Darmstadt, Staatstheater – AIDA

von Giuseppe Verdi (1813–1901), Oper in vier Akten, Text von Antonio Ghislanzoni
UA: 24.12.1871 Opernhaus Kairo
Spielleitung: Alfonso Romero Mora nach einer Inszenierung von Michael Heinicke (Städtisches Theater Chemnitz), Bühne und Kostüme: Peter Sykora, Choreinstudierung: André Weiss
Dirigent: Constantin Trinks, Staatsorchester Darmstadt, Chor und Extrachor des Staatstheaters Darmstadt, Statisterie des Staatstheaters Darmstadt
Solisten: Andreas Daum (König), Yanyu Guo (Amneris), Yamina Maamar (Aida), Zurab Zurabishvili (Radames), John In Eichen (Ramphis), Bastiaan Everink (Amonasro), Sven Ehrke (Bote), Margaret Rose Koenn (Priesterin)
Besuchte Aufführung: 17. Oktober 2009 (Premiere)

Kurzinhalt
darmstadt-aida.jpgIm Krieg zwischen Ägypten und Äthiopien soll Radames neuer ägyptischer Heerführer werden, der die Sklavin Aida liebt. Prinzessin Amneris, die in Aida ihre Rivalin im Kampf um Radames sieht, soll diesen nach dem Sieg der Ägypter heiraten. Aida erkennt in einem äthiopischen Kriegsgefangenen ihren Vater, der ihr befiehlt, den Kriegsplan der Ägypter herauszubekommen. Radames erzählt ihr dieses Geheimnis und stellt sich den Priestern. Er wird wegen Hochverrats lebendig begraben, und Aida hat sich mit ihm einschließen lassen. Sie finden gemeinsam den Tod.
Aufführung
Ein gewaltiger schwarzer Kubus mit verschiedenen ägyptischen Symbolen und Hieroglyphen schwebt über der Bühne. Im vierten Akt wird er auf das Paar Radames und Aida herabgesenkt, um ihren Tod zu verdeutlichen. Der Rest des Inventars ist sehr schlicht und einfach, eher dunkle Farben dominieren die Szene. Die hellen Kostüme muten etwas eigenwillig an, alle Personen des Chores tragen seltsam geformte Hüte, die wie Treppenstufen aussehen. Aida erscheint in einer blauen Satinrobe, die äthiopischen Sklavinnen tragen hellblau. Das Bühnenbild und die Kostüme wurden in Chemnitz hergestellt; man sah hier eine Aufführung nach einer Inszenierung von Michael Heinicke, der dort Chefregisseur ist. Neben dem Bühnenbild wurden auch Teile der szenischen Handlung von der Chemnitzer Inszenierung übernommen, beispielsweise die Auftritte des Chores.
Sänger und Orchester
Die herausragendste Leistung bot Yanyu Guo (Amneris). Ihr Gesang war klar und mit eiskaltem Haß in der Stimme, als sie in Aida ihre Rivalin erkannte, hingegen warm, als sie mit Radames sprach. Durch Dynamik und präzise Artikulation wurde sie der schwierigen Partie gerecht. Auch ihr Schauspiel war durchweg glaubwürdig. Ihre Darbietung wurde mit lauten Bravo-Rufen gewürdigt. Zurab Zurabishvili (Radames) war leider erkältungsbedingt nicht gut bei Stimme, was besonders in den ersten beiden Akten auffiel. Die hohen Töne des Tenors klangen sehr gepreßt, und man merkte, daß er sich auf der Bühne quälte. Auch schauspielerisch fühlte er sich unwohl, die Bewegungen schienen sehr staksig und unnatürlich. Nach der Pause konnte er sich jedoch merklich steigern. Die beiden Bässe Andreas Daum (König) und John In Eichen (Ramphis) zogen das Publikum mit ihrer warmen Bruststimme in ihren Bann. Daß die beiden auch gute Schauspieler sind, merkte man in dieser mimisch dem Libretto entsprechenden Aufführung deutlich. Die Titelrolle wurde von Yamina Maamar gesungen. Ihre angenehme Stimme und prinzipiell gute Gesangsleistung wurde in dieser Partie leider von zu viel Vibrato, wenig Abwechslung in der Dynamik und einer sehr undeutlichen Artikulation in den Hintergrund gerückt, weshalb sie hinter Yanyu Guos klarem Klang doch sehr zurückstand.
Unter der musikalischen Leitung von Constantin Trinks leuchtete der Klang des Darmstädter Orchesters. Die feinen Streicherpassagen in der Ouvertüre perlten, die Fanfaren im Triumphmarsch schmetterten. Man plazierte die Fanfarenspieler rechts und links der Bühne, nicht im Orchestergraben. Die gesamte Interpretation Trinks’ war akzentuiert und dynamisch, nicht so schwer und pathetisch, wie man es von manch anderen Aida-Aufführungen kennt. Besonders gut sang auch der Chor, der in diesem Stück eine wichtige Rolle spielt und häufig sowohl auf als auch hinter der Bühne präsent ist.
Fazit
Die erste Produktion des neuen Generalmusikdirektors Constantin Trinks in dieser Spielzeit hat das Publikum vollkommen in seinen Bann gezogen. Durch düstere Farben und das Spiel mit indirekter Beleuchtung des Kubus wurde die Bedrohung der Liebe zwischen Radames und Aida deutlich. Diese Effekte machen die Aufführung zu einem besonderen Erlebnis. Langanhaltender Applaus und laute Bravo-Rufe krönten den Abend.

Sophia Krüger

Bild: Barbara Aumüller
Das Bild zeigt Yamina Maamar (Aida), Zurab Zurabishvili (Radames).

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