und lieben. Die beiden ziehen aufs Land, wo sie zurückgezogen leben. Giorgio Germont, Alfredos Vater, bittet Violetta, Alfredo zu verlassen. So schreibt Violetta ihrem Geliebten einen Abschiedsbrief, in dem sie vorgibt, ihn nicht mehr zu lieben, und kehrt nach Paris zurück. Auf einem Fest begegnet sie Alfredo. Er wirft Violetta Geld vor die Füße um sie damit zu demütigen. Violetta hat aufgrund der nicht überwundenen Trennung von Alfredo keinen Lebenswillen mehr. Alfredo kehrt später zu Violetta zurück und erfährt nun den wahren Grund, warum sie ihn verlassen hat: ihre Schwindsucht. Doch der Tod Violettas ist nicht mehr zu verhindern und auch die Reue Giorgios kommt zu spät.
Aufführung
Das Bühnenbild ist viergeteilt und drehbar, was schnellen Ortswechsel in den einzelnen Szenen ermöglicht. Es gibt einen Festsaal, ein Restaurant, den Toiletten-Vorraum mit Waschbecken an den Wänden und die Außenseite eines Hauses mit Treppe, Hauseingang und Mauerwerk. Das Zusammenspiel von Licht, Bühnenbild und Kostümen, also die gesamte Szenerie wirkt realistisch. Im zweiten Bild des zweiten Aktes steigt ununterbrochen Nebel im Festsaal zur Decke und einige der Darsteller haben Zigaretten in der Hand. Festsaal und Restaurant wirken durch Projektionen an der Rückwand größer und belebter als sie sind. Man sieht Bilder der dort gefeierten Feste. Die Kostüme sind individuell und detailreich, im Stil der Abendmode der 20er und 30er Jahre gehalten und untereinander gut abgestimmt, was vor allem die Szenen, in denen viele Darsteller auf der Bühne sind, auffällt. Die Frauen auf der Bühne tragen größtenteils lange Abendkleider in verschiedenen Farben und Formen, die Männer Anzüge. Eine exakte historische Zeit, in der die Handlung spielen soll, ist nicht zu bestimmen.
Sänger und Orchester
Olga Mykytenko (Violetta) sang schön und klar in der Höhe, durchdringend, ohne dabei schrill zu wirken. Sie verstand es, die unterschiedlichen Gefühlszustände Violettas stimmlich und schauspielerisch mitreißend darzustellen und begeisterte das Publikum mit sauber intonierten Koloraturen. Fernando Portari (Alfredo) hat sowohl die gefühlvollen Partien seiner Rolle als auch Wut und Enttäuschung, als er z.B. Violetta das Geld vor die Füße wirft, treffend dargestellt, dabei sängerisch präzise artikuliert und intoniert. Georg Tichy (Giorgio) sang seine Partie kraftvoll und erhaben und machte die Rolle des bestimmten, jedoch verständnisvollen und am Schluß reumütigen Vaters anschaulich. Er begeisterte besonders in dem Duett mit Fernando Portari (Alfredo), in dem die gut aufeinander abgestimmten Gesangspartien und die schauspielerische Darstellung beider Sänger sich ergänzten. Andrea Andonian (Annina) überzeugte mit guter schauspielerischer Leistung, deutlich artikuliertem Gesang, klarer Intonation und sicherem Piano. Das Orchester arbeitete unter der Leitung von Markus Poschner präzise, gut abgestimmt in Dynamik und Tempowechseln, und auch der Chor begeisterte das Publikum vor allem mit dem Chor der Zigeunerinnen: Noi siamo zingarelle – Wir sind Zigeuner und dem Chor der Stierkämpfer: Di madride noi siam mattadori -wir sind die Matadore von Madrid.
Fazit
Sowohl das Orchester, als auch die Sänger und vor allem der Chor überzeugten das Publikum mit durchweg soliden Leistungen. Eine durchweg gelungene Premiere, die das Publikum mit hoher musikalischer Qualität begeisterte. Es gab viel Applaus und Bravorufe nach den Arien und stehende Ovationen am Ende. Das Stück hatte sowohl für das Auge als auch für das Ohr einiges zu bieten. Besonders lobenswert ist die Liebe zum Detail in der Bühnen- und Kostümgestaltung.
Sara Bosqui

Bild: Paul Leclaire
Das Bild zeigt: Olga Mykytenko (Violetta) und Fernando Potari (Alfredo) am Boden liegend, Georg Tichy (Giorgio) dahinter stehend, Im Hintergrund die Festgesellschaft

Veröffentlicht unter Köln, Bühnen der Stadt, Opern