Wiesbaden, Hessisches Staatstheater – SALOME

von Richard Strauss, Musikdrama in einem Aufzug nach Oscar Wildes gleichnamiger Dichtung in der Übersetzung von Hedwig Lachmann; UA: 9.12.1905, Dresden
Regie: Iris Gerath-Prein, Bühnenbild: Bernd Holzapfel, Kostüme: Renate Schmitzer
Dirigent: Marc Piollet, Orchester des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden
Solisten: Norbert Schmittberg (Herodes), Julia Juon (Herodias), Manuela Uhl (Salome), Thomas J. Mayer (Jochanaan), Martin Homrich (Narraboth), Ute Döring (Ein Page)
Besuchte Aufführung: 27.04.08 (Premiere)

Kurzinhalt
salome-wiesbaden.jpgBei einem Bankett des Tetrarchen Herodes stürmt dessen schöne Stieftochter Salome aus dem Palast und trifft auf den jungen Hauptmann Narraboth, der von der verführerischen Prinzessin schwärmt. Doch Salome hat nur Interesse für den gefangenen Propheten Jochanaan. Fasziniert von seiner Stimme verlangt sie ihn zu sehen und verliebt sich daraufhin in den mysteriösen Mann. Doch Jochanaan zeigt sich wenig interessiert und weist Salome radikal ab. Gekränkt entlockt sie ihrem lüsternen Stiefvater das Versprechen ihr einen Wunsch zu erfüllen, nachdem sie für ihn getanzt hat: Sie fordert den Kopf des Gefangenen. Widerwillig läßt Herodes den Jochanaan enthaupten und muß mit Entsetzen ansehen, wie Salome in wilder Ekstase sich ergötzt, den Mund des Toten zu küssen. Angeekelt von dem Schauspiel läßt der Tetrarch Salome töten.
Die Aufführung
Ein großer viereckiger Kasten thront auf Säulen in der Mitte der Bühne und wirkt wie ein überdimensionaler Fernseher. Zu Beginn treten hier immer wieder einzelne Personen in Erscheinung, wenn unten auf dem schwarzen Steg von ihnen gesungen wird. Dieser Vorplatz des viereckigen Palasts ist auch der Hauptort des Geschehens, den Manuela Uhl (Salome) vom Augenblick ihres Auftretens an voll und ganz einnimmt. Die Sopranistin schafft mit ihrer Figur eine gelungene Metamorphose vom jungen naiven Mädchen, das sich im Laufe des Stücks, getrieben von ihrer Leidenschaft, einem ekstatischen Wahnsinn hingibt. Entfacht hat diese Leidenschaft der Bariton Thomas J. Mayer (Jochanaan), der den gefangenen Propheten sehr glaubhaft verkörpert und mit gebieterischer Stimme alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Er stellt mit seinem herrischen Auftreten einen Gegensatz zu Norbert Schmittberg (Herodes), der den Tetrarchen auf erstaunlich meisterhafte Weise in eine lüsterne Witzfigur verwandelt. Zusammen mit Julia Juon (Herodias) wirkt das Herrscherpaar sehr überzogen, schafft es aber dennoch das Publikum voll und ganz zu überzeugen.
Das Bühnenbild ist in einem sehr sterilen Weiß gehalten und liefert kaum Abwechslung, was aber nicht stört, da für Abwechslung schon aufgrund der handlungsreichen Ereignisse gesorgt ist. Durch unterschiedliche Beleuchtung wird das Bühnenbild an das Geschehen angepaßt, wie durch einen violetten Farbton beim erotisierenden Tanz der Salome. Gegen Ende des Stücks verliert die anfängliche Reinheit des Weiß gänzlich ihren makellosen Eindruck. Die Kostüme von Herodes und Herodias bilden einen interessanten Gegensatz zu dem Weiß der Bühne und der schlichten Aufmachung von Salome und Jochanaan. Das lüsterne Auftreten des Herodes wird unterstrichen, indem er lediglich mit einem roten Slip und einem langen Pelzumhang die Bühne betritt.
Das Orchester begleitet das sehr textlastige Stück angenehm und fügt sich gut in das Geschehen. Obwohl das Stück auf Deutsch ist, bieten die Übertitel jedem Zuschauer die Möglichkeit, das fortlaufende Geschehen schnell zu verstehen. Mit seiner Inszenierung hat Manfred Beilharz einen unterhaltsamen Abend geschaffen, der von der sängerischen und schauspielerischen Leistung der Protagonisten abgerundet und mit verdientem Beifall beendet wurde.

Moritz Klenk
Bild: Martin Kaufhold

Veröffentlicht unter Wiesbaden, Staatstheater

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