DER ROSENKAVALIER – Paris, Opéra Bastille

von Richard Strauss, Komödie in drei Akten, Text: Hugo von Hofmannsthal, UA: 26 Januar 1911 Dresden, Hofoper

Regie, Bühne, Kostüme: Herbert Wernicke, Licht: Werner Breitenfelder

Dirigent: Philippe Jordan, Orchester und Chor der Opéra National de Paris, Choreinstudierung: José Luis Basso

Solisten: Michaela Kaune (Die Feldmarschallin), Peter Rose (Baron Ochs), Daniela Sindram (Oktavian), Martin Gantner (Herr von Faninal), Erin Morley (Sophie), Irmgard Vilsmaier (Marianne Leitmetzerin), Dietmar Kerschbaum (Valzacchi), Eve-Maud Hubeaux  (Annina), Francesco Demuro (Ein Sänger) u.a.

Besuchte Aufführung: 9. Mai 2016 (Premiere, Koproduktion mit den Salzburger Festspielen)

Du lundi 9 mai 2016 au mardi 31 mai 2016Kurzinhalt

Bevor Baron Ochs von Lerchenau mit viel Gepolter ins Schlafgemach seiner Cousine, der Marschallin, eindringen kann, hat deren junger Liebhaber Oktavian gerade noch Zeit, sich als Kammerzofe zu verkleiden. Ochs teilt der Marschallin mit, daß er Sophie, die junge Tochter des reichen Kaufmanns von Faninal heiraten werde, und bittet darum, ob sie ihm nicht einen Brautwerber vorschlagen könne, der, wie der Brauch es will, der Braut die silberne Rose überbringen solle. Die Marschallin zeigt ihm ein Portrait des jungen Oktavian. Der Baron stimmt zu. Im Weggehen fällt ihm die Ähnlichkeit mit der hübschen „Kammerzofe“ auf.
Oktavian beteuert der Marschallin stürmische seine Liebe, doch sie will allein sein und schickt ihn fort. Sie spürt, daß er sie bald verlassen wird. Allein sinnt sie über das Vergehen der Zeit und über ihre schwindende Jugend nach.
Die höfliche Eleganz des Rosenkavaliers und die unschuldige Schönheit der Braut läßt eine tiefe gegenseitige Liebe zwischen den beiden jungen Leuten entstehen. Umso mehr ist Sophie entsetzt über das grobschlächtige Benehmen von Baron Ochs. Auch Oktavian ist empört. Es kommt zum Duell, der Baron wird verletzt, schreit Zeter und Mordio, doch beruhigt sich schnell, als man ihm ein Billet zu einem geheimen Stelldichein mit der „Kammerzofe“ der Marschallin zusteckt. Abends erwartet Oktavian, wieder als Kammerzofe verkleidet, den Baron in der chambre separée eines Gasthofs. Es gelingt ihm mit Hilfe von zwei Intriganten, einen richtigen Skandal zu inszenieren, der dann den Baron sogar für den Herrn von Faninal als Bräutigam unmöglich macht. Als Oktavian sich zu erkennen gibt, durchschaut der Baron das Spiel und zieht sich beim Eintreffen der Marschallin mit wiedergefundener Haltung zurück. Die Marschallin überläßt mit Würde und etwas Wehmut das junge Paar ihrer Liebe.

Aufführung

Die Inszenierung ist bis ins Detail mit vielen, teils drolligen, teils ernsten Regieeinfällen ausgearbeitet. Die Kostüme sind aus verschiedenen Epochen zusammengesucht. Die Lakaien um 1770, die Wachtleute als österreichische Polizei um 2000. Der Rosenkavalier in cremefarbenem Kostüm mit Zylinder und Sophie in weitem weißem Tüllrock, beide wie Tänzer aus einem Musical von 1950. Alle übrigen tragen Kostüme zwischen 1900 und heute. Die Bühne ist mit einem raffinierten System von beweglichen Spiegelkulissen umrandet, das einmal das Innere eines Barockpalastes ergibt und dann wieder reine, kalte Spiegelwände in der Art der 1920iger Jahre. Nur die Schlußszene gibt den Blick auf eine Parkallee frei. Erstaunlicherweise fügt sich all das im Großen und Ganzen zu einem  harmonischen Gesamtbild zusammen.

Sänger und Orchester

Michaela Kaune singt die Marschallin mit feiner, samtener Sopranstimme, besonders glänzend in den hohen Lagen. Sie spielt zurückhaltend die nachdenkliche Melancholie der alternden Frau, wie im Monolog Da geht er hin der aufgeblasene, schlechte Kerl (1. Akt). Doch hält ihre Stimme, besonders in den mittleren und tiefen Lagen, nicht immer dem vollen Orchester stand, so daß die ganze strahlende Schönheit des Terzetts in der Schlußszene der Oper nicht voll zur Geltung kommt. Daniela Sindrams Mezzosopran als Oktavian ist stark und reich an Tonfarben, und so ist auch das Schlußduett mit Sophie eines der Höhepunkte der Oper. Doch auch als Komikerin blödelt sie mit Humor und verstellter Stimme durch die Rolle der vermeintlichen Kammerzofe. Erin Morleys (Sophie) hoher Sopran ist warm und glockenklar und verschmilzt wunderschön mit Daniela Sindrams Mezzo bei der Überreichung der silbernen Rose im zweiten Akt, sowie am Schluß der Oper. Peter Rose stellt mit sonorem, tiefem Baß den Ochs von Lerchenau als urwüchsigen Rüpel dar. Martin Gantner ist glaubhaft der ängstliche, beflissene Faninal. Irmgard Vilsmaier als Leitmetzerin singt witzig ihr Walzer-Couplet.
Das Orchestre de l’Opéra National de Paris bringt unter der Leitung von Philippe Jordan die reiche Vielfalt der Strauss’schen Klangfarben zur Entfaltung.

Fazit

Von einigen kleineren Mängeln abgesehen, war es eine schöne Aufführung, die mit viel Applaus bedacht wurde.

Alexander Jordis-Lohausen

Bild: Emilie Brouchon

Das Bild zeigt: Erin Morley (Sophie), Daniela Sindram (Oktavian)

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