DIE CSÁRDÁSFÜRSTIN – Freiburg, Theater

von Emmerich Kálmán (1882-1953), Operette in drei Akten, Libretto: Leo Stein, Bela Jenbach, UA: 17. November 1915 Wien, Johann-Strauß Theater

Regie: Frank Hilbrich, Bühne: Volker Thiele, Kostüme: Gabriele Rupprecht, Licht: Michael Philipp, Dramaturgie: Dominica Volkert

Dirigent: Gerhard Markson, Orchester: Philharmonisches Orchester Freiburg, Opernchor des Theater Freiburg, Choreinstudierung: Bernhard Moncado

Solisten: Frank Albrecht (Fürst Leopold Maria von und zu Lippert-Weylersheim), Helga Eggert (Anhilte, seine Frau), Roberto Gionfriddo (Edwin, ihr erster Sohn), Leon Rüttinger (Eugen, ihr Zweiter Sohn), Sigrun Schell (Komtesse Anastasia, genannt Stasi), Jana Havranová (Sylva Varescu), Christoph Waltle (Graf Boni Kancsianu), Victor Calero (Feri von Kerekes), Wojciech Alicca (Bacsi von Kerekes), Jörg Golombek (Notar Kiss)

Besuchte Aufführung: 5. Oktober 2013 (Premiere)

Freiburg-CsadasfürstinKurzinhalt

Edwin von und zu Lippert-Weylersheim liebt die Varieté Sängerin Sylva Varescu und läßt den Ehevertrag mit ihr aufsetzen. Doch haben seine Eltern ohne Edwins Wissen heimlich bereits eine Verbindung mit der Komtesse Stasi arrangiert. Als Sylva die Verlobungsanzeige sieht, taucht sie verkleidet bei den Lippert-Weylersheims mit Edwins adligem Freund Boni als dessen Frau auf, um sich zu rächen. Boni verliebt sich in Stasi, und Edwin möchte die geschiedene Sylva, nun ja, eine Gräfin, nach wie vor heiraten. Damit ist wiederum Sylva nicht einverstanden, denn sie möchte als Varieté-Sängerin, nicht als Gräfin, ernst genommen werden. Nach komödientypischem Hin und Her kommt es jedoch schließlich zum glücklichen Ende.

Aufführung

Die Freiburger Inszenierung entfernt sich im Zeichen ironisierender Selbstreflexivität stark von der ursprünglichen Textvorlage. Viel wurde hinzugefügt, manches verändert oder weggelassen. Aus Sylvas drohendem Abschied nach Amerika wird der „Tod der Operette“, man bezeichnet sich gegenseitig als Operettenfigur usw. Heraus kommt vor allem eine Parodie auf Wagner und die Wagners, in der Fürst Leopold ausgiebig in Stabreimen salbadert und mit seiner Gattin zum musikalischen Beginn des zweiten Aufzugs von Die Walküre schlecht Ballett tanzt. Flügelhorn-Requisiten, eine steife Wagnerianer-Gemeinde sowie Auszüge aus Lohengrin und den Meistersingern sind inklusiv. Varieté-gerecht befindet sich das Orchester auf der Bühne, im Guckkasten und mit Vorhang nach hinten verlagert, während die Spielfläche in allen drei Akten unverändert bleibt. Eugen wird von Edwins Vetter zu dessen kleinem, schleimigen Bruder, der Blockflöte übt und ständig von den Erwachsenen geschubst und verprügelt wird. Dafür darf er am Schluß seine Aggression mit Kreidezeichnungen ausleben, die auf den historischen Weltkriegszusammenhang verweisen, in dem Die Csárdásfürstin entstand.

Sänger und Orchester

Jana Havranová und Roberto Gionfriddo agieren wie der Rest des Ensembles mit der nötigen Leichtigkeit. Kálmáns Gesangsnummern verstrahlen an diesem Abend dank der musikalischen Leistungen ihren unwiderstehlichen Zauber. Die in der Slovakei geborene Havranová pflegt, da sie eine ungarische Diva spielt, ihren osteuropäischen Akzent und entwickelt Soubretten-Qualität. Die Duette mit Gionfriddo werden dank stimmlicher Geschmeidigkeit und Wärme in der Höhe zu kleinen Schmuckstücken. Komödiantischer Überschwang, der bisweilen kontrolliert ins Exzessive abdriftet, findet sich auch bei Christoph Waltle, Victor Calero und Wojciech Alicca. Sigrun Schell gelingt der Spagat zwischen Wagner-Heroine und Operetten-Darstellerin ausgezeichnet. Die Sprechrollen des Fürstenpaares werden von Frank Albrecht und Helga Eggert wunderbar überzeichnet gegeben. Das Philharmonische Orchester Freiburg unter Gerhard Markson zeigt ‚walzernd‘ und ‚zigeunernd‘, daß es auch Operette spielen kann, während der Opernchor des Theaters Freiburg klanglich etwas brachial wirkt, darstellerisch das Ensemble aber gut ergänzt.

Fazit

Hilbrichs Regie kommt teils als offenes Selbstzitat seiner eigenen vergangenen Freiburger Wagner-Inszenierungen und als Abarbeiten am Wagner-Komplex daher. Das Ausbuchstabieren des alten ‚Konflikts‘ E versus U bzw. Oper versus Operette wirkt im Jahr 2013 aber doch zu abgegriffen, um wirklich clever, geschweige denn zeitgemäß zu sein. Es sei denn, man versteht Hilbrichs Wagner-Parodie wiederum als Parodie auf den „verstaubten Opernbetrieb“. Dies würde insofern Sinn ergeben, als Wagner nicht erst seit Loriot einen dankbaren Parodie-Gegenstand bildet. Hilbrichs eigene Textfassung ist gleichwohl gekonnt, die vielen Veränderungen merkt man ihr kaum an. Komisch ist es allemal, und es funktioniert, nicht zuletzt dank der überdurchschnittlichen musikalischen wie schauspielerischen Darbietungen. Das Publikum jedenfalls tobte vor Begeisterung und ließ keine Buhs hören.

Aron Sayed

Bild: Maurice Korbel

Das Bild zeigt: Roberto Gionfriddo, Frank Albrecht, Jana Havranová und Ensmble

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