LUCIA DI LAMMERMOOR – Wiesbaden, Hessisches Staatstheater

von Gaetano Donizetti (1797-1848), Dramma tragico in 3 Akten, Libretto: Salvatore Cammarano nach Walter Scotts The Bride of Lammermoor; UA: 26. September 1835 Neapel, Teatro San Carlo

Regie: Konstanze Lauterbach, Bühne: Andreas Jander, Kostüme: Konstanze Lauterbach, Dramaturgie: Karin Dietrich, Video: Eric Egerer/Gérard Naziri

Dirigent: Zsolt Hamar, Orchester und Chor des Hessischen Staatstheaters,Choreinstudierung Anton Tremmel, Extraballett,

Solisten: Joachim Goltz (Lord Enrico Aston), Emma Pearson (Lucia), Felipe Rojas Velozo (Edgardo), Markus Francke (Lord Arturo Buklaw), Hye-Soon Sonn (Lucias Erzieher Raimondo), Merit Ostermann (Alisa), Jonas Gudmunsson (Normanno), Nadya Kalenderyan (Tänzerin)

Besuchte Aufführung: 24. November 2012 (Premiere)

Kurzinhalt

Lord Enrico Ashton möchte seine Schwester Lucia mit Lord Arturo Buklaw verheiraten. Sie liebt aber Sir Edgardo von Ravenswood. Diese Familie ist mit ihrer verfeindet. Vor seiner Abreise schwören sich Edgardo und Lucia heimlich ewige Treue. Lord Enrico fängt Edgardos Briefe ab. Mit einem gefälschten Brief von Edgardos angeblicher Untreue drängen er und Raimondo Lucia zur Hochzeit mit Lord Arturo. In dem Augenblick, als Lucia auf ihrer Hochzeitsfeier den Hochzeitsvertrag unterschreiben soll, erscheint Edgardo. Er verflucht sie wegen ihrer scheinbaren Untreue, worauf sie zusammenbricht. Später berichtet Raimondo Edgardo, Lucia habe Arturo erstochen und sei wahnsinnig geworden. Enrico fordert Edgardo zum Duell. Vor dem Duell erfährt dieser, daß Lucia gestorben sei. Er begeht Selbstmord.

Aufführung

Auf der Bühne stehen niedrige, schiefe Steinmauern und zwei hohe Wände, die die Bühne nach hinten und nach links abschließen. In beiden Wänden sind große Monitore eingelassen, die je nach Musik und Szeneninhalt brechende Wogen oder Fischschwärme, mal bewegt, mal als Standbild, zeigen. Die Bühne wird weiß und blau ausgeleuchtet. In Szenen mit Edgardo und Lucia bleibt die Bühne fast dunkel. Die Herren sind in lange, rostrote Mäntel, die Damen in graue-blaue, einfache Kleider gewandet. Arturo trägt zur Hose ein Jackett und ein weißes Hemd, Alisa ein dunkelrotes und Lucia ein weißes Kleid. Im ersten Akt sorgt sich Lucia um ein Fischglas, das ihr Bruder später vor ihren Augen ausgießt.

Sänger und Orchester

Emma Pearson (Lucia) läßt in ihrer ersten Aria Regnava nel silenzioStille herrschte ihre Stimme in der Tiefe klangreich, in der Höhe intonationssicher hören. Ihr lyrischer Sopran schwingt sich mit Anmut und Eleganz bei den Verzierungen in die Höhe. Felipe Rojas Velozo (Edgardo) wirkt in Sulla tomba – Auf dem Grab (1. Akt) stimmlich angestrengt. Im Laufe der Oper entwickelt er einen sicheren Ausdruck, besonders im Duett mit Enrico Chi mi frena – Wer hält mich zurück (2. Akt). Auch gewinnt die Stimme an Kraft, und er nimmt sie bei Pianostellen entsprechend zurück wie in der Aria Fra poco a me ricovero – Dies Herz, das heiß und treu geliebt (3. Akt). Sehr klangintensiv präsentiert Joachim Goltz seinen Tenor als Enrico. Markus Franckes (Arturo) Stimme hört man sehr klar, doch an Klangfülle mangelt es ihm etwas. Seinen sonoren, vollen Baß setzt Hye-Soon Sonn (Raimondo) sehr schön, ja ausdrucksstark freigiebig ein und gibt seiner Stimme eine gute klangliche Fokussierung. Merit Ostermann als Lucias Vertraute Alisa singt mit runder, anmutigerStimme.

Zsolt Hamar dirigiert einfühlsam das Orchester, das den Sängern Zeit zum Atmen einräumt und die Stimmen nicht übertönt. Anton Tremmel hat den Chor so einstudiert, daß dieser sauber intonierend und mit großer Dynamik auftritt.

Fazit

Kostüm und Bühnenbild sind zurückhaltend gestaltet, so daß die Musik sich entfalten kann. Vor allem Emma Pearson und Hye-Soon Sonn liefern bravouröse Leistung. Entsprechend honoriert das Publikum sie mit viel Applaus und Bravo-Rufen.

Gero Markus

Bild: Martin Kaufhold

Das Bild zeigt: Joachim Goltz (Lord Enrico Aston), Emma Pearson (Lucia),, Hye-Soo Sonn (Raimondo)

 

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