Weimar, e-Werk des Deutsches Nationaltheaters

L‘ Incoronazione di Poppea – Die Krönung der Poppea

von Claudio Monteverdi (1567–1643), Oper in einem Prolog und drei Akten, Libretto: Giovanni Francesco Busenello, UA: 1643 Venedig

Regie: Cordula Däuper, Bühne: Jan Müller

Dirigent: Felix Bender

Solisten: Heike Porstein (Poppea), Teresa Smolnik (Nerone), Margarita Gritskova (Ottone), Ulrika Strömstedt (Ottavia), Philipp Meierhöfer (Seneca), Katrin Niemann (Fortuna), Silona Michel (Virtù), Elisabeth Wimmer (Amor)

Besuchte Aufführung: 4. September 2011 (Premiere)

Kurzinhalt

Prolog: Zwischen den Göttinnen Fortuna (Schicksal) und Virtu (Tugend) ist ein Streit entbrannt, wer von ihnen für das Geschehen auf Erden bedeutsamer ist. Amor (Liebe) kommt hinzu und mischt sich ein und will beweisen, dass die Liebe die größte Kraft besitzt.
Rom im Jahre 62 n. Chr. Kaiser Nero liebt Ottones Gattin Poppea. Nach einer gemeinsamen Liebesnacht verspricht er ihr, seine gegenwärtige Gemahlin Ottavia zu verstoßen und stattdessen Poppea zur Kaiserin zu erheben. Der Philosoph Seneca kritisiert diese Entscheidung. Um Poppea aus dem Weg zu räumen überredet sie den eifersüchtigen Ottone zum Mord an seiner ehemaligen Geliebten, der jedoch mißlingt. Ottavia und Ottone werden aus Rom verbannt, Nero kann Poppea heiraten und unter allgemeinem Jubel zur Kaiserin krönen.

Aufführung

In dieser Inszenierung der Poppea wurden die Götter über den Prolog hinaus ins Bühnengeschehen eingebunden. Eine quadratische Bühne in der Mitte des Saales stellte – versehen mit Requisiten wie z.B. einem Baum für die Gartenszenen – die Handlungsorte für das das Geschehen der menschlichen Welt dar. Um diese Bühne herum plazierten sich erhöht die Götter Amor, Virtu und Fortuna, die über den Prolog hinaus durch aktive Handlungen oder als humoristisch-kommentierende Komponenten in das dreiaktige Geschehen eingriffen. Die Kostüme der Figuren standen ganz im Dienste der Personencharakteristik: ein schillerndes, pompöses Seidenkleid für die Kaiserin, das am Ende von Ottavia an Poppea weitergegeben wurde, ein kaiserlicher Umhang und ein goldener Lorbeerkranz für Nero, Ottone dagegen in graugrüner Uniform sowie ein weißes Gewand mit Römersandalen für den Philosophen. Die Götter wurden mit Heiligenscheinen sowie mit Flügeln, Pfeil und Bogen (Amor) versehen oder in ein fließendes goldglänzendes Kleid (Fortuna) gehüllt.

Sänger und Orchester

Die Solisten und Musiker präsentierten an diesem Abend unter der Leitung von Felix Bender eine lebendige, ausdrucksstarke und differenzierte Fassung von Monteverdis Poppea. Das eigens für diese Produktion aus Spezialisten zusammengestellte Instrumentalensemble spielte auf historischen Instrumenten mit rhythmischer Präzision und facettenreichen Ausgestaltung der barocken Verzierungen. Hinzu kamen fein auf die Emotionen der Figuren abgestimmte Stimmungsmalereien. Die Solisten standen der hohen musikalischen Qualität der Instrumentalisten in keiner Weise nach. Die Sopranistin Heike Porstein lieh der Poppea ihre mit großer Klangfarbenvielfalt aufwartende Stimme. Vom hauchigen und verführerisch einlullenden Ton wie z.B. bei ihrem ersten Auftritt an der Seite von Nero am Morgen nach der gemeinsamen Liebesnacht bis zur kräftigen, majestätischen Deklamation war alles dabei und wurde von ihr sauber intoniert. Ulrika Strömstedt (Ottavia) trat sowohl stimmlich als auch schauspielerisch überzeugend in Erscheinung: Koloraturen wie Tonrepetitionen zeichneten sich bei ihr durch Sauberkeit und Klarheit bis in die höchsten Lagen aus, was besonders in Szenen wie der Anstiftung Ottones zum Mord an Poppea oder der humoristisch überspitzten Darstellung ihres Abschiedes aus Rom zum Tragen kam. Philipp Meierhöfer als Seneca überzeugte mit seinem vollen und bis in die tiefsten Lagen samtigen, intonationssicheren Baß, den er besonders in Szenen wie seiner Rede in der 7. Szene gekonnt zur Geltung brachte. Bei Margarita Gritskova als Ottone waren zwar die liebesschmachtenden Passagen deklamatorisch überzeugend und dynamisch vielfältig gestaltet – etwa der Monolog am Beginn des ersten Aktes – , doch hätten die Szenen verzweifelter, wütender Gemütsverfassung – wie z.B. die Aufdeckung von Poppeas Liaison mit Nero – etwas mehr Kraft und Nachdruck vertragen können. Teresa Smolnik in der Rolle des Nero gelang es über die gesamte Oper hinweg gut, die leidenschaftliche Verfallenheit des verliebten Kaisers schauspielerisch darzustellen, insbesondere in der Szene der Liebesnacht des ersten Aktes. Stimmlich zeichnete sie sich durch ihre Intonationssicherheit und gut mit dem Gesamtklang verschmelzende Stimme aus, etwa im Schlußduett.

Fazit

Ein überaus gelungener Opernabend, musikalisch wie auch szenisch, in dem auf gekonnte Weise der antikisierende Zeitgeist des Barock mit durchaus aktuellen humoristischen Elementen vereint wurde, was das Publikum mit begeistertem Schlußapplaus belohnte.

Friederike Jurth

Bild: Anke Neugebauer

Das Bild zeigt (v.r.n.l.): Ottone (Margarita Gritskova), Poppea (Heike Porstein), Seneca (Philipp Meierhöfer), Poppeas Zofe Arnalta (Frieder Aurich), Nerone (Teresa Smolnik), Drusiella (Silvia Wohlfarth) und Ottavia (Ulrika Strömstedt)

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