FALSTAFF – Köln, Oper

von: Giuseppe Verdi, Commedia lirica in drei Akten, Text: Arrigo Boito nach William Shakespeare, UA: 09. Februar 1893 Mailand, Teatro alla Scala

Regie: Dietrich W. Hilsdorf, Bühne: Dieter Richter, Kostüme: Renate Schmitzer

Dirigent: Will Humburg und das Gürzenich-Orchester

Solisten: Lucio Gallo (Sir John Falstaff), Nicholas Pallesen (Ford), Liparit Avetisyan (Fenton), Martin Koch (Dr. Cajus), Ralf Rachbauer (Bardolfo), Lucas Singer (Pistola), Natalie Karl (Alice Ford), Emily Hindrichs (Nannetta), Adriana Bastidas Gamboa (Meg Page), Dalia Schaechter (Mrs. Quickly)

Besuchte Aufführung: 30. Oktober 2016 (Premiere)

koeln-falstaffKurzinhalt

Der verarmte Ritter John Falstaff beschließt, die reichen Damen Alice Ford und Meg Page zu verführen. Als diese dies bemerken dies bemerken, da sie beide von Falstaff Liebesbriefe erhalten haben, wollen sie ihm eine Lektion erteilen. Mrs. Quickly vereinbart mit Falstaff ein Rendezvous mit beiden Frauen. Falstaff erscheint bei Alice Ford, doch ihr Mann kommt dazwischen. Die Damen helfen Falstaff sich in einem Wäschekorb zu verstecken und leeren ihn in der Themse aus. Bei einem weiteren Stelldichein um Mitternacht verkleiden sich alle als Feen und Kobolde und quälen und beschimpfen Falstaff, bis er seine Fehltaten gesteht.

Aufführung

Die Bühne im Kölner Staatenhaus besteht aus einer Empore, die dreieckig zugespitzt ist. Die Gestaltung des Raumes ist sehr schlicht und spiegelt die Gesellschaft des späten 19. Jahrhunderts wider. Der vordere Teil ist durch einen Vorhang mit dem Gemälde einer adeligen Gesellschaft vom hinteren Teil abgetrennt. Dort befindet sich eine lange Tafel mit weißer Tischdecke und Polsterstühlen. Die Kostüme sind der Adelsgesellschaft angepaßt. Falstaff trägt einen langen schwarzen Frack, die Damen lange Abendkleider mit Glitzerverzierungen und Seidenapplikationen. Insgesamt ist die Inszenierung sehr minimalistisch angelegt und konzentriert sich auf die musikalische und schauspielerische Darbietung.

Sänger und Orchester

Von Anfang an ist Lucio Gallo (Falstaff) in der Rolle des verarmten Ritters sehr präsent. Während er mit seiner warmen, samtenen Baritonstimme über seine Verführungskunst bei den Frauen philosophiert, wippt er selbstsicher in einer Art Frisierstuhl. In der Höhe läßt er seine Stimme kraftvoll anschwellen, dabei ahmt er in seinen Erzählungen lautmalerisch Frauenstimmen mit gekünstelt hoher Stimme nach. Seine Mimik lebt von einem grimmigen Gesichtsausdruck. Dabei baut er viele komödiantische Momente ein wie das Jagen seiner Diener mit einem Besen. Unter den Frauenstimmen sticht besonders Emily Hindrichs (Nannetta) heraus, die ihren glasklaren Sopran sehr anmutig in der Höhe führt. Besonders das Ausschicken der Fermaten auf einem Ton gelingt ihr mit technischer Raffinesse. Dabei betont sie den zerbrechlichen Charakter ihrer mädchenhaften Rolle.

Ihre Mutter wird von Natalie Karl (Alice Ford) gespielt, die ebenfalls mit klarem Sopran singt, den die sie sehr flink und mit rhythmischer Präzision in den schnellen Partien einsetzt. Dabei mischt sie besonders bei ihren Rachegelüste grollende Töne der Bruststimme bei. Als stimmlicher Gegenpol fungiert Dalia Schaechter (Mrs. Quickly), die mit ihrem dunklen, inbrünstigen Mezzosopran sehr verführerisch und akzentuiert singt. Ebenso dunkel und temperamentvoll klingt auch der Mezzo von Adriana Bastidas Gamboa (Meg Page). Im Quartett ergänzen sich die hellen Sopranstimmen mit den dunklen Mezzo-Stimmen zu einem nuancierten Gesamtklang, der die Eigenständigkeit der Melodien der Verdi-Musik sehr gut transportiert.

Unter den Männerstimmen kann Nicholas Pallesen (Ford) mit seinem hellen Bariton, der schon tenorales Gepräge hat, überzeugen. Der Einfallsreichtum seiner schönen Stimme ist immens: von im sotto voce gehauchten Tönen bis hin zu im Fortissimo geschmetterten Spitzentönen bedient er das ganze Spektrum der Gefühle. Dabei singt er die Melodiebögen sehr gebunden. Ebenfalls zu erwähnen ist Liparit Avetisyan (Fenton). Sein lyrischer Tenor wirkt besonders in der Liebesarie im dritten Akt unglaublich schmelzend und schmachtend. Dabei singt er sehr getragen und läßt viel Raum zur dynamischen Steigerung. Unter der Leitung Will Humburgs kann sich auch das Orchester immer wieder von seiner Glanzseite zeigen. Er dirigiert die schwierigen Einsätze mit temperamentvollen Gesten akkurat durch die Partitur. Auf diese Weise gibt das Orchester eine gute rhythmische und harmonische Stütze für den Gesang.

Fazit

Die Inszenierung ist zurückhaltend, womit die Musik in den Vordergrund rückt. Hinzu kommt eine hervorragende Leistung der Sänge unterstützt vom hervorragend spielenden Orchester. Lucio Gallo strahlt in der Rolle des Falstaffs und sorgt für viele unterhaltsame Momente. Das Publikum spendiert ihm und ebenso Humburg für sein fantastisches Dirigat langanhaltenden Applaus. Ein schöner Abend!

Melanie Joannidis

Bild: Paul Leclaire

Das Bild zeigt: Lucio Gallo (Sir John Falstaff) und Dalia Schächter (Mrs. Quickly)

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