EUGEN ONEGIN – Cottbus, Staatstheater

von Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840-1893), Lyrische Szenen in 3 Akten, Libretto: Pjotr Tschaikowski u. Konstantin Schilowskij (nach dem Versroman Eugen Onegin von Alexander Puschkin); UA: 29. März 1879, Moskau

Regie: Martin Schüler, Ausstattung: Gundula Martin, Dramaturgie: Dr. Carola Böhnisch, Choreinstudierung: Christian Möbius

Dirigent: Evan Christ, Philharmonisches Orchester des Staatstheaters Cottbus, Chor des Staatstheaters Cottbus

Solisten: Carola Fischer (Larina), Anna Sommerfeld (Tatjana), Marlene Lichtenberg (Olga), Marie-Luise Heinritz (Filipjewna), Andreas Jäpel (Eugen Onegin), Matthias Bleidorn (Lenskij), Ingo Witzke(Fürst Gremin), Jörg Simon (Hauptmann), Dirk Kleinke (Triquet) u. a.

Besuchte Aufführung: 29. Januar 2011 (Premiere)

Kurzinhalt

Lenskij, ein junger Dichter, der mit der quirligen Olga verlobt ist, stellt auf dem Gut der zukünftigen Schwiegermutter Larina seinen Freund Eugen Onegin vor. Olgas Schwester Tatjana sieht in Onegin den Idealtypus eines Mannes und verliebt sich in ihn. Als sie ihm ihre Liebe gesteht, weist Onegin sie jedoch zurück. Um seinen Freund Lenskij zu provozieren, der ihn zu seiner Anwesenheit auf jenem Ball mit klatschsüchtiger Gesellschaft überredet hat, tanzt er ausschließlich mit Olga und macht ihr den Hof. Nach heftigem Streit zwischen den beiden Freunden fordert Lenskij Onegin zum Duell heraus. Bei diesem wird Lenskij getötet. Onegin, der ins Ausland gegangen ist und nach Jahren zurückkehrt, begegnet auf einem Ball Tatjana wieder. Sie hat in der Zwischenzeit den reichen Fürsten Gremin geheiratet. Onegin beneidet Gremins Glück, das jener mit Tatjana gefunden hat, und er versucht reumütig und verzweifelt die junge Frau zurück zu gewinnen. Tatjana liebt Onegin nach wie vor, doch sie steht zu ihrer Ehe und Onegin bleibt allein.

Aufführung

Die ersten beiden Akte der in der deutschen Fassung gezeigten Inszenierung sind von einem zweigeteilten Bühnenbild bestimmt. Im Vordergrund ist mit Tisch, Stühlen und Klavier sowie weiteren stimmungsvollen Einrichtungsgegenständen, das Landgut der Gutsbesitzerin Larina umgesetzt worden. Im Hintergrund ist durch eine große Glastüren- und Glasfensterabtrennung der Park erkennbar, der durch zahlreiche hohe Birkenstämme angedeutet wird. Die Interaktion bzw. die Verwischung der Grenzen beider Spielräume wird durch die zeitweilige Anhebung der Abtrennung erreicht. Das Petersburger Palais des Fürsten Gremin im dritten Akt wird durch hohe Stellwände mit klassizistischen Verzierungen und zwei großen Kristalllüstern visualisiert. Durch die aufgezogenen Tapeten, welche einen Birkenwald zeigen, wird eine Verbindung zu den ersten beiden Akten geknüpft. Die Darsteller agieren in zeitgerechten Kostümen, die stimmig die Atmosphäre des Bühnenbildes wiederspiegeln.

Sänger und Orchester

Anna Sommerfeldt (Tatjana) entwickelt ihre Rolle vom naiv scheuen Mädchen zur weltgewandten Fürstin nicht allein in schauspielerischer Hinsicht sehr überzeugend, sondern vor allem auch im Zuge ihrer Stimmführung. Mit bewegend tief ausgekosteter Emphase und beweglicher Phrasierung meistert sie die Briefszene, während im letzten Akt die kühle Reinheit ihres Soprans messerscharf Onegins Herz durchschneidet. Andreas Jäpel (Onegin) ziseliert mit seinem geschmeidig vollen Bariton die innere Zerrissenheit des Protagonisten im warm timbrierten Gleißen seiner Stimme mitfühlbar heraus. Stimmlich bleibt Tenor Matthias Bleidorn (Lenskij) mit seiner in den Höhen gepreßt, fahl wirkenden Stimme etwas hinter diesen Leistungen zurück. Jedoch zeigt er in der Arie Wohin seid ihr entschwunden einen druckvolleren, über weite Längen tragenden Schmelz. Der Mezzosopran von Marlene Lichtenberg (Olga) besticht mit satter Fülle, wobei ihre gekonnte Zurücknahme durchaus noch Reserven vermuten läßt. Der mit kraftvoll leuchtender Grundsättigung angelegte Mezzosopran von Carola Fischer (Ludmilla) überzeugt insbesondere in den lyrisch-elegischen Passagen, während der Baß von Ingo Witzke (Fürst Gremin) mit klarem Duktus und geradliniger Stimmführung aufhorchen läßt. Hervorzuheben sei insbesondere auch die Leistung von Dirk Kleinke (Triquet), dessen Tenorstimme schwelgend strahlende Klanggemälde in feinen Pastelltönen skizziert.

Das Philharmonische Orchester des Staatstheaters Cottbus versteht es unter der Leitung von Evan Christ die Klangspektren, welche die aufgewühlten Seelenzustände der Protagonisten offenbaren, bewegend umzusetzen. Allein in den großbogig angelegten Melodieführungen ist das Spiel zu energisch und holzschnittartig, so dass bisweilen der Effekt der passagenartigen Überzeichnung entsteht. Der Chor des Staatstheaters Cottbus glänzt mit technischer Perfektion bei stimmlich gut ausbalancierter Tiefenwirkung.

Fazit

Die Inszenierung vermittelt ein authentisch wirkendes Bild des Werkes, die durch glaubhaft umgesetztes Spiel und durch die guten Leistungen der Sänger sowie des Orchesters tiefe Einblicke in die russische Seele erlaubt.

Dr. Andreas Gerth

Bild: Marlies Kross

Das Bild zeigt: Marlene Lichtenberg (Olga), Anna Sommerfeld (Tatjana), Carola Fischer (Larina), Matthias Bleidorn (Lenskij) und Andreas Jäpel (Onegin) (v.l.n.r.)

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