DON PASQUALE – Greifswald, Theater Vorpommern

von Gaetano Donizetti (1797-1848), Opera buffa in 3 Akten, Libretto: Giovanni Domenico Ruffini und Gaetano Donizetti nach Angelo Anelli, UA: 3. Januar 1843 Paris, Théâtre-Italien

Regie/Bühne: Klaus Gehre, Bühne: Mai Gogishvili, Kostüme: Mai Gogishvili, Licht: Kristen Heitmann, Dramaturgie: Stephanie Langenberg, Sascha Löschner, Animation Live-Film: Christiane Waak und Stephan Waak

Dirigent: Florian Csizmadia, Philharmonisches Orchester und Opernchor des Theaters Vorpommern, Choreinstudierung: Rustam Samedov

Solisten: Thomas Rettensteiner (Don Pasquale), Alexandru Constantinescu (Dr. Malatesta), Joska Lehtinen (Ernesto), Jardena Flückiger (Norina), Valmar Saar (Notar) u.a.

Besuchte Aufführung: 30. April 2016 (Premiere, deutsche Fassung: Klaus Gehre)

 

Theater Vorpommern: "Don Pasquale", Opera buffa in drei Akten von Gaetano Donizetti, Premiere in Greifswald : 30.4.2016, in Stralsund: 21.5.2016 Musikalische Leitung: Florian Csizmadia Inszenierung: Klaus Gehre Buehne: Klaus Gehre / Mai Gogishvili Kostueme: Mai Gogishvili Choere: Rustam Samedov Dramaturgie: Stephanie Langenberg/Sascha Loeschner mit: Joska Lehtinen (als Ernesto) Jardena Flueckiger (als Norina) Thomas Rettensteiner (als Don Pasquale) Alexandru Constantinescu (als Dr. Malatesta) Valmar Saar / Alexej Trochin (als Notar) © MuTphoto/ Braun  e-mail: info@mutphoto.deKurzinhalt

Der ältere, aber sehr reiche Junggeselle Don Pasquale denkt ans Heiraten. Auch seinen Neffen Ernesto, der die mittellose Norina liebt, beabsichtigt er, diesen mit einer wohlhabenden Adligen zu verheiraten. Als dieser sich weigert, beschließt Pasquale ihn zu enterben und setzt ihn außerdem kurzerhand vor die Tür. Gemeinsam mit Don Pasquales Arzt Malatesta entwirft Norina einen Plan, um Ernesto zurück zu gewinnen: Malatesta stellt sie als seine Schwester Sofronia vor, in die sich Don Pasquale sofort verliebt. Daraufhin geht Norina inkognito eine Scheinehe mit Don Pasquale ein und entpuppt sich als Hausdrachen. Kein Wunder, daß Pasquale sich schnell von ihr befreien möchte. Nachdem Sofronia ihre wahre Identität als Norina aufgedeckt hat, stimmt Don Pasquale letztendlich der Heirat Ernestos mit  Norina zu.

Aufführung

Während das Publikum den Saal betritt, wird auf der Bühne bereits gearbeitet. Im vorderen Bereich befinden sich diverse Kameras und Hilfsmittel, die für eine Live-Film-Produktion benötigt werden. Während die Ouvertüre erklingt, wird – anders als bei im Libretto angegeben – auf einer erhöhten, schmalen Bühne die Vorgeschichte dargestellt. Auf einer Projektionswand im Hintergrund ist ein Live-Film zu sehen, welcher dem Publikum Hinweise zum Geschehen, den Schauplätzen und Gedanken der Akteure gibt. So träumt die mittellose Norina in den Bergen Aserbaidschans von einer besseren Zukunft in New York. Mit Hilfe von Karten und verschiedenen Transportmitteln kann das Publikum ihren Reiseweg verfolgen. Als sie Ernesto in New York trifft, macht es boom und die beiden verlieben sich. Mit dem Puppenpaar Ken und Barbie, welches als Markenzeichen Klaus Gehres gilt, wird das Streben nach Geld und Liebe stilisiert. Somit holt er die klassische Handlung nicht direkt in die Gegenwart, sondern setzt Elemente der Popkultur ein und überarbeitet passend die Gesangstexte. Die Inszenierung der Oper hingegen kommt ohne klassisches Bühnenbild und mit nur wenigen Requisiten aus.

Sänger und Orchester

Das ausgesprochen harmonische und klanglich ausgewogene Sängerensemble sorgt für viele musikalische Überraschungen. Alle Stimmen verbinden sich einwandfrei zu einem ansprechenden Ensembleklang und bewahren dabei stets ihren eigenen Ausdruck. Schauspielerisch stellt die Inszenierung eine große Herausforderung für die Beteiligten dar, da diese aufgrund des zeitweise aufdringlichen Live-Film-Konzepts etwas untergehen. Doch die Sänger meistern ihre Rollen mit Bravour. Thomas Rettensteiner verkörpert mit einem guten Gespür für Komik den reichen alten Don Pasquale und spielt diesen so überzeugend, als wäre die Rolle für ihn geschrieben worden. Mit seinem volltönenden und beweglichen Bariton zeigt er eine gesangliche Glanzleistung und gehört zu den Lieblingen des Abends. Auch Alexandru Constantinescu (Dr. Malatesta) besticht gesanglich wie darstellerisch. Seine ausgeglichene, klangvolle Stimme verleiht er ein angenehmes Vibrato. Durch warme Nuancen glänzt sein Bariton mit klarem und kernigem Charakter.

Jardena Flückiger (Norina) schmückt ihren kräftigen, leuchtenden Sopran klangschön mit weichen, geschmeidigen Koloraturen. Sie stellt eine wunderbar schüchterne Sofronia, sowie Don Pasquales verschwenderische, herrische Ehefrau dar. Während des Finalduetts, gemeinsam mit dem technisch brillanten Joska Lehtinen (Ernesto), gewinnen beide Stimmen an Volumen und Wärme. Als smarter und wendiger Neffe besticht der Tenor mit natürlicher, kraftvoller Stimme. Auch Valmar Saar (Notar) ist auf Grund seines volltönenden Baßbaritons zu erwähnen.

Der im dritten Akt auftretende Opernchor trägt zu einem ausgewogenen Gesamtklang bei und Klaus Gehres umgeschriebener Chor der Moral wird passend an das Publikum gerichtet. Das Philharmonische Orchester Vorpommern spielt beschwingt und farblich nuanciert unter dem sicheren Dirigat von Florian Csizmadia. Dabei ist das dynamische Verhältnis zwischen Orchester und Sängern an den meisten Stellen ausgewogen.

Fazit

Mit dem Puppenpaar Ken und Barbie, welches als Markenzeichen Klaus Gehres gilt, wird das Streben nach Geld und Liebe stilisiert. Somit holt er die klassische Handlung nicht direkt in die Gegenwart, sondern setzt Elemente der Popkultur ein und überarbeitete  die Gesangstexte. So werden die Arien und Rezitative in deutscher Sprache gesungen, was der Textverständlichkeit zugute kommt. Jedoch wirken Musik und Sprachfluß dadurch etwas weniger rund. Die Inszenierung der Oper hingegen kommt ohne klassisches Bühnenbild und mit nur wenigen Requisiten aus.

Ob die Handlung eine Modernisierung des Stoffes braucht, sei dahingestellt. Jedenfalls funktioniert es und wird gut angenommen. Jedoch drängen sich die Live-Filme, die handwerkliches Geschick voraussetzen, immer wieder in den Vordergrund. Dadurch können Musik und Handlung nicht immer verfolgt werden. Phasenweise gibt es eine Reizüberflutung, die manch einen überfordern kann. Schließlich waren es andere Elemente, die das Publikum im leider keineswegs vollbesetzten Greifswalder Theater zu einem langanhaltenden Schlußapplaus bewegten.

Judith Hering

Bild: Mu Tphoto / Barbara Braun

Das Bild zeigt: Jardena Flückiger (Norina), Thomas Rettensteiner (Don Pasquale), Alexandru Constantinescu (Dr. Malatesta)

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