LA GIOCONDA – Malmö, Oper

von Amilcare Ponchielli (1834-1886), Oper in vier Akten, Libretto: Arrigo Boito unter dem Pseudonym: Tobia Gorrio, nach dem Drama Angelo, tyran de Padoue von Victor Hugo, UA: 8. April 1876 Mailand, Teatro alla Scala, Endfassung: 1879 Genua, hier gespielt

Regie: Staffan Valdemar Holm, Bühne/Kostüm: Bente Lykke Møller, Licht: Torben Lendorph, Choreographie: Tim Matiakis

Dirigent: Alberto Hold-Garrido, Orchester und Chor und Kinderchor der Oper Malmö, Einstudierung: André Kellinghaus und Kristina W. Svensson

Solisten: Elena Mikhailenko (Gioconda), Maria Streijffert (die Blinde), Géraldine Chauvet (Laura Adorno), Paulo Ferreira (Enzo Grimaldo), Insung Sim (Alvise Badoèro), Fredrik Zetterström (Barnabá) u.a.

Besuchte Aufführung: 25. März 2017 (Premiere)

Kurzinhalt

Während des Karnevals in Venedig findet Enzo, ein Genueser Fürst, der um sein Land gebracht wurde und sich als Seemann durchschlägt, seine Jugendliebe Laura wieder, die mit Alvise verheiratet ist. Die Sängerin Gioconda liebt Enzo und wehrt sich gegen die Annäherungsversuche des Spions Barnaba. Als der einsieht, daß er sie auf friedlichem Wege nicht gewinnen kann, klagt er ihre Mutter, die Blinde, der Hexerei an. Ihr Leben wird durch das Einschreiten Lauras gerettet. Deswegen fühlt sich Gioconda ihr verpflichtet. Doch sie gerät mit ihr in einem Streit um Enzo aneinander. Schließlich verzichtet sie auf ihn. Alvise hat durch Barnaba mittlerweile erfahren, daß seine Frau Laura mit Enzo zu fliehen gedenkt. Er zwingt sie dazu, sich zu vergiften, doch gelingt es Gioconda, das Gift gegen einen Schlaftrunk auszutauschen. Als Enzo erfährt, daß Laura tot sei, gibt er seine wahre Identität zu erkennen und wird verhaftet. Gioconda überredet Barnaba, ihn freizulassen und bietet ihm als Gegenleistung ihren Körper an. Barnaba willigt ein und Enzo und die aus ihrem Schlaf erwachte Laura können fliehen. Bevor Barnaba sich jedoch an Gioconda vergehen kann, nimmt sie sich das Leben.

Aufführung

Das Bühnenbild ist in allen vier Akten karg und der Raum für die Sänger durch Wände über die gesamte Höhe und Breite der Bühne auf den Bereich an der Rampe eingeengt. Das hat zwar eine gewisse Stereotypie der Personenregie zur Folge, ist aber vom Akustischen her vorteilhaft, weil die Solisten und Choristen so stets klanglich über dem Orchester stehen. Es dominieren Schwarz, Weiß und Grau bis auf den dritten Akt, bei dem die Wand im Hintergrund und die Kostüme der Sängerinnen in Gold gehalten sind. Darüberhinaus gibt es keine Farbakzente.

Der Tanz der Stunden im dritten Akt wird von zwei klassischen Ballettänzern (Susanne Grinder und Ulrik Birkkjæer) dargeboten und die Personenregie hält sich an die Vorlage, versucht also nicht, eine eigene Geschichte zu erzählen. Die Kostüme sind zeitgenössisch-indifferent bis auf den zweiten Akt, in dem alle Sänger in einem Matrosenanzug aufzutreten haben, was im Publikum – vielleicht beabsichtigt – für Heiterkeit sorgte.

Sänger und Orchester

Auch wenn der farbige und sichere Orchestersatz Ponchiellis diese Oper auszeichnet, liegt die Hauptlast der italienischen Tradition entsprechend auf den Sängern; d.h. sie stehen musikalisch die ganze Zeit im Mittelpunkt. In diesem Punkt ist man in Malmö kein Risiko eingegangen, denn alle Solisten dieser Produktion zeichnen sich durch ihr überragendes, sehr kraftvolles Stimmaterial aus.

An erster Stelle ist hier Paulo Ferreira als Enzo zu nennen. Sein über das gesamte Register hinweg ungemein metallisches Timbre und seine Gesangstechnik mit ihrem schluchzenden, an Caruso erinnernden Ansatz entsprechen vollkommen dem, was man von einem italienischen Operntenor mit Spezialisierung auf das spätromantische Repertoire erwarten darf. Hinzu kommt ein anscheinend unverwüstliches Selbstbewußtsein.

Géraldine Chauvet als Laura verfügt über eine füllige Tiefe und weiß ihr Organ vor allem in den sprecherischen Passagen souverän einzusetzen. Ihre Stimme hat überhaupt keine Schärfen, die sich in den schnellen, lauten Ensembles ein wenig bei Elena Mikhailenko in der Titelrolle zeigen. Das ist aber auch der einzige Einwand, den man gegen ihre Leistung erheben kann, denn ihre rein solistischen Parts, insbesondere die Preghiera im letzten Akt, gelangen ihr tadellos. Sie waren klanglich homogen und dynamisch fein gestaltet. Fredrik Zetterström (Barnabá) gibt musikalisch und darstellerisch einen großartigen Intriganten. Abschließend ist noch die rhythmische Präzision der Chöre, die dynamisch und akzentuell reibungslos mit dem Orchester zusammenspielten, lobend hervorzuheben.

Fazit

Die skandinavische Nüchternheit des Bühnenbildes sollte nicht vom Besuch dieser Inszenierung abschrecken. Sie dient m.E. als Mittel zum Zweck, welcher ist, den Gesang buchstäblich in den Vordergrund zu rücken. Und gesungen wird an diesem Abend, daß es eine Wonne ist. Den Zuhörer erwarten eine musikalisch bis ins Detail durchgestaltete Einstudierung und phänomenale Stimmen.

Dr. Martin Knust

Bild: Malin Arnesson

Das bild zeigt: Fredrik Zetterström (Barnaba) och Elena Mikhailenko (Gioconda)

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Turandot (G. Puccini)
Musikalische Leitung: Axel Kober / Wen-Pin Chien, Inszenierung: Huan-Hsiung Li, Turandot: Linda Watson, Altoum: Bruce Rankin, Timur: Sami Luttinen, Kalaf: Zoran Todorovich, Liù: Brigitta Kele, Ping: Bogdan Baciu, Pang: Florian Simson, Pong: Cornel Frey, Mandarin: Daniel Djambazian, Prinz von Persien: Hubert Walawski, Tänzerin: Yi-An Chen