GÖTTERDÄMMERUNG – Leipzig, Oper

von Richard Wagner (1813-1883), Dritter Tag des Bühnenfestspiels Der Ring des Nibelungen in drei Aufzügen und einem Prolog, Text vom Komponisten, UA: 17. August 1876 Bayreuth, Festspielhaus

Regie: Rosamund Gilmore, Bühne: Carl Friedrich Oberle, Kostüme: Nicola Reichert

Dirigent: Ulf Schirmer, Gewandhausorchester Leipzig

Tanzensemble: Ziv Frenkel, Sindei Brandão, Ole Dreiver, Unita Gay Galiluyo, Sophia Hofmann, Mathis Kleinschnitgger, Elodie Lavoignat, Sandra Lommerzheim, Jochen Vogel, Juliette Rahon, Oliver Roche, Alicia Varela Carballo

Solisten: Thomas Mohr (Siegfried), Tomas Pursio (Gunther), Jürgen Linn (Alberich), Rúni Brattaberg (Hagen), Marika Schönberg (Gutrune), Kathrin Göring (Waltraute), Karin Lovelius (1. Norn), Kathrin Göring (2. Norn), Olena Tokar (3. Norn), Magdalena Hinterdobler (Woglinde), Sandra Maxheimer (Wellgunde), Sandra Janke (Floßhilde)

Aufführung: 3. Juli 2016 (Premiere, Rings der Nibelungen, 2. Zyklus)

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Die Nornen spinnen das Schicksal fort, bis der Faden reißt. Siegfried bricht zu neuen Heldentaten auf, nicht ohne Brünnhilde vorher den Ring zu überantworten. Am Hofe der Gibichungen wird er bereits erwartet. Hagen trachtet danach, den Ring für seinen Vater Alberich

zurückzuewinnen. Seine Intrige sieht vor, Gunther mit Brünnhilde, dessen Schwester Gutrune mit Siegfried zu vermählen. Waltraute bittet Brünnhilde um Rückgabe des Rings an die

Rheintöchter, um den Untergang der Götter zu verhindern. Die rückt das Liebespfand nicht heraus. Doch Siegfried vergißt Brünnhilde durch einen Trunk. Stattdessen freit er sie für

Gunther und heiratet Gutrune. Die Betrogene verrät Hagen Siegfrieds verwundbare Stelle, woraufhin dieser ihn bei der Jagd tötet. Brünnhilde verkündet das Ende und verbrennt mit Siegfried. Die Rheintöchter bergen den Ring aus ihrer Asche.

Aufführung

Ein grauer Saal mit fünf hohen Säulen ist Schauplatz der Nornenszene, des Gibichungenhofes, hier finden nebelverhangene Jagd und Finale statt. Im dritten Akt teilen sich die Säulen und machen deutlich, daß auch die Götter hier wohnen. Hinter der Fassade eines Apartmenthauses mit Balkon verbirgt sich das Liebesnest des Heldenpaares, später die Privaträume der Gibichungenburg. Eine Glasfassade gibt den Blick auf den Rhein frei. Zentral unter den

wenigen Requisiten ist ein weißer Konzertflügel, auf dem im Finale der tote Siegfried

aufgebahrt wird. Brünnhilde legt sich dazu, umzüngelt von lodernden Flammen. Die Kostüme sind zeitgenössisch, der Naturbursche und die Walküre sind im Militärlook gekleidet, die Gibichungen als degenerierter Managerclan in blaß-fahlem Beige.

Sänger und Orchester

Klanggewaltig beschwor Generalmusikdirektor Ulf Schirmer die Götterdämmerung herauf. Das Gewandhausorchester betörte durch einen satten warmen Streicherklang, Trompeten und Hörner waren in einigen Soli etwas wacklig und unsauber. Bei dieser ungeheuren orchestralen Dramatik hatten es die Sänger nicht immer leicht, sich zu behaupten. Besonders den drei Nornen Karin Lovelius, Kathrin Göring und Olena Tokar ging das so, wenngleich sie ihre Erzählung vom Weltengang Wißt Ihr wie das wart? sauber und mit hoher Wortverständlichkeit vortrugen.

Ein imponierendes Debüt lieferte Heldentenor Thomas Mohr (Siegfried). Er hat die Statur eines Siegfried und singt mit müheloser Durchschlagkraft. Eine resonante Stimme mit hoher Flexibilität. Besonders ausdrucksvoll und klangschön in der Todesszene, als ihm die Erinnerung wiederkommt an Brünnhilde! Heilige Braut. Mit vergleichbarer Eindringlichkeit singt Christiane Libor ihr Rollendebüt (Brünnhilde). Beeindruckend, wie leicht sie ihre hochdramatische Stimme führt. Warm im tiefen Register, gleichzeitig voll impulsiver Energie und Feuer. Walküre Kathrin Göring (Waltraute) absolvierte die endlos deklamatorischen Passagen ihres Auftritts mit Bravour. Kraftvoll und prägnant vermittelte sie die Not des Götterclans. Kurz und beeindruckend der Auftritt von Jürgen Linn (Alberich). Rúni Brattaberg sang die Partie des finsteren Hagen mit Finesse und zuverlässiger Intonation. Woran es fehlte, waren dramatische

Aktionen. Die Regie ließ den riesigen Saal ungenutzt, die Sänger verharrten zu oft an der

Rampe. So blieb Marika Schönberg als Gutrune vollkommen blaß und gewann erst nach Siegfrieds Tod an Kontur. Dieses Unbeteiligtsein paßt nur zu Gunthers Part. Deshalb machte Thomas Pursio als schwacher Fürst, grau meliert und in hellem Sommeranzug, immer eine gute Figur und wurde der Rolle auch stimmlich mit gut geführtem Bariton gerecht. Ob es zusätzlich die in Gilmores Ring obligatorischen Tänzer braucht, sei dahingestellt. Ihre

Bewegungschoreographie war szenenweise beeindruckend. Wie gewohnt illustrierten sie dekorativ das Geschehen (Raben, Schatten, Götter) oder bewerkstelligten den Szenenwechsel als elegante Möbelpacker.

Fazit

Wie ist dieser Ring zu deuten? Die Regiearbeit von Rosamund Gilmore verweigert sich der ewigen Frage, wer denn nun eigentlich untergeht im Fanal einer brennenden Welt: die Götter, die Menschheit, die Utopien oder etwa die Macht des Geldes? Ohne Ulf Schirmers klanggewaltige Interpretation hätte dieser Ring doch sehr wenig an Dramatik zu bieten. Zu Wagners Gesamtkunstwerk gehört auch ein hoher Anspruch an die Kunst der Darstellung. Gilmore, die vom Tanz kommt, verwendet viel Sorgfalt auf die Tänzer, weniger offenbar auf die

Ausdrucksfähigkeit der Gesangsinterpreten. Das läßt viele Möglichkeiten ungenutzt. Die Stimmen: einfach wunderbar!

Norma Strunden

Bild: Tom Schulze

Das Bild zeigt: Thomas Mohr (Siegfried), Karin Lovelius (1. Norn), Kathrin Göring (2. Norn), Olena Tokar (3. Norn)

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