Bach Messe in h-Moll BWV323 – Philharmonie Köln

Johann Sebastian Bach (1685-1750)

Messe in h-Moll BWV323

Dirigent: Christian Jeub, Concerto con Anima, Gürzenich-Chor Köln

Mechthild Bach (Sopran), Kai Wessel (Countertenor), Tobias Hunger (Tenor) Klaus Mertens (Baß)

Konzertbesuch: 25. Februar 2018, Philharmonie Köln

Der 190. Geburtstag des Gürzenich-Chors war der Anlaß für diese Aufführung. Und der Chor – immerhin ein Laienchor – leistete enormes in diesem großartigen Werk. Erfreulich viele junge Sängerinnen und Sänger sorgten für einen sehr frischen Ton. Dazu mag auch das Gürzenich-Chor-Stipendium beitragen, das junge Tenortalente an Schulen sucht und eine Stimmausbildung fördert.

 

Man kann historisch informierte Aufführungspraxis auch ein wenig übertreiben. Die fast staccatoartig abgesetzten Silben des Ky | ri| e | beeinträchtigten den Wohlklang. Ob Johann Sebastian Bach wirklich wollte, daß seine

Messe so eckig klingt? Angesichts der eher runden und verspielten Formen in der barocken Architektur und in der bildenden Kunst ist das kaum vorstellbar.

Ein bißchen Effekthascherei war auch dabei: die einleitenden, breit angelegten Takte des Kyrie sang der Chor auswendig, erst mit dem Einsetzen der fünfstimmigen Fuge wurden die Noten aufgeschlagen.

 

Bei den Solisten mußten gleich zwei Stimmen krankheitsbedingt ersetzt werden, was aber keineswegs eine Einbuße war. Mechthild Bach und Kai Wessel sangen ein großartiges Christe eleison mit klaren hellen und gut harmonierenden Stimmen. Ein echtes Glanzlicht setzten bei den Solopassagen die begleitenden Soloinstrumente – beim Christe die Flöten, die die Stimmen einfühlsam umspielten, später Oboen, Horn, Geige und mit Einsetzen des Gloria die strahlend hell schmetternden Trompeten.

 

Das begleitende Concerto con Anima machte seinem Namen alle Ehre. Neben den schon erwähnten Sololeistungen ist hier besonders die Solistin am Orgelpositiv und am Cembalo (im Wechsel) zu erwähnen.

Auch im Gloria gefielen die Solisten außerordentlich. Das Domine deus gestaltete Tobias Hunger mit seiner hell timbrierten Stimme sehr eindrucksvoll, im Quoniam war erstmalig der als Bachspezialist geltende Klaus Mertens zu hören, der stellenweise leider etwas forcierte. Beim Cum sancto Spiritu zog Dirigent Christian Jeub mächtig das Tempo an.

Der Chor meisterte mit großem Können die komplizierte Fuge mit den langen Koloraturen. Aber das allzu rasche Tempo ging zu Lasten des Schönklangs. Dies gilt auch für die Schlußfuge des Credo und das Hosanna. Ein Höhepunkt der Messe ist ohne Zweifel das Agnus Dei, das Kai Wessel mit ergreifender Innigkeit zelebrierte.

 

Die Feierlichkeit der Messe, die auch im Konzertsaal zu spüren ist, wurde beim Nachstimmen der historischen Instrumente durch unfreiwillige Komik gestört. Selten hat man das für sein Husten bekannte Kölner Publikum so ausgiebig und laut husten gehört. Daß die Instrumentalisten dabei überhaupt noch stimmen konnten, war ein Wunder.

D. Riesenkönig

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