LULU – Halle, Oper

von Alban Berg, Text: Alban Berg, UA: 2. Juni 1937, Zürich

Regie: Jasmina Hadziahmetovic, Bühne: Hella Prokoph, Kostüme: Mechthild Feuerstein

Dirigent: Karl-Heinz Steffens, Staatskapelle Halle

Solisten: Anke Berndt (Lulu), Ulrike Schneider (Gräfin Geschwitz), Sandra Maxheimer (Theatergadroberie, Gymnasiast), Ásgeit Páll Ágústsson (Medizinalrat Dr. Goll), Michael Smallwood (Maler Walter Schwarz), Gerd Vogel (Chefredakteur Dr. Schön), Ralph Ertel (Alwa Schön), Christoph Stegemann (Schigolch, Tierbändiger), Ki-Hyun Park (Rodrigo, Athlet), Nils Giesecke (Prinz Giesecke)

Besuchte Aufführung: 5. Februar 2011 (Premiere)

Kurzinhalt

Lulu ist die personifizierte Gestalt der weiblichen Verführung und verderbnisbringend für all ihre sie umgarnenden Liebhaber. So rafft sie – in der Version als Zweiakter – alle, die ihr verfallen dahin: einen Herrn Medizinalrat, einen Maler, einen Chefredakteur und schließlich bändelt sie gar mit dem Sohn des von ihr erschossenen Chefredakteurs an und beschert auch ihm den Tod.

Aufführung

Die Handlung fand zum großen Teil in einem eisernen Käfig statt, wobei einzelne Gitterelemente unterteilbar waren und somit Möglichkeit boten den Raum zum Publikum hin zu öffnen. Außerdem wurden einzelne Requisiten und Dekorationen in das Käfiginnere gestellt, um eine Veränderung des Handlungsortes zu verdeutlichen. Dabei fungierten die Darsteller als Bühnenbauer. Lediglich vor dem Epilog wurde der Vorhang gezogen, so daß der Umbau nicht vor den Augen des Publikums erfolgte. Auch wurde die Drehbühne im zweiten Akt kurz genutzt, um vielleicht die Szenerie etwas zu öffnen.

Die Kostüme waren schlicht gehalten und quasi einer zeitlosen Mode verpflichtet. Die Herren, die Lulu einen nach dem anderen dahinrafft, trugen allesamt schwarze Anzüge und weiße Hemden beziehungsweise entledigten sich derer teilweise im Lauf der Handlung. Beim Prolog und ebenso beim Epilog trugen all die Darsteller Tiermasken. Einzig Lulu wechselte ihre Kleidung nach jeder neuen Heirat: zuerst ein blaßrosa Kleidchen, dann ein aufwendiges halbdurchsichtiges Kleid in orange und später noch ein ähnliches in schwarz, bis sie schließlich die letzten Szenen in schwarzer Hose und weißem Hemd bestritt.

Sänger und Orchester

Anke Berndt gelang es leider nicht der Lulu ein erkennbares Gesicht zu geben. Zwar meisterte sie die doch sehr schwierigen Partien souverän, doch fehlte es ihr eindeutig an Dramatik – sowohl in der Stimme als auch im Schauspiel. Sie begnügte sich im ersten Akt mit einer überzogen lüsternen Spielweise und im zweiten agierte sie nur noch ungelenk und statisch. Gerd Vogel bot als Dr. Schön eine hervorragende Darstellung. Sein Gesang war kräftig und mit scheinbarer Leichtigkeit verlieh er seinem Part einen eigenen Charakter. Sein Spiel war sehr dezent und nicht so überladen mit großen Gesten. Ein weiterer guter Darsteller war Ki-Hyun Park, der den Athleten darbot. Die Partien waren für den Bassisten keine große Herausforderung und sein Spiel war ebenso eine Spur dezenter und somit facettenreicher. Die anderen Sänger lieferten eine gute Leistung ab. Es gab keine großen Patzer oder sonstige Ausfälle, insgesamt jedoch war alles eher unauffällig und farblos.

Die Staatskapelle Halle unter der Leitung von Karl-Heinz Steffens bewegte sich sehr gut durch die Partitur, doch auch hier fehlte es an der nötigen Dramatik. erst während des Epilogs entfaltete sich der gesamte Klangkörper und erzeugte die geforderte Stimmung und Spannung.

Fazit

Leider konnte die Inszenierung in keiner Weise dem hohen Anspruch, den dieses Stück vorgibt, gerecht werden. Das Motiv des Käfigs war zwar eine interessante Idee, aber es funktionierte leider nicht. Es transportierte nichts, und wirkte leider nur etwas platt. Ebenso die Darstellung der Personen, es war – bis auf besagte Ausnahmen – alles eine Idee zu hölzern. Auch mangelte es teilweise an Konsequenz. So wurden die Umbauten stets von den Darstellern gemacht, nur vor dem Epilog wurde der Vorhang gezogen und das Bühnenbild vom Anfang dahinter hergestellt.

Es wurden viele Möglichkeiten einfach nicht bis zum letzten Ende ausgenutzt und die Spieler erschöpften sich in großen Gesten, die den sehr tiefen Stoff nur oberflächlich darbot.

Tom Zackl

Bild: Gert Kiermeyer

Das Bild zeigt: Michael Smallwood (Maler Walter Schwarz), Anke Berndt (Lulu), Gerd Vogel (Chefredakteur Dr. Schön)

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