Mosè in Egitto – Köln, Oper

von Gioachino Rossini (1792-1868), Azione tragico-sacra in drei Akten, Libretto: Andrea Leone Tottola, UA: 5. März 1818 Neapel, Teatro San Carlo

Regie: Lotte de Beer, Bühne/Kostüme: Christof Hetzer, Figurentheater: Theaterkollektiv Hotel Modern

Dirigent: David Parry und das Gürzenich-Orchester Köln

Solisten: Joshua Bloom (Faraone), Adriana Bastidas-Gamboa (Amaltea), Anton Rositskiy (Osiride), Mariangela Sicilia (Elcia), Young Woo Kim (Mambre), Ante Jerkunica (Mosè), Sunnyboy Dladla (Aronne), Sara Jo Benoot (Amenofis)

Besuchte Aufführung: 8. April 2018 (Premiere, eine Koproduktion mit den Bregenzer Festspielen)

Kurzinhalt

Ganz Ägypten liegt auf Moses Bitten zu Gott, in Finsternis, weil der Pharao die Hebräer nicht in ihr Land ziehen lassen will. Als er sich entschließt, die Hebräer wegziehen zu lassen, widerruft sein Sohn Osiride den Befehl, da er ist in die Hebräerin Elcia verliebt, die ihn mit den Hebräern verlassen würde. Erneut bittet Moses Gott um Hilfe. Dieser sucht Ägypten mit Feuer und Hagel heim. Erneut sichert der Pharao zu, die Hebräer ziehen zu lassen. Nachdem Moses dem Pharao aber voraussagt, daß alle Erstgeborenen getötet werden, läßt der Pharao ihn einsperren. Osiride will die Hebräer auch auf Elcias Bitten nicht gehen lassen. Dabei wird er vom Blitz erschlagen. Geschockt über den Tod des Sohnes, genehmigt der Pharao den Auszug, will aber Rache nehmen. Am Meer stehend, bittet Moses Gott um Hilfe. Da teilt sich das Meer, so daß die Hebräer auf dem Meeresgrund weiterziehen können. Doch die Ägypter verfolgen mit ihrem Heer die Hebräer. Als sie dann durch das Meer ziehen wollen, stürzen die Fluten über sie und alle Reiter und Truppen ertrinken darin.

Aufführung

Um den monumentalen Schauplatz lebensechter wirken zu lassen, verwendet die Regisseurin eine Video-Projektion. Verschiedene Miniaturwelten sind auf der Bühne verteilt und werden von Darstellern eines Theaterkollektivs während der gesamten Vorstellung abgefilmt und auf einen großen Globus in der Mitte der Bühne projiziert. Die Teilung des roten Meers wird beispielsweise durch das Schütten von Wasser in einen Eimer dargestellt. Das Abfilmen kleiner Miniaturpuppen stellt unterschiedliche Szenarien des biblischen Stoffs dar, wie die Ermordung der Erstgeborenen und den Auszug der Hebräer aus Ägypten. So entstehen zwei Schauplätze, die miteinander korrespondieren: ein monumentaler, der die übergreifende Handlung symbolisiert und ein Kammerspiel, das die Beziehungen der Hauptcharaktere darstellt. Die Kostüme ahmen die Gewänder aus ägyptischen Gräbern nach: die Ägypter tragen weiße Gewänder und goldenen Schmuck, der Pharao die altägyptische Doppelkrone, genannt Pschent-Krone. Ähnlich einer Jesusgestalt erscheint Mosè in Sandalen mit Bart und schulterlangen Haaren. Die Hebräer tragen hellblaue Leinengewänder.

Sänger und Orchester

David Parry startet den Abend mit einem sehr flotten und lebhaften Dirigat, das die beschwingte Rossini-Musik authentisch wiedergibt. Unter den männlichen Sängern beeindrucken besonders die Bassisten. Joshua Bloom (Faraone) ist mit seinem voluminösen und ausnehmend klaren Baß ohne Zweifel einer der besten Sänger des Abends. Mit den schnellen Tempi der Rossiniarien kann seine Stimme bestens mithalten, dabei singt er rhythmisch nicht nur auf den Punkt genau, sondern intoniert sowohl in der Tiefe als auch in der Höhe sauber. Besonders in der Arie Ah rispettarmi apprendaDu sollst mich respektieren im ersten Akt ist es ein Genuß, ihm bei der messa di voce (Ausschicken der Stimme mit Anschwellen und Abschwellen) seiner Stimme in den Crescendi-Bögen zuzuhören.

Ante Jerkunica (Mosè) hat ein sonores Timbre in der Stimme und überzeugt durch die dynamischen Wechsel von lauten, aber voluminösen Spitzentönen bis hin zu leise gehauchten Tönen. Seine Ergebenheit zu Gott bringt er in der Arie Eterno! Immenso! Incomprensibil Dio!ewiger großer, unergründlicher Gott zum Ausdruck, indem er flehend auf die Knie fällt, in den Himmel schaut und dabei das Wort clemenza – Güte mit sotto voce sanft erklingen läßt. Anton Rositskiy (Osiride) verfügt über einen sehr hellen, spitzen Tenor, der in der Höhe metallisch klingt. Sehr gut ergänzt sich seine Stimme auch in den Duetten mit seiner Gesangspartnerin Mariangela Sicilia (Elcia), deren lyrischer Sopran äußerst sanft, aber kühl klingt. Nach dem Tod ihres Geliebten bringt sie das Leid über seinen Tod durch viele technische Feinheiten zum Ausdruck. Adriana Bastidas-Gamboa (Amaltea) verfügt über einen üppigen Mezzo mit leichtem Vibrato, den sie gut kontrolliert darstellt. In der Arie La pace mia smarritader Frieden ist mir entschwunden brilliert sie mit gefühlvollen Spitzentönen, bei denen sie ihren warmen Mezzo wunderschön im Legato bindet. Der Chor ist an dieser Stelle auch hervorzuheben. Dal tuo stellato soglio – von deinem Sternenthron ein Gebet, das die Hebräer beim Anblick des „geteilten“ Meeres mit Inbrunst singen ist ein letzter Höhepunkt des Abends und überrascht durch den unmittelbaren Übergang von Moll (Trauer) zu Dur (Freude), hervorgehoben durch eine sehr nuancierte Betonung. Ein einmaliger Chor, der zu Tränen rührt.

Fazit

Nach solchen Abenden sehnt sich jeder Opernfreund, wenn Musik, Bühnenbild und Schauspiel einfach perfekt miteinander harmonieren. Die Projektionen des Theaterkollektivs fügen sich gut in das Bühnenbild und erzeugen eine äußerst stimmige Atmosphäre. Das Publikum ist ebenfalls begeistert, was sich in einem langen Applaus und sogar Bravo-Rufen äußert gegenüber dem Theaterkollektiv. Ein unvergeßlicher Abend!

Melanie Joannidis

Bild: Paul Leclaire

Das Bild zeigt: (Bildmitte) Adriana Bastidas-Gamboa (Amaltea), Joshua Bloom mit Pschent-Krone (Faraone), Anton Rositskiy mit erhobene Faust (Osiride), Chor

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