Chorkonzert – Kölner Philharmonie

Henry Purcell (1659-1695) Hail, bright Cecilia (1692) Z328, St. Cecilia’s Day, Ode für Soli, Chor und Orchester

Georg Friedrich Händel (1685-1759) Ode for St. Cecilia’s Day HWV 76, für Soli, Chor und Orchester

Dirigent: Paul Krämer, Concerto con Anima, Konzertmeister: Ingeborg Scheerer

Solisten:: Anja Petersen (Sopran), Kai Wessel (Altus), Markus Francke(Tenor), Erik Sohn, Baß

Kartäuserkantorei Köln

Konzertbesuch: 12. Februar 2017

Die Stadt Köln verfügt über eine sehr reichhaltige Chor-Szene. Viele dieser Chöre sind nicht einmal professionell, was in keiner Weise abwertend gemeint ist, im Gegenteil. Die Sänger und Sängerinnen verdienen nicht hauptberuflich ihr Geld mit dem Chorgesang, und das heißt, daß die Probenarbeit in der Freizeit stattfinden muß. Allein das verdient größte Hochachtung, denn an Klangqualität und Können stehen sie meist einem professionellen Chor in nichts nach.

Dies hat die Kartäuser-Kantorei in ihrem Konzert wieder einmal eindrücklich bewiesen. Zwei Cäcilien-Oden standen auf dem Programm, eine interessante Gegenüberstellung. Cäcilia ist die Schutzpatronin der Musik, insbesondere der Kirchenmusik, und seit Jahrhunderten wird der Tag ihres Gedächtnisses (22. November) mit festlicher Musik begangen. Seit 1683 war es in England sogar üblich, zu diesem Tag eine Neukomposition vorzustellen, Textvorlage war meist John Drydens (1631-1700) Song for St. Cecilia’s Day, in dem die alles heilende und harmonisierende Wirkung der Musik gepriesen wird.

Purcell verwendete den Text in einer Überarbeitung von Nicholas Brady (1659-1726), Händel vertonte den Originaltext.

Schon im Eingangschor zeigt der Chor seine großartigen Fähigkeiten. Zu den Worten Hail! Bright Cecilia ertönt ein auf- und abschwellendes Tutti, das perfekter nicht dargeboten werden kann. Dieser Eindruck bleibt kontinuierlich in allen Chorpassagen.

Weniger überzeugen konnten hingegen die Solisten, wobei Sopran und Tenor bei Purcell nur jeweils einen kurzen Einsatz haben. Eric Sohn (Baß) war einfach zu leise, er wurde vom Orchester schlicht übertönt. Dabei spielte das von der Konzertmeisterin Ingeborg Scheerer gegründete Ensemble Concerto con Anima keineswegs zu laut. Die Musiker spielen auf historischen Instrumenten und sind auf alte Musik spezialisiert. Sie bieten einen ausgewogenen schönen Klang, und der ausgezeichnete Dirigent und Leiter der Kartäuser-Kantorei führte das Orchester sicher und einfühlsam. Entsprechend zum Text gab es verschiedene solistische Einlagen, die ebenfalls hervorragend gemeistert wurden.

Den größten Gesangsanteil hat die Altstimme. Leider war auch Kai Wessel als Countertenor nicht überzeugend. In tiefen Lagen wechselte er mehrmals ins Tenor-Register. Die Koloraturen sang er zwar sehr geschmeidig, aber insgesamt war auch seine Stimme nicht kräftig genug.

Händels Textvertonung sieht als Gesangssolisten nur Sopran und Tenor vor, und hier konnten Anja Petersen und Markus Francke brillieren.

Nach einer Ouvertüre beginnt ein Tenor-Rezitativ mit einer Art Schöpfungsgeschichte, der Chor fällt, den Text aufgreifend ein. Markus Francke gestaltete den Text anschaulich und vor allem sehr gut verständlich. In der vom Violoncello begleiteten folgenden Sopranarie setzte Anja Petersen ein erstes Highlight. Der Wohlklang war Labsal fürs Ohr!

Die folgende Arie für Tenor und Chor ist rhythmisch verzwickt, wurde aber perfekt dargeboten. Der Text mag heute befremdlich wirken Voran! Auf den Feind! Auf, auf! Und es gibt kein Zurück! Die Umsetzung in Musik mit double, double, double beat zu kräftigem Paukenschlag ist großartig.

Es wird gleich wieder versöhnlicher mit dem sanften Klang der Flöte, einer von Querflöte, Laute und Harmonium begleiteten Sopranarie. Den letzten Glanzpunkt setzte Anja Petersen als Sopransolo im Schlußchor. Ein a capella gesungener Satz des Soprans wird mit großem Chor- und Orchestereinsatz wiederholt und gipfelt in den Worten the trumpet shall be heard on high. Diese high hält der Sopran und die Trompete schlängelt sich an diesen hohen Ton heran und nach der Schöpfungsgeschichte zu Beginn deutet der Dichter zum Schluß das Jüngste Gericht an. Davon kann man nur begeistert sein, und das Publikum bedankte sich mit großem Beifall für alle Mitwirkenden.

Dorothee Riesenkönig

Bild: Kartäuserkantorei Köln

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