DAPHNE – Frankfurt, Oper

von Richard Strauss (1864-1949), Bukolische Tragödie in einem Aufzug, Libretto: Joseph Gregor
Regie: Claus Guth, Bühne/Kostüme: Christian Schmidt, Dramaturgie: Norbert Abels, Choreografische Mitarbeit: Lior Lev, Licht: Olaf Winter, Dirigent: Sebastian Weigle, Opern- und Museumsorchester und Chor, Choreinstudierung: Matthias Köhler,
Solisten: Matthew Best (Peneios), Tanja Ariane Baumgartner (Gaea), Maria Bengtsson (Daphne), Daniel Behle (Leukippos), Lance Ryan (Apollo), Dietrich Volle (1. Schäfer), Julian Prégardien (2. Schäfer), Franz Mayer (3. Schäfer), Sungkon Kim (4. Schäfer), Christiane Karg (1. Magd), Nina Tarandek (2. Magd), Corinna Schnabel (Darstellerin der alten Daphne)
Besuchte Aufführung: 28. März 2010 (Premiere)

Kurzinhalt
Das Fruchtbarkeitsfest zu Ehren des Gottes Dionysos wird vorbereitet. Daphne, Tochter von Peneios und Gaea, und gleichzeitig personifizierte Natur, versteht sich nicht auf die zwischenmenschliche Liebe. Daher weiß sie mit den Werbungen des – zu diesem Zweck maskierten – Apollo nichts anzufangen. Auch die Gefühle Leukippos’, der sie mit Hilfe einer List dazu bringt, vom Dionysostrank zu kosten, kann sie nicht erwidern. Apollo gibt daraufhin seine wahre Identität preis – doch Daphne entzieht sich beiden. Apollo, der Leukippos im Streit getötet hat, ersucht die Götter erfolglos um Vergebung. Daphne kann nur durch die Vereinigung mit der Natur erlöst werden, indem sie sich in einen Lorbeerbaum verwandelt.
Aufführung
Die Inszenierung zeigt Strauss’ Oper in Spiegelperspektive: Ein greises Alter Ego Daphnes betritt die Bühne und einen verwüsteten Schauplatz des Festes zu Ehren Dionysos. Leitmotivisch durchwandelt die gealterte Daphne Szene um Szene der Handlung und bildet so den roten Faden der Reminiszenzen – Erinnerungen an eine längst vergangene Zeit. Mittels einer Drehbühne wechselt die Kulisse vom Festplatz zu zwei weiteren Handlungsorten, die stilistisch ebenfalls an die griechische Antike erinnern. Erfolglos sucht man hingegen nach Abbildern der Natur – durch die Gestalt Daphnes repräsentiert, was doch eigentlich Herzstück der ganzen Handlung ist. So findet sich die Natur lediglich in einer eher trostlos wirkenden Umgebung aus Stein, gefangen in Räumen. Auch die Metamorphose Daphnes wird nur durch Gesten angedeutet, ist dem Text zu entnehmen, nicht aber erkennbar.
Sänger und Orchester
Das Elternpaar der Titelfigur wird von Matthew Best (Peneios) mit einem kräftig-sonoren Baß und Tanja Ariane Baumgartner (Gaea) gegeben. Ihrem angenehmen Alt fehlte es allerdings an entscheidender Durchschlagskraft, sowohl in den Höhen als auch in den tiefen Lagen. Eine überzeugende Leistung hingegen bot Daniel Behle als Leukippos, dessen lyrischer Tenor über eine große dynamische Spannbreite verfügt, und der Dramatik seiner Rolle durchaus gerecht wird. Ein gesundheitlich sichtlich angeschlagener Lance Ryan (Apollo) verblüffte mit einem bestechenden Debüt: Sein schlanker, metallisch timbrierter Tenor passte ausgezeichnet zu seinem Part des betörenden Sonnengottes, den er glänzend beherrschte. Die wohl unumstrittene Favoritin des Abends war hingegen Maria Bengtsson in der Titelrolle der Daphne. In den Höhen sicher, klanggewaltig und in den Stimmfärbungen immer den Emotionen gerecht werdend, absolvierte sie ebenso souverän wie anmutig eine großartige Partie. Sebastian Weigle weiß es, die eher spärlich instrumentierte Oper dennoch gekonnt in Farbenreichtum zu übersetzen. Distinguiert arbeitet er den zyklopischen musikalischen Kontrast zwischen Daphne und Apollo bzw. Leukippos heraus und schafft besonders für die Liebesszene, die Metamorphosenszene und dem Finale eine lyrisch-elegante musikalische Untermalung, die frei von jedwedem Affekt völlig ungekünstelte daherkommt. Raffiniert bereichert er auch die Dialoge, denen es eher an Tiefsinn fehlt und schafft so eine durchweg spannende Interpretation. Die sonst eher aufgesetzt wirkenden Chorpartien gliedern sich demgemäß ebenfalls gut in das Gesamtgefüge ein.
Fazit
Die Inszenierung zeigt eine durchaus adäquate Interpretation des antiken Sujets. Sie wurde folgerichtig, genauso wie die Sängerinnen und Sänger des Abends (allen voran Daphne), vom Auditorium bejubelt. Auch wurde die Leistung des Orchesters gebührend honoriert. Es war eine durchweg gelungene Premiere zu genießen – eine sicherlich empfehlenswerte Opernaufführung.

Isabell Seider

Bild: Barbara Aumüller
Das Bild zeigt: Lance Ryan (Apollo) und Maria Bengtsson (Daphne)

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