Die Großherzogin von Gerolstein – Hof, Theater

von Jacques Offenbach (1819-1880), Opéra bouffe in drei Akten, Libretto: Henri Meilhac und Ludovic Halévy, Kritische Edition: Jean-Christophe Keck; UA: 12.April 1867 Paris, Théâtre des Variétés

Regie: Ansgar Weigner, Bühne/Kostüme: Kristopher Kempf

Musikalische Leitung: Walter E. Gugerbauer, Hofer Symphoniker, Opernchor, Choreinstudierung: Claudio Novati

Solisten: Stefanie Rhaue (Großherzogin), Minseok Kim (Fritz), Laura Louisa Lietzmann (Wanda), Rainer Mesecke (General Bumm), Thilo Andersson (Prinz Paul), Karsten Jesgarz (Baron Puck), u.a.

Besuchte Aufführung: 22. Dezember 2017 (Premiere; deutsche Textfassung: Stefan Troßbach)

Kurzinhalt

Fritz, ein Soldat, liebt Wanda. Sein Vorgesetzter General Bumm ist von diesem Verhältnis nicht begeistert, da er sich selber erfolglos um Wanda bemüht hat. Als die Großherzogin von Gerolstein ihrem Regiment einen Besuch abstattet, wirft sie ein Auge auf Fritz und ernennt ihn zum General, was Prinz Paul mißfällt der hofft, von der Großherzogin (GHZ) endlich erhört zu werden. Siegreich kehrt Fritz von einem „Scheingefecht“ zurück und erbittet von der Großherzogin die Vermählung mit Wanda. In der Hochzeitsnacht werden Komplotte von (Ex)-General Bumm und der eifersüchtigen Großherzogin geschmiedet, um Fritz zu degradieren. Doch am Ende bekommt mehr oder weniger jeder das, was er will.

Aufführung

Man kann die Szenerie als Puppenspiel im Kindergarten deuten. Die Figuren wirken puppenhaft, Wanda könnte eine bayrische Barbie sein, die Soldaten sind einem zeitlosen Operettenstaat im Stil eines blauen Nußknackers entnommen, der naive Prinz Paul dem Froschkönig, Baron Puck aus Alice im Wunderland, die Großherzogin hat mit einem übergroßen Steckschlüssel eine Aufziehfunktion. Ein Krieg findet nicht statt, die Nußknacker gehen ab und kommen gleich wieder. Der immer wieder besungene Säbel des Vaters ist ein riesiges Streichholz. Den Hintergrund bildet eine überdimensionale Kinderzeichnung, die Seitenabschlüsse sind Fenster mit Vorhängen, überall liegt Spielzeug herum.

Sänger und Orchester

Der Säbel ihres Vaters wird immer wieder besungen und taucht als Thema immer wieder im Orchester auf – denn die Großherzogin schwingt ihn dauernd. Stefanie Rhaue tut dies mit Charme bzw. Charisma, einem ansteckend strahlenden Lächeln und viel Leuchtkraft in der Stimme. Mit ihrem dunkel timbrierten kräftigen Mezzo mit Tendenz zum Alt bringt sie eine zänkische Chefin auf die Bühne, die am Regieren wenig Interesse hat und nicht ganz frei von Schärfe ist. Laura Louisa Lietzmann ist eine Soubrette, die beim Publikum für Wanda weder stimmlich noch szenisch Liebesgefühle aufkommen läßt. Minseok Kim kann ihren Liebhaber Fritz mit sehr melodiöser, tenoraler Stimmführung gestalten, auch wenn es ab und an noch etwas wackelig klingt. Die baritonale Durchschlagskraft eines alten Kämpfers hat Rainer Mesecke um dem General Bumm Gewicht verleihen zu können, auch wenn ihm in der Tiefe die Stehkraft fehlt. Die Rolle des Prinzen Paul singt er mit Verve und Ausdruck, Thilo Andersson ist ein strahlender Operettentenor oder Tenorbuffo, inklusive der stimmlichen Spielfreude und der Beweglichkeit. Aufmerksamkeit erregt auch der sehr variable Spieltenor Karsten Jesgarz als Baron Puck ist fetter Strippenzieher. Den Hofer Symphonikern und dem Opernchor gelingt es, dank Walter Gugerbauer das Feuer einer Opera bouffe – zum Lodern zu bringen. So wird mit spielerischer Leichtigkeit das Klangbild einer französischen politischen Farce mit deutschem Text zelebriert.

Fazit

Eine allzeit lustige Produktion, die die etwas schwierige Handlung als Kinderspiel lustig über die Bühne bringt. Wie soll man auch sonst in der heutigen Zeit glaubhaft machen, daß man einfach so in den Krieg zieht? Und die Anspielungen an die historische Situation in Frankreich, auf die Offenbach abzielte, ist dem deutschen Publikum sowieso nicht mehr vermittelbar. Die musikalischen Kostbarkeiten, weswegen das Stück auch heute noch gespielt wird, werden dem Publikum eloquent und unterhaltsam serviert: Das Publikum dankt mit donnerndem Applaus.

Oliver Hohlbach

Bild: Harald Dietz

Das Bild zeigt: Rainer Mesecke (General Bumm), Minseok Kim (Fritz), Stefanie Rhaue (Die Großherzogin), Diana Pramatarov (Antonia) und Ensemble

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