Salome – Köln Oper, Staatenhaus, Saal 2

von Richard Strauss (18564-1941); Musik-Drama in einem Aufzug nach Oscar Wildes gleichnamiger Dichtung in der Übersetzung (1903) von Hedwig Lachmann Libretto: R. Strauss, UA: 9. Dezember 1905 Dresden, Königliches Opernhaus

Regie: Ted Huffmann, Bühne: Ben Baur, Kostüme: Annemarie Woods, Licht: Andreas Grüter, Choreographie: Samuel Pinkleton, Dramaturgie Georg Kehren

Dirigent: François- Xavier Roth, Gürzenich-Orchester

Solisten: John Heuzenroeder (Herodes), Dahlia Schaechter (Herodias), Ingela Brimberg (Salome), Kostas Smeroriginas (Jochanaan), Dino Lüthy (Narraboth), Judith Tielsen, (Page der Herodias), Martin Koch, Ján Rusko, William Goforth, Alexander Fedin, Nicolas Legoux, (1.,2.,3.,4.,5. Jude), Luke Stoker, Anton Kuzenok, (1.,2. Nazarener), Matthias Hoffmann, Lucas Singer (1.,2. Soldat), Yunus Schahinger (ein Cappadocier) Alina Wunderlin (Sklave)

Besuchte Aufführung: 14. Oktober 2018 (Premiere)

Kurzinhalt
Die Oper beginnt mit einem Geburtstagsfest im Königspalast. Herodias Tochter Salome hat die Festgesellschaft ihres Stiefvaters Herodes aus Langeweile verlassen und kommt in den Palastkeller zu den Soldaten. Diese bewachen Jochanaan, der in einer Zisterne gefangengehalten wird. Die Stimme von Jochanaan hört man aus einem Gitter, das die Zisterne verschließt. Er verwünscht das ehebrecherische Verhalten von Herodias und Herodes, denn Herodes hatte die Frau seines Bruders Philipp geheiratet. Von Jochanaans Stimme erregt zwingt Salome die Soldaten, diesen trotz des strikten königlichen Verbots ihr vorzuführen. Seine ungeschlachte Art, sein wildes Aussehen, seine verfilzten Haare reizen Salome noch mehr: sie gerät geradezu in eine Obsession. Sie berührt ihn, streift mit den Händen durch seine Haare und will ihn schließlich küssen. Doch Jochanaan weist sie brutal zurück und wird in sein Erdloch zurückgeworfen.
Von der Terrasse herunter kommen ihr Stiefvater, ihre Mutter Herodias und die Festgäste in das Kellergeschoß. Herodes ist so sehr vernarrt in seine Stieftochter, daß er sie bittet, für ihn zu tanzen. Als sie sich weigert, schwört er, ihr alle seine Schätze und sogar die Hälfte seines Königsreichs zu geben. Endlich tanzt sie. Danach fordert sie den Kopf des Jochanaan. Ihre Mutter ist darüber entzückt. Brüsk weist Salome alle Kleinodien, die Herodes ihr bietet, zurück. Schließlich wird ihr das Haupt Jochanaans auf einer Silberschüssel präsentiert. Ganz außer sich küßt sie ekstatisch den Mund des abgeschlagenen Kopfes. Da läßt Herodes sie umbringen.
Aufführung
Statt der Zisterne, in der König Herodes den Propheten Jochanaan gefangenhält, verschließt eine bis zur Decke reichende doppeltürige Pforte von dunkelbrauner Farbe den Bühnenhintergrund. Auf der rechten Seite sieht man eine Treppe, die vom Hintergrund bis zum Bühnenrand mehrstufig aufsteigt. Dahinter ist das Orchester positioniert. Der Dirigent sitzt gut sichtbar mit dem Rücken (!) zur Bühne. Die linke Seite wird von einer vom Hintergrund der Bühne bis zum vorderen Rand reichende Stuhlreihe eingenommen. An den Wänden dahinter schmale Neonbeleuchtung die auch als Leuchter über der langen Bühne sich erhellen, wenn Jochanaan singt und dunkler werden beim übrigen Geschehen. Die Bühne ist zunächst leer. Später wird – zum Bankett – ein langer Tisch mit der Schmalseite zum Zuschauer aufgestellt, den man mit Tafelgeschirr, Speisen und Blumen eindeckt.
Narraboth und die übrigen Soldaten tragen graublaue Hosen mit Gürtel und entsprechenden Hemden.  Manche haben auch Schirmmützen auf dem Kopf. Herodes trägt einen Frack, meist ohne Jackett, ist manchmal nur im Morgenmantel, Herodias hat ein blaues Kleid mit langem hellfarbenem Mantel darüber. Salome erscheint in frei ausgeschnittenem schwarzem Kleid. Die Pumps werden oft als hinderlich abgestreift, die Juden tragen Dinner-Jacketts. Jochanaan schließlich erscheint in weißem, langem Gewand und einem Jackett. Meist sind seine Augen mit einer Binde verdeckt.
Sänger und Orchester
Die Plazierung des Orchesters unterliegt im Staatenhaus bei verschiedenen Opern variabler Anordnung. Diesmal sitzt es ganz rechts von der Bühne. Das bringt erhebliche Schwierigkeiten mit der Koordination von Orchester und Sängern, zumal der Dirigent mit dem Rücken zur Bühne sitzt. Dennoch gelingt François-Xavier Roth eine gute Führung seiner Musiker und der Solisten. Nur an wenigen Stellen übertönt das Riesenorchester die Sänger, die ohnehin viel im Forte bis Fortissimo singen müssen.
Bei dieser Oper gibt es kaum Schöngesang. Hier geht Strauss einen anderen Weg als später beim Rosenkavalier. Hier ist reiner Expressionismus gefragt mit nicht wenigen Übertreibungen. Aber alles ordnet sich dem dramatischen Geschehen unter.
Auffallend dennoch der Schweizer Dino Lüthy (Narraboth) mit seinem hellen Tenor. Auch die anderen Komparsen machen einen guten Eindruck. Dalia Schaechters (Herodias) Mezzosopran setzt sich gegenüber dem Orchester gut durch. Auffallend ist ihre Wortverständlichkeit, die leider bei Ingela Brimberg (Salome) meist auf der Strecke bleibt. Ihr lyrischer Sopran muß sie sehr stark in den häufigen Fortepassagen einsetzen, was ihr aber souverän gelingt. Leider gibt es viele Intonationsprobleme, während ihr die leisen Passagen gut gelingen. Kostas Smeroriginas (Jochanaan) setzt seinen Bariton vollendet ein und ist auch in seiner Artikulation gut. Schließlich macht die beste Figur der australische Tenor John Heuzenroeder (Herodes). Er besitzt eine gut fokussierte klare Tenorstimme und seine Bühnenagilität ist vollendet.
Fazit
Was soll man von einem Regisseur halten, der offensichtlich das Libretto von Richard Strauss aus Oscar Wildes‘ Dichtung fürs Libretto klug strukturiert, wohl nicht ganz verstanden hat oder nicht verstehen wollte. Denn die Darstellung des Dolchstoßes von Salome, der Jochanaan den Tod gibt statt der historisch belegten Enthauptung von Johannes des Täufers, der ja von den besten Malern auf Gemälden festgehalten wird (abgesehen von der authentisch berichtenden Bibelstelle im Leviticus) sowie der Erschießung von Herodes durch Salome auf der Bühne halten? Offensichtlich tendiert die Achtung des New Yorkers gegenüber der Autorenschaft und Botschaft von Richard Strauss gegen Null. Die auch für Köln ungewöhnlichen Buhs am Schluß des zögernd einsetzenden Applauses sprechen für eine wohl respektvollere Haltung des Kölner Publikums!
Der Sängerschar und auch dem Generalmusikdirektor Roth wird guten Beifall gezollt.

Dr. Olaf Zenner

Bild: Paul Leclaire

Das Bild zeigt von hinten: John Heuzenroeder (Herodes), Dalia Schaechter (Herodias), Ingela Brimberg (Salome)

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