Orfeo ed Euridice – Hof, Theater

von Christoph Willibald Gluck (1714-1787), Azione teatrale per musica in drei Akten, Libretto: Pierre-Louis Moline nach Raniero de’ Calzabigi, Pariser Fassung, deutsch von Hans Swarowsky, UA: 2. August 1774, Paris.

Regie: Lothar Krause, Bühne: Britta Lammers, Kostüme: Uta Gruber-Ballehr

Musikalische Leitung: Walter E. Gugerbauer, Hofer Symphoniker, Opernchor mit Coruso – Erster deutscher freier Opernchor (Chorleitung: Roman David Rothenaicher).

Solisten: Minseok Kim (Orfeo), Sophie-Magdalena Reuter (Euridice), Yvonne Prentki (Amor)

Besuchte Aufführung: 20. September 2019 (Premiere)

Kurzinhalt

Euridice, die Gattin des sagenumwobenen Sängers Orfeo, stirbt. Amor gestattet ihm, zu seiner Geliebten in die Unterwelt zu steigen – allerdings unter der Bedingung, diese auf dem Rückweg nicht anzusehen oder dieses Verbot zu erklären. Euridice bedrängt Orfeo ob seiner Lieblosigkeit. Als er sich ihr schließlich zuwendet, stirbt sie. Verzweifelt will er ihr in den Tod folgen, aber Amor bringt die Liebenden wieder zusammen.

Aufführung

Lediglich zwei große Kulissen prägen das Bühnenbild. Ein halbes Haus und eine Wand mit Tür werden immer wieder herumgefahren, gedreht, neu positioniert. Einmal sieht man aus dem Haus aus den Fenstern heraus, einmal sieht man die Küche des Hauses. Über dem Herd ist die Wand voller Kalenderblätter. Die Beleuchtung des Hintergrundes macht die Orte kenntlich. Nach dem Blau des alltäglichen Landlebens, steht die schwarze Wand, durch deren Lochmaske Lichtstrahlen wie Laserschwerter dringen für die Unterwelt – hier herrscht brutale Gewalt. Die Furien tragen schwarz, das Haar ist wie im Fahrtwind festgeklebt. Im weißen Licht und weißem Gewand kommt der göttliche Frieden, ein violett-bläulicher Herbstabend mit französisch-italienischer Landkleidung schließt harmonisch versöhnlich den Abend.

Sänger und Orchester

Unterstützt von einer großen Zahl an Chorsolisten ist der Chor nicht nur ein großer Gesangsapparat, sondern zusammen mit der Ballettcompagnie wird er zu einem Bewegungsapparat geformt, der die Handlung und alle Aktionen bzw. Gefühle der Solisten untermalt und kommentiert. Die perfekten Choreographien und das perfekte Zusammenspiel des Chores ergänzen die Bildgewalt der Harmonien, der Klangwelten Glucks, geformt in klarer barocker Musiksprache unter der Leitung von Walter E. Gugerbauer. Glucks französische Reformoper steht weniger für eine pompöse barocke Pracht als für einen transparenten schlanken Klang. Und steht auch für die Leistungen der drei Ensemblemitglieder des Theaters Hof: In der Wiener Fassung hat Gluck die Rolle des Orfeo für den Alt-Kastraten Gaetano Guadagni vorgesehen, für die spätere Pariser Fassung wurde die Alt-Partie des Orfeo für den Sänger Joseph Legros durch eine hohe Tenorstimme ersetzt. Heutzutage ist es üblich die Rolle mit einer Altistin, einem Mezzo mit Tiefe, oder einem Countertenor zu besetzen. So wird klar, wie hoch die Anforderungen an Minseok Kim in der Partie des Orfeo sind, die er mit tadelloser lyrischer Stimmführung und sicherer tenoraler Höhe gestaltet. Sophie-Magdalena Reuter ist ein ausdrucksstarker Sopran, die die kafkaesken und verzweifelten Momente der Euridice auch sängerisch mit jugendlicher klarer Stimme umsetzen kann. Der Sopran von Yvonne Prentki verfügt über ein zartes tragendes Piano als Basis ihrer in zahlreichen Rollen erarbeiteten barocken Stimmführung. Das führt zu einer ausgewogenen Gestaltung der beiden Arien des Amors.

Fazit

Das Publikum bejubelt einen Meilenstein in der Geschichte des Theater Hof heftig und lange: Die Mischung aus Oper und Ballett mit choreographierten Ensembles und gedoppelten Hauptdarstellern rückt die Produktion in die Nähe der legendären Produktion von Pina Bausch im Pariser Palais Garnier. Ein glücklicher Abend, wenn es möglich ist, das Ballettensemble in eine Oper zu integrieren, was an mancher Staatsoper nicht möglich ist. Sängerisch vom Haustenor getragen, der sich über die Jahre in Hof sehr gut entwickelt hat und sich hiermit unverzichtbar macht. Unverzichtbar eigentlich auch Walter E. Gugerbauer, unter dem sich die Hofer Symphoniker auch spürbar weiterentwickelt haben und an diesem Abend für das Werk Glucks herausragendes leisten. Leider wird er wohl zum Spielzeitende Hof verlassen.

Oliver Hohlbach

Bild: H. Dietz Fotografie, Hof

Das Bild zeigt: Minseok Kim (Orpheus), Sophie-Magdalena Reuter (Eurydike) und Yvonne Prentki (Amor)

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