DER FLIEGENDE HOLLÄNDER – Wuppertal, Opernhaus

von Richard Wagner, Romantische Oper in drei Aufzügen, Libretto : Richard Wagner, nach Heinrich Heines Die Memoiren des Herren von Schnabelewopski; UA: 2. Januar 1843 Dresden, Königliches Sächsisches Hoftheater

Regie: Jakob Peters-Messer, Bühne/Licht:: Guido Petzold, Kostüme: Sven Bindseil, Dramaturgie: Johannes Blum

Dirigent: Hilary Griffiths, Sinfonieorchester Wuppertal, Opernchor und Extrachor der Wuppertaler Bühnen, Choreinstudierung: Jens Bingert,

Solisten: Kay Stiefermann (Holländer), Michael Tews (Daland), Allison Oakes (Senta), Johan Weigel (Erik), Miriam Ritter (Mary), Christian Sturm (Steuermann)

Besuchte Aufführung: 18. September 2011 (Premiere)

Kurzinhalt

Zur ewigen Irrfahrt auf dem Meer ist der Holländer verdammt, nur eines kann ihm Erlösung bringen: Eine Frau, die ihm treu bleibt bis in den Tod – alle sieben Jahre darf er an Land gehen und sein Glück versuchen. Nun ist es wieder soweit: Kaum gelandet, wird er sich mit dem Kapitän Daland über eine Hochzeit mit dessen Tochter Senta einig. Angesichts der ungeheuren Schätze des Holländers braucht Daland keine große Bedenkzeit. Währenddessen schmachtet Senta ein Bild des ihr unbekannten Holländers an. Die anderen Mädchen verspotten sie, bis Senta ihnen die Geschichte des Seefahrers erzählt; sie will seine Retterin werden. Prompt finden sich Daland und der Holländer ein. Zwischen letzterem und Senta entwickelt sich prompt eine innige Verbindung. Als der Jäger Erik davon erfährt macht er ihr Vorwürfe bezüglich der von ihr versprochenen Treue als seine Braut. Der Holländer belauscht sie und sticht wieder in See, da er sich von Senta getäuscht sieht. Doch diese stürzt sich in die Tiefe des Meeres.

Aufführung

Über die gesamte Spielzeit bleibt die Bühne nahezu leer. Einziges wirkliches Requisit ist ein großes Stangengestell mit einer Vielzahl von Scheinwerfern: Die Regie arbeitet mit zahlreichen Lichteffekten. Im ersten Aufzug ist dieses Gestell so positioniert, daß es die Takelage des Schiffes von Daland darstellt, im zweiten Aufzug verkörpert die starre Beleuchtung von oben die bedrückende Enge, die Senta durch ihren Vater und das Dorfleben erfährt. Zum Ende leuchten die Scheinwerfer grell in den Zuschauerraum, so daß Holländer und Senta zwischen den einzelnen Streben wie im Nichts verschwinden.

Durch sein Kostüm hebt sich der Holländer deutlich vom restlichen Ensemble ab: Sein Mantel wirkt wie von Muscheln übersät, dazu kommen eine Tätowierung auf der linken Schläfe und eine temporär eingesetzte dunkelblaue Sonnenbrille. Die anderen Kostüme sind weniger auffällig gestaltet, die einzelnen Personen wirken innerhalb ihrer Gruppe austauschbar.

Sänger und Orchester

Es dauerte einen Moment bis sich alle Mitwirkenden auf einem dann allerdings hohen Niveau eingefunden haben. Hilary Griffiths nimmt mit dem Wuppertaler Sinfonieorchester den Beginn der Ouvertüre noch einen Tick langsamer als ohnehin komponiert. So kann sich die Sogwirkung zum Ende hin entfalten. Zur Seite stehen ihm dabei sauber intonierende Holzbläser, während man sich die Sechzehntel der Streicher prägnanter gewünscht hätte. Im zweiten Aufzug kehren sich die Verhältnisse um, hier können vor dem Duett vor allem die kantablen Melodien der tiefen Streicher gefallen. Im Zwischenspiel vor dem dritten Aufzug dann findet das erwähnte Zusammenfinden auf hohem Niveau statt, was bis zum Ende gehalten wird.

Auch Kay Stiefermann (Holländer) beginnt verhalten, doch er scheint lediglich seine Kräfte einzuteilen: Mit So ist sie mein… Wird sie mein Engel sein? erlebt man den Bariton, wie man ihn kennt: Seine kontrollierte Stimmführung erklingt strömend-markant anstatt unkontrolliertem Gebrüll, in den intimen Momenten kommt diese Tragkraft seiner Stimme zur Geltung. Seine Artikulation ist aber nicht immer einwandfrei. Allison Oakes (Senta) kann vor allem im Piano mit lyrischem Sopran glänzen, ohne starke Gefühlsbetonungen herauszustellen. Jedoch hat man gelegentlich den Eindruck, daß ihr recht klein wirkender Stimmansatz nicht zu den ganz großen Wagner-Rollen passen könnte. Sehr positiv treten die Nebenrollen in Erscheinung: Christian Sturm (Steuermann) überzeugt mit schlank geführtem, klarem Tenor ohne Pathos oder Forcierung, dafür mit groß geführten Melodiebögen. Michael Tews (Daland) verfügt über einen dunkel gefärbten Baß, doch durch genaue Fokussierung wird die Stimme nur an den tiefsten Stellen ansatzweise dumpf. Das glich er in der Höhe gut aus, wo er mit hervorragend gemischtem Registerausgleich glänzen kann. Der leicht pathetisch-sentimentale Ton von Johan Weigel (Erik) paßt hervorragend zu seiner Rolle, wie seine Kavatine Willst jenen Tags du nicht mehr dich entsinnen deutlich macht.

Fazit

Ein gelungenes Regiekonzept mit einem großartigen dritten Aufzug und eine musikalische Darbietung auf hohem Niveau honoriert das Publikum mit lang anhaltendem Applaus und zahlreichen Bravo-Rufen für Allison Oakes, Kay Stiefermann, Christian Sturm, Orchester und die Regie.

Malte Wasem

Bild: Uwe Stratmann

Das Bild zeigt: Die Mannschaft Dalands (Chor und Extrachor der Wuppertaler Bühnen), hinten links der Steuermann (Christian Sturm), rechts Dalands (Michael Tews)

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