COSÌ FAN TUTTE – Paris Palais Garnier

von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Opera buffa in zwei Akten, Libretto: Lorenzo da Ponte, UA: Wien, Burgtheater, 26. Januar 1790

Regie/Bühne/Kostüme: Ezio Toffolutti, Licht: André Diot

Dirigent: Michael Schonwand, Chor und Orchester der Opera National de Paris, Choreinstudierung: Alessandro Di Stefano

Solisten: Myrtò Papatanasiu (Fiordiligi), Andrea Hill (vertrat Stéphanie d’Oustrac in den Arien), Stéphanie d’Oustrac (Rezitative) (Dorabella), Dmitry Korchak (Ferrando), David Bizic (Guglielmo), Lorenzo Regazzo (Don Alfonso), Bernarda Bobro (Despina)

Besuchte Aufführung: 11. November 2013 (Premiere)

Paris CosìKurzinhalt

Ferrando und Guglielmo wetten mit dem alten Don Alfonso um die Treue ihrer Verlobten Fiordiligi und Dorabella. Alfonso bestimmt darauf folgende Komödie: Die beiden jungen Männer werden nach einem tränenreichen Abschied zu einem fernen Regiment abgeordnet. Kurz danach erscheinen sie wieder als reiche Geschäftsfreunde Alfonsos aus Albanien verkleidet, die sofort den beiden verlassenen Damen den Hof machen, jeder der Verlobten des anderen. Aber sie haben damit keinen Erfolg, worauf Alfonso bei der Kammerzofe Despina Hilfe sucht, die einen Selbstmordversuch fingiert. Um sie zu „retten“ verordnet der Arzt (Despina) eine Kußtherapie. Doch auch hier bleiben die Mädchen standhaft.

Nach erneuter feuriger Werbung beginnt der Widerstand Dorabellas, und schließlich auch der Fiordiligis zu schwinden. Und schließlich erklären sie sich zu einer sofortigen Vermählung bereit. Doch gerade als der Notar (wieder Despina) die Heiratsakten bringt, kehren die beiden Verlobten aus dem Krieg zurück. Entdeckung, große Empörung, edelmütiges Verzeihen, Glück und seliges Vergessen. Die jungen Männer zahlen die verlorene Wette an den lebensklugen Don Alfonso.

Aufführung

Die Bühnenbilder sind Variationen über einen vorgegebenen großen Durchgang in einem alten Barockpalast, der hinten offen jeweils den Durchblick auf eine kleine Insel im Meer, auf einen südlichen Garten mit Schirmpinien, auf eine Kanalszene mit an- und abfahrenden Booten oder andere Abwandlungen zuläßt. Hinten geschlossen, ergibt er Innenräume in besagtem Palast. Die Kostüme sind lange, helle Seidenkleider für Dorabella und Fiordiligi. Weiße Uniformen mit Dreispitz für die Militärs, orientalisierende Prunkkostüme für die „Albanesen“ und einfache Kleider des 18. Jahrhunderts für das Volk. Auf der Bühne scheint immer die Sonne, was die beiden jungen Damen mit Sonnenschirmen in der Gartenszene besonders reizvoll erscheinen läßt. Das Spiel der Darsteller ist anmutig und lebhaft, hin und wieder ein klein wenig manieriert.

Sänger und Orchester

Myrtò Papatanasiu sang und spielte die bewegende Fiordiligi mit Grazie und klarem hellen Sopran, besonders schön in den lyrischen Momenten. Schade, daß sie in den dramatischen Höhen eine gewisse Schärfe nur selten unter Kontrolle halten konnte. Dennoch ihre große Arie mit Hörnerbegleitung im Orchester Come scolio immoto resta – wie der Felsen unerschütterlich (1. Akt, 9. Szene) war ein Genuß. Wegen Indisposition sah man von der als Dorabella angekündigten Stephanie d’Oustrac nur das lebensfrohe Spiel auf der Bühne und hörte die von ihr gesungenen Rezitative. In den Arien und Ensembleszenen, dagegen, wurde sie  von Andrea Hill ersetzt, was vielleicht die zweitbeste Lösung war, aber dennoch nicht ganz zufriedenstellend, denn ihre Stimme, seitlich von Proszenium aus klangschön gesungen, entbehrte der nötigen Dramatik und konnte sich in den Ensembleszenen nicht immer durchsetzen. David Bicic sang und spielte den Guglielmo mit Lebensfreude und voller warmer  Baritonstimme, besonders bezaubernd  im Liebesduett mit Dorabella Il core vi donoich schenke Euch das Herz (2. Akt, 5. Szene). Dmitrys Korchaks heller, metallischer Tenor entfaltete ab dem zweiten Akt seine volle Klangfarbe, wie im Duett mit Fiordiligi Fra gli amplessibald sinke ich meinem treuen Verlobten in die Arme (2. Akt, 12. Szene). Mit guten stimmlichen Qualitäten sangen Lorenzo Ragazzo (Don Alfonso) und Bernarda Bobro (Despina) diese frivole Komödie wie sie sie spielten: mit Charme und Humor.

Michael Schonwandt dirigierte straff Solisten, Chor und Orchester, ließ aber dennoch die vollendete Klangschönheit dieser letzten der drei Da Ponte Opern zum Ausdruck kommen.

Fazit

Così fan tutte ist ein Stück Zeitgeschichte. Offenbar auf eine wahre Begebenheit zurückgehend, ist die Oper – in Text und Musik – ein kleiner Ausschnitt aus dem Leben jener anmutigen, etwas leichfertigen, kunstsinnigen, aristokratischen Gesellschaft kurz vor der französichen Revolution. So läßt sie sich auch nur schwer von seinem Zeitgeist trennen. Ezio Toffolutti, der seine Bühnenkarriere 1971 an der Volksbühne in Berlin begann, hat diese Inszenierung ganz im Stil des ausgehenden 18. Jahrhunderts gehalten. In der Wahrung der Proportion erinnert sie an Giorgio Strehlers legendäre Pariser Figaro Inszenierung von 1973.

Da Così fan tutte vor allem eine Ensembleoper ist und die Sänger und Sängerinnen gut auf einander abgestimmt waren, kam eine musikalisch und szenisch erfreuliche Aufführung zustande.

Alexander Jordis-Lohausen

Bild: Ch. Pelé/Opéra national de Paris

Das Biild zeigt: David Bizic (Guglielmo), Stéphanie d’Oustrac (Dorabella), Bernarda Bobro (Despina), Lorenzo Regazzo (Don Alfonso), Myrto Papatanasiu (Fiordiligi) und Dmitry Korchak (Ferrando)

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