Dortmund Theater – THE RAKE´S PROGRESS

von Igor Strawinsky, Oper in drei Akten Dichtung: Wystan Hugh Auden und Chester Kallman, UA: Venedig, 11. September 1951.
Regie: Roland Schwab, Bühnenbild: Piero Vinciguerra, Kostüme: Renée Listerdal Dramaturgie: Verena Harzer
Dirigent: Jac van Stehen, Dortmunder Philharmoniker, Choreinstudierung: Granville Walker
Solisten: Jeff Martin (Tom Rakewell), Simon Neal (Nick Shadow), Lydia Skourides (Ann Trulove), Vidar Gunnarsson (Trulove), Ji Young Michel (Mutter Goose), Hannes Brock (Türkenbab), Tansel Akzeybek (Sellem, der Auktionator), Georg Kirketerp (Wärter des Irrenhauses), Opernchor des Theater Dortmund, Statisterie des
Besuchte Vorstellung: 30. März 2008, Premiere

Kurzinhalt
the-rakes-progress.jpgDer Lebemann Tom Rakewell sieht nicht ein, warum er sich in das Leben einpassen soll, das sein zukünftiger Schwiegervater für ihn entworfen hat. Angespornt von Nick Shadow, der ihn durch eine angebliche Erbschaft nach London lockt um ihn fortan als dämonischer Gefährte auf Abwege zu bringen, die schließlich in Elend und Verderben enden, verläßt er seine Verlobte Ann Trulove. Als zu guter Letzt nur noch ein teuflisches Kartenspiel seine Seele retten kann, bewahrt die selbstlose Liebe von Ann Trulove Tom Rakewell davor, seine Seele zu verlieren. Doch schafft es Nick Shadow, ihn mit Wahnsinn zu beschlagen. Strawinsky verarbeitete hier die Geschichte, die bereits 1735 in einer Kupferstichserie des englischen Malers William Hogarth in England erschien.
Aufführung
Der Vorhang öffnet sich in einem perfekten Zusammenspiel mit dem Orchester. Es zeigt sich eine Bühnenkonstruktion aus achtzehn großen fensterartigen Aussparungen, die jeweils in drei Etagen mit je drei Aussparungen einen in der Mitte gelegenen, großen, runden Bühnentunnel einfassen. Darin schwelgen Tom Rakewell (Jeff Martin) und Ann Trulove (Lydia Skourides) in ihrem Liebesglück.
Die Inszenierung durch Roland Schwab macht aus Strawinskys letztem Werk seiner neoklassizistischen Phase ein Theaterstück, das den Publikumsraum integriert. So agieren die Akteure teilweise von verschiedenen Publikumslogen aus und der Chor kommt seitens der Publikumseingänge auf die Bühne. Obwohl die Bühnenkonstruktion erst sehr spät wechselt, verschafft sie durch stetig neue Licht- und Farbenspiele, die harmonisch dem Konzept und dem Klang angepaßt sind, neue Eindrücke. Die sinnbildliche Zerrissenheit von Ann Trulove, ob sie ihrem Tom nach London nachreisen soll, stellt Roland Schwab durch fünf identisch aussehende Anns dar, die auf der Bühne an Ann Truelove hin- und herzerren.
Zu der gut gemachten Inszenierung gesellen sich sehr gute Gesangsstimmen. Ohne Zweifel ist die Tenorstimme von Jeff Martin (Tom Rakewell) zuerst zu nennen. Er sang den größten Teil in dieser Oper und meisterte dies wirklich vortrefflich. Seine Stimme ist klar, kräftig und von gleichbleibender Brillanz. Ebenso beeindruckend ist auch sein schauspielerisches Agieren – ein wahrer Genuß für Auge und Ohr. Der Bariton Simon Neal (Nick Shadow) stellt mit seiner Gesangsleistung einen würdigen Gegenpart zu Jeff Martin dar. Er überzeugt durch eine kräftige, voluminöse Stimme. Hannes Brock (Türkenbab) hat sich trotz einer schweren Indisposition bereit erklärt, die Tenorpartie der Türkenbab zu singen, um die Premiere nicht zu gefährden und macht dies mit Bravour. Die Sopranistin Lydia Skourides (Ann Trulove) überzeugt als Sängerin ebenso wie als Akteurin. Ihre gemeinsamen Arien mit Jeff Martin sind ein harmonisches Klangerlebnis.
Gidar Gunnarsson (Trulove), Ji Young Michel (Mutter Goose), Tansel Akzeybek (Auktionator) und Georg Kirketerp (Wärter des Irrenhauses) glänzten als Sänger wie als Akteure. Der Opernchor beeindruckte mit den Vokaleinlagen und sorgte gemeinsam mit der Statisterie für ein ausgewogenes, buntes Gesamtbild.
Das Orchester unter der Leitung von Jac van Steen spielte rhythmisch wie melodisch perfekt und beeindruckte mit fein abgestimmtem Zusammenspielen zwischen Bühnenakteuren und Orchestereinsätzen. Der Einsatz eines Cembalos ist für dieses Werk Strawinskys natürlich ein Muß und wird hier von Alexandra Goloubitskaia sehr gut bewerkstelligt
Fazit
Insgesamt eine sehr gelungene Inszenierung mit ausgezeichneten Solisten und einem auf allen Ebenen hervorragenden Orchester. Eine Opernvorstellung, die sehr zu empfehlen ist und Genuß für Augen und Ohren bietet.

Britta Wandschneider
Das Bild zeigt Simon Neal (Nick Shadow), Jeff Martin (Tom Rakewell) und Chor

Veröffentlicht unter Dortmund Theater, Opern

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