TURANDOT – Köln, Oper

von: Giacomo Puccini (1858-1924), Oper in drei Akten, Libretto: Giuseppe Adami, Renato Simoni UA: 25. April 1926 Mailand, Teatro alla Scala

Regie: Lydia Steier, Bühne: fettFilm, Kostüme: Ursula Kudrna

Dirigent: Claude Schnitzler und das Gürzenich-Orchester Köln

Solisten: Catherine Foster (Turandot), Alexander Fedim (Altoum), Mika Kares (Timur), Martin Muehle (Calaf), Guanqun Yu (Liù), Wolfgang Stefan Schwaiger (Ping), John Heuzenroeder (Pang), Martin Koch (Pong), Michael Mrosek (Ein Mandarin)

Besuchte Aufführung: 2. April.2017 (Premiere)

Kurzinhalt

Die chinesische Prinzessin Turandot darf nur der Mann heiraten, der drei Rätsel lösen kann. Alle die daran scheitern, werden hingerichtet. Calaf ist in Turandot verliebt und will sein Glück versuchen. Er kann alle Rätsel lösen, aber Turandot weigert sich dennoch ihn zu heiraten. Calaf stellt sie auf die Probe: wenn sie seinen Namen bis zum Morgengrauen herausfindet, darf sie ihn hinrichten lassen. Turandot läßt Calafs Vater Timur und Liù, seine Sklavin, ausfindig machen und foltert Liù, um den Namen heraus zu bekommen. Doch diese bleibt aus Liebe zu Calaf standhaft und bringt sich selbst um. Calaf klagt Turandot für ihre Grausamkeit an und nennt ihr seinen Namen. Turandot läßt sich endlich erweichen und gesteht ihm ihre Liebe.

Aufführung

Über der Bühne ist in großen Leuchtbuchstaben das Wort KINO zu lesen. Später werden die Buchstaben PE dazu geschoben, so daß PEKINO, die italienische Variante „Peking“ zu lesen ist. Unter diesem Motto präsentiert sich das Bühnenbild, das an einen bunten Kinofilmstreifen mit vielen Effekten erinnert.

Zunächst tritt das chinesische Volk zwischen den Gitterstäben der Bühnenkonstruktion auf, dann werden von der Seite Platten eingefahren, die die eigentliche Bühne bilden. Sowohl die Kostüme, mit traditionellen chinesischen Gewändern, schwarzen Perücken und weiß geschminkten Gesichtern, als auch die Requisiten mit goldenen Drachen und übergroßen Folterinstrumenten, sind sehr plakativ. Turandot trägt ein lilafarbenes Kleid mit einem riesigen Reifrock, Calaf hat lange schwarze Haare und eine orientalische Pumphose. Die Brutalität der Oper wird durch gewaltsame Szenen, in denen beispielsweise Finger und Hände abgeschnitten werden, widergespiegelt.

Sänger und Orchester

Claude Schnitzler dirigiert das Orchester und stimmt mit schweren Geigenakkorden in die Oper ein. Michael Mrosek (Ein Mandarin) verkündet den Eid, den Turandot geschworen hat. Dabei sorgt sein klarer Bariton, den er sehr erzählend und gleichmäßig im Mezzoforte einsetzt, für eine verheißungsvolle Atmosphäre. Mika Kares (Timur) tritt mit Blindenbinde über den Augen auf und überzeugt in seiner Rolle durch einen dunklen, sehr sonoren Bass, der die Sorgen des Vaters gut hervorhebt. Die Paraderollen werden von Martin Muehle (Calaf) und Catherine Foster (Turandot) sehr emotional und mit hoher gesanglicher Kunst gegeben. Beide verfügen über sehr metallische Stimmen, die in der Höhe wahre Höchstleistungen zeigen. Allen voran ist Martin Muehle zu nennen, der mit seinem strahlenden Tenor, warmem Timbre mit viel Volumen für sich einnimmt. Das geschmeidige An- und Abschwellen seiner Stimme setzt er sehr gekonnt ein. Auf ihm lastet die große Bürde, die berühmte Arie nessun dorma – niemand schläft wiederzugeben. Doch diesem Druck hält er stand und singt die Arie gefühlvoll und mit großer Präzision. Den Spitzenton hält er festun gibt seiner Stimme etwas Majestätisches.

Catherine Foster setzt ihren, kühlen, aber eindringlichen Sopran gefühlvoll ein und läßt ihn in der Höhe voluminös anschwellen. Besonders die Arie O Principi, che a lunghe carovane – Oh Prinzen, die ihr mit langen Karawanen herkommt singt sie mit Inbrunst in der Stimme und betont ihre Unabhängigkeit in der Phrase niemand wird mich je besitzen. Ein weiterer Höhepunkt ist Guanqun Yu (Liù), die besonders in den leisen Partien mit ihrem eleganten Sopran für wunderschöne Momente sorgt. Im sotto voce haucht sie mit perfektem Stimmschluß die hohen Töne und alles kommt dabei sehr zart und zerbrechlich ans Ohr. Ebenfalls erwähnenswert sind Stefan Schwaiger (Ping), John Heuzenroeder (Pang) und Martin Koch (Pong), die in ihren Rollen für komödiantische Akzente sorgen und stimmlich besonders im Terzett O Cina, o Cina – Oh China, oh China für ein harmonisches Ensemble sorgen. Zuletzt sei die hervorragende Leistung des Chores erwähnt, der eine wunderschöne Atmosphäre auf die Bühne zaubert und sehr synchron singt. Zum krönenden Abschluß schmettern die Sänger und Sängerinnen die Akkorde im Fortissimo heraus.

Fazit

Spannend und mitreißend ist die Aufführung bis zum letzten Atemzug. Sowohl für Ohr als auch fürs Auge bringt die Kölner Inszenierung einiges zustande und bleibt dabei dem Puccini-Stil treu – das ist nicht zuletzt auch dem hervorragend Dirigat von Claude Schnitzler Orchester zu verdanken. Allen voran ist es die exzellente Darbietung von Martin Muehle, die im Gedächtnis bleibt und zu Tränen rührt. Dafür spendet das Publikum einen besonderen Applaus genauso wir für Catherine Foster und Guanqun Yu. Ein schöner Opernabend!

Melanie Joannidis

Bild: Bernd Uhlig

Das Bild zeigt: Catherine Foster (Turandot) und Martin Muehle (Calaf)

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Turandot (G. Puccini)
Musikalische Leitung: Axel Kober / Wen-Pin Chien, Inszenierung: Huan-Hsiung Li, Turandot: Linda Watson, Altoum: Bruce Rankin, Timur: Sami Luttinen, Kalaf: Zoran Todorovich, Liù: Brigitta Kele, Ping: Bogdan Baciu, Pang: Florian Simson, Pong: Cornel Frey, Mandarin: Daniel Djambazian, Prinz von Persien: Hubert Walawski, Tänzerin: Yi-An Chen