GLORIANA – London, Covent Garden, Royal Opera House

von Benjamin Britten (1913-1976), Oper in drei Akten, Libretto: William Plomer, UA: 8. Juni 1953 London, Royal Opera House

Regie: Richard Jones, Bühne/Kostüme: Ultz, Lichtdesign: Mimi Jordan Sherin, Choreographie: Lucy Burge

Dirigent: Paul Daniel Orchestra and Chorus of the Royal Opera House, Choreinstudierung: Renato Balsadonna/Stephen Westrop.

Solisten: Susan Bullock (Gloriana), Toby Spence (Graf von Essex), Patricia Bardon (Gräfin von Essex), Mark Stone (Lord Mountjoy), Kate Royal (Penelope, Lady Rich, Schwester von Essex), Jeremy Carpenter (Sir Robert Cecil), Brindley Sherratt (blinder Balladensänger) u.a.

Besuchte Aufführung: 24. Juni 2013

London-GlorianaKurzinhalt

Die Königin von England, Gloriana, hat eine Affäre mit dem Grafen Essex. Der ehrgeizige Graf drängt Gloriana vergebens, ihn zum Vizekönig von Irland zu ernennen und gegen den Usurpator Tyron in den Krieg zu ziehen. Die Königin wird von den Bürgern Norwichs durch ein Maskenspiel über die Zeit und die Eintracht geehrt. Kurz nach diesem Maskenspiel treffen Lord Mountjoy, dessen Geliebte Penelope, Graf Essex und seine Gattin während einer heimlichen Zusammenkunft zusammen. Das Treffen eskaliert zur ersten Verschwörung gegen Gloriana. Gloriana ernennt Essex schließlich doch zum Vizekönig. Der Krieg in Irland bleibt ohne Erfolge und die Königin läßt Essex rund um die Uhr überwachen. Essex entkommt und beginnt eine Rebellion. Mit sich hadernd verurteilt Gloriana Essex zum Tode und läßt dieses Urteil, trotz der Bitten von Essex Gattin, auch ausführen.

Aufführung

Das Bühnenbild besteht aus einer Bühne auf der Bühne. Durch angedeutete Bühnenzugänge auf beiden Seiten wird die Trennung zwischen beiden Räumen deutlich. Noch vor Beginn sieht man eine Dame und drei Begleiter vor der Bühne auf und ab gehen – die Königin und ihr Gefolge, die sich ein Drama über Königin Elisabeth I. ansehen werden. Überhaupt gibt es einige weitere Personen, die im Libretto auftauchen. Das Lichtdesign wirft immer wieder große, silhouettenhafte  Schatten auf die Wände. Kostüme und Bühnenbild sind aus der Entstehungszeit (1950). Fünfzehn Jungen in Schuluniformen tauchen immer wieder auf, um Szenen- und Ortswechsel mit großen Buchstabenreihen anzuzeigen, Souffleuse und Chordirigent stehen oder sitzen am Seitenrand der Bühne. Die Kostüme des Operngeschehens auf der „zweiten“ Bühne muten historisch an, mit weit ausladenden Reifröcken und weißen Kragen für die Damen und aufgeplusterten Hosen mit hohen Lederstiefeln für die Herren.

Sänger und Orchester

Susan Bullock gestaltet mit fulminantem Vibrato, großem Volumen und einer überaus beeindruckenden Stimmbeweglichkeit Königin Gloriana, eine Rolle, die ihr auf den Leib geschrieben scheint. In ihren Duetten mit Graf von Essex zeigt sie auch ein zärtliches Pianissimo. Die zerrissene Herrscherpersönlichkeit weiß sie gut zu verkörpern: Von absolut bestimmendem, fast unbarmherzigen Herrschergebahren, über gefühlvolle Momente – wie intime (auch musikalisch) Momente mit Graf von Essex, bis hin zum Verfall in eine vom Alter gezeichneten Frau. Eine Person allein, die in der an sich sehr farbenfrohen, bunten, beweglichen, zuweilen fast lustigen Inszenierung den Zuschauer daran erinnert, daß es sich tatsächlich um ein Drama handelt, das am Ende kein Happy-End bereithalten wird. Toby Spence (Graf von Essex) ist ihr ebenbürtig. Hervorzuheben sind vor allem die beiden ‚Lute songs‘ (1. Akt). Sich selbst mit einer Laute begleitend (eine Harfenistin auf der Bühne imitiert sie), singt er in unvergleichlich leisen Tönen und macht seine ungestüme und wilde Art in der vorausgegangenen Kampfszene mit Lord Mountjoy schon fast wieder vergessen. Fast komödiantisch wirkt seine Schlußpose am Ende des zweiten Aktes: Schleichend nähert er sich dem Thron, um sich zeitgleich mit dem letzten Orchesterakkord mit einem schelmischen Grinsen dem Publikum zuzuwenden – die Rebellion hat begonnen. Mark Stone (Lord Mountjoy) ist ihm keinesfalls unterlegen. Leider viel zu kurz singt Brindley Sherrat (blinder Balladensänger). Auf den Straßen von London (3. Akt) stellt er seine Balladen mit eindrucksvoll tiefer und voller Klangfarbe dar.  Kate Royal (Penelope) fährt zur absoluten Höchstform auf, wenn sie den nahenden Tod ihres Bruders verhindern will und sich stimmgewaltig  der Königin Englands vor die Füße wirft.

Fazit

Eine Inszenierung, die dank der starken sängerischen und schauspielerischen Leistungen nicht zu fröhlich und lustig wird und doch  aufzeigt, wie tragisch die Geschichte am Ende doch ist.

Die Regie hat die Oper nicht nur an ihren Geburtsort London zurückgeholt, sondern ihrer Inszenierung gleichzeitig auf der Bühne auch noch ein Publikum der 50er Jahre zurückgegeben. Anders als das Publikum der damaligen Zeit (Gloriana war ein Flop), war das Publikum an diesem Abend von der Aufführung begeistert und nicht wenige summten noch beim Hinausgehen die Chorgesänge.

Katharina Rupprich

Bild: ROH/Clive Barda

Das Bild zeigt: Susan Bullock (Queen Elizabeth I), Toby Spence (Earl of Essex), Mark Stone (Lord Mountjoy)

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