DIE VERKAUFTE BRAUT – Aachen, Stadttheater

von Bedřich Smetana (1824-1884), Komische Oper in 3 Akten, Libretto: Karel Sabrina, UA (1. Fassung): 30. Mai 1866 Prag, Interimstheater, Erstaufführung der (3.) Fassung mit gesungenen Rezitativen: 25. September 1870

Regie: Béatrice Lachaussée, Bühne: Dominique Wiesbauer, Kostüme: Nele Ellegiers

Dirigent: Justus Thorau und das Sinfonieorchester Aachen

Solisten: Jorge Escobar (Krušina), Irina Popova (Ludmilla), Camille Schnoor (Marie), Pawel Lawreszuk (Micha), Sanja Radišić (Háta), Keith Bernard Stronum (Vašek), Chris Lysack (Jeník), Woong-jo Choi (Kezal)

Besuchte Aufführung: 5. Juni 2016 (Premiere in deutsche Version, Übersetzung: Emanuel Züngel)

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Marie soll mit dem reichen Vašek verheiratet werden. Doch sie ist bereits in Jeník verliebt und will von Vašek nichts wissen. Währenddessen schließt Jeník mit dem Heiratsvermittler einen Vertrag, daß er für 300 Gulden auf Marie verzichtet, unter der Bedingung, daß Marie nur einen Sohn des Micha heiraten darf. Jeník ist der Halbbruder von Vašek und somit auch ein Sohn des Micha, was aber keiner weiß. Marie ist empört über Jeníks Handel, aber als Vašeks Vater Jeník als seinen verloren geglaubten Sohn erkennt, können die beiden doch heiraten.

Aufführung

Die Bühne ist mit hellen Birkenholzbrettern ausgekleidet. Im Vordergrund steht eine Holzbank, in der Mitte ein weißes Haus. An der Seite sind Blumentöpfe angebracht, die auch im Schauspiel als Requisit eingesetzt werden. Die Kostüme erinnern an bayrische Landtracht: die Männer tragen Jankerl und Jagdhüte, die Frauen figurbetonte Röcke und Blusen wie in den 1950er Jahren.

Sänger und Orchester

In einem sehr schnellen Tempo jagt Justus Thoraus das Orchester durch die Ouvertüre. Die Lautstärke ist in einem moderaten Mezzoforte gut angepaßt, die Streicher glänzen in den schnellen Tonleiterläufen, so daß der lebendige Charakter der Musik dominiert,. Zu Beginn des Gesangs nimmt Thorau das schnelle Tempo nicht genug zurück, so ist das Orchester nicht synchron mit dem Gesang. Dies spielt sich aber nach kurzer Zeit ein, und es entsteht eine gute Balance zwischen Sängern und Instrumenten. Unter den Frauen ist Camille Schnoor (Marie) der Star des Abends. Mit dem warmen Timbre ihres dunkel gefärbten Soprans singt sie in der Arie Gern ja will ich dir vertrauen sehr kontrolliert und gefühlvoll. Das An- und Abschwellen der Stimme auf einem Ton gelingt ihr besonders gut, ebenso wechselt sie gekonnt zwischen Brust- und Kopfstimme. Ihr Duettpartner Chris Lysack (Jeník) kann in den Arien leider nicht ganz überzeugen, da er die Töne nicht halten kann, ohne daß seine Stimme zittrig wird. Sein silbrig metallischer Tenor ergänzt sich aber im Duett Mit der Mutter sank zu Grabe hervorragend mit Camille Schnoor, deren Sopran seine helle Stimme wunderbar einrahmt. Keith Bernard Stronum (Vašek) singt mit seinem lieblich-lyrischen Tenor, den er besonders in den „Stotter-Phrasen“ sehr akzentuiert einsetzt, wobei er die Silben übertrieben betont. Dabei überzeugt er ebenso durch ein sehr komödiantisches Schauspiel. Während der Arie O, was ich mich betrübe spielt er nervös mit seiner Mütze und läßt Verzierungen mit sotto voce gehauchten Tönen hören. Ebenso technisch versiert singt Wong-jo Choi (Kezal), der mit seinem voluminösen Bariton bis in die allerletzte Reihe klar und deutlich zu hören ist. Rhythmisch auf den Punkt singt er die Arie Alles ist so gut wie richtig, intoniert auch in den tiefen Tönen sehr sauber, während er sich siegessicher an seinen Hosenträgern faßt und den gewieften Geschäftsmann abgibt. Die beiden Mütter Irina Popova (Ludmilla) und Sanja Radiš (Háta) singen und spielen ihre Rolle ziemlich übertrieben aus. Beide setzen ihre raumfüllenden Sopranstimmen auch lautmalerisch ein, beispielsweise indem sie zwischen Sprechgesang und Gesang abwechseln. Pawel Lawreszuk (Mícha) und Jorge Escobar (Krušina) zeigen mit ihren grollenden Baßbaritonstimmen ebenfalls eine solide Leistung. Erwähnenswert ist auch das Sextett Noch ein Weilchen. Marie, bedenk es dir: hier ergänzen sich die rauchigen Stimmen der Männer mit den schillernden Stimmen der Frauen zu einem wunderschönen, sehr nuancierten Gesamtklang. Auch der Chor überzeugt durch gute dynamische Wechsel zwischen forte und piano und erzeugt, besonders im Finale, eine überwältigende Stimmenpracht.

Fazit

In den ersten beiden Akten ist die Inszenierung sehr auf das Schauspiel und die gesangliche Darbietung konzentriert, im dritten Akt kommen dann noch viele Knalleffekte hinzu, z.B. fährt der Zirkusdirektor auf einem Fahrrad herein und tanzt zu seiner Hupe La cucaracha und Vašek hebt zum Finale an einem Luftballon hängend in die Luft ab.
Musikalisch läßt der Abend keine Wünsche offen. Das gilt auch für die Inszenierung und das schöne Bühnenbild sowie die Kostüme. Die Atmosphäre stimmte insgesamt. Ein besonderer Genuß sind der Gesang von Keith Bernard Stronum, Woong-jo Choi und Camille Schnoor, die vom Publikum Ovationen bekommen.

Melanie Joannidis

Bild: Wil van Iersel

Das Bild zeigt: Woong-jo Choi (Kezal), Opern und Extrachor Aachen

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