Il dissoluto punito ossia Don Giovanni – Der bestrafte Wüstling oder Don Giovanni – Köln, Oper – Staatenhaus Saal 2

von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Dramma giocoso per musica in zwei Akten, Libretto: Lorenzo da Ponte, UA: 29. Oktober 1787 Prag, Gräflich Nostitzsches Nationaltheater
Regie: Emmanuelle Bastet, Bühne/Kostüme: Tim Northam, Licht François Thouret
Dirigent: Francois Xavier Roth, Gürzenich-Orchester, Chor der Oper Köln, Einstudierung: Andrew Ollivant
Solisten: Jean-Sébastien Bou (Don Giovanni), Vannina Santoni (Donna Anna), Julien Behr (Don Ottavio), Avtandil Kaspeli (Komtur), Regina Richter (Donna Elvira), Tareq Nazmi (Leporello), Luke Stoker (Masetto), Aoife Miskelly (Zerlina)

Besuchte Aufführung: 6. März 2016 (Premiere)

Kurzinhalt

Don Giovanni flieht vor Donna Anna, die sich an ihn zu klammert. Auf ihren Hilferuf erscheint ihr Vater, der Komtur. Beim Zweikampf mit Giovanni wird er tödlich verwundet. Danach flieht Don Giovanni mit seinem Diener Leporello, der ihn vor dem Haus erwartet hatte. Don Ottavio, Donna Annas Verlobter, kommt hinzu und schwört Rache für den Mord.

Oper Köln ARABELLA Musik.Leitung: F.X.Roth Regie: E.Bastet Bühne, Kostüme: T.Northam Licht: F.Thouret Darsteller: J-S. Bou, V.Santoni, J.Behr, T. Sun, R.Richter, T.Nazmi, L.Singer, A.MiskellySzenenwechsel. Don Giovanni erzählt Leporello von seinem neuen Schwarm. Dieser tritt auf, wobei Don Giovanni überrascht feststellt, daß es Donna Elvira ist, die seine Geliebte in Burgos war. Er entfernt sich und überläßt sie Leporello. Dieser zählt Donna Elvira anhand seines Registers alle Geliebte seines Herrn auf. Das veranlaßt sie, ihrem früheren Geliebten ewige Rache zu schwören.

In der Nähe seines Schlosses trifft Don Giovanni auf Zerlina, die gerade mit Masetto zum Hochzeitsfest eilt. Sofort macht er auch Zerlina den Hof und lädt zunächst Zerlina, dann die ganze Hochzeitsgesellschaft in sein Schloß ein. Als Zerlina gerade dabei ist, seinen Schmeicheleien zu erliegen, kommt Elvira hinzu. Zerlina hört auf ihren Rat und flieht. Doch da erscheinen Donna Anna mit Don Ottavio, die Don Giovanni aber nicht als Mörder erkennen, sondern als Freund begrüßen. Auch hier tritt Donna Elvira dazwischen und erklärt, daß Don Giovanni der Mörder des Komturs sei. Don Giovanni verleumdet Donna Elvira als Wahnsinnige, doch Donna Anna erkennt in den Bewegungen von Giovanni, daß Elvira die Wahrheit sagt. Nun gibt Don Giovanni einen großen Ball, wozu auch Donna Anna mit Don Ottavio und Donna Anne in Masken erscheinen. Schließlich erreicht Don Giovanni die gerechte Strafe: der Komtur erscheint und lädt ihn zum Mahl ein. Er nimmt an. Während des Gastmahls verschlingt die Erde den Übeltäter.

Aufführung

In Bühnenmitte ein hölzerner Schreibtisch im Stil des 19. Jahrhunderts von dunkler Farbe. Im Hintergrund und auf beiden Seiten bis zum „Bühnenhimmel“ aufragende silbergraue Stahlrohre. Auf der rechten Seite sind die Gitterstäbe zu einem schmalen Gang zusammengestellt. Manchmal fährt ohne augenscheinlichen szenischen Zusammenhang ein rechteckiger Käfig von links nach rechts über die ganze Bühnenbreite. Ein zaunähnliches Gebilde, das plötzlich rechter Hand auftaucht, erschlägt fast Masetto und bleibt auch sonst ein gefährlicher Gegenstand. Manchmal fällt so etwas wie Schnee aus dem Bühnenhimmel und die ankommenden Freunde des Hochzeitspaares Zerlina-Masetto bewerfen sich mit schneeballähnlichen Gegenständen. Diese sind in dicke Winterkleidung nach heutiger Mode angezogen. Don Giovanni ist in Regisseurtracht schwarz gekleidet und fuchtelt viel mit seinem ebenfalls schwarzen Mantel herum, der später als Verkleidung für Leporello dient. Donna Elvira erscheint im kapuzenverzierten Pelzmantel (als Spanierin leidet man sehr in der Kälte Nordeuropas), Donna Anna stürzt dem Eindringling Giovanni im Unterrock nach und bleibt in diesem Rock bis zum Ende, obwohl er durch das Blut des verletzten Vaters blutverschmiert ist. Leporello tritt mit Strickmütze auf wie es man oft bei jungen Leuten im kalten Wetter erblicken kann.
Alles bleibt so von Anfang bis zum Ende. Auch das Licht ist meist halbdunkel, so daß man es nicht verhindern kann, daß das Auge ermüdet.

Sänger und Orchester

Der Vorhang öffnet sich schon im ersten Drittel der langen Ouvertüre, die François Xavier Roth mit großem Körpereinsatz, in der rechten Hand ein sehr kurzer Dirigierstab, und leidenschaftlicher Energie sowie großer Umsicht leitet. Bemerkenswert von Anfang an sind die deutlichen Unterschiede zwischen Pianissimo und Fortissimo, etwas, was gewöhnlich eingeebnet wird.
Es fällt auf, daß  im Verlauf der Oper bei den Rezitativen die Worte undeutlich prononciert, meist hastig hingeworfen werden, alles gerät etwas lieblos. Die rasch wechselnden Textbausteine auf den zu kleinen Monitoren sind auch wenig hilfreich. Bei den Arien ist die Aussprache so undeutlich, daß man kaum gewahr wird, in welcher Sprache hier gesungen wird!
Leporellos Register-Arie (Tareq Nazmi) ist etwas besser zu verstehen und wird im großen und ganzen gut hingelegt. Vannina Santoni (Donna Anna) zeigt ziemliche Intonationsprobleme in den Höhenlagen bei Or sai chi l’onore – Jetzt weißt du, wer die Ehre mir rauben wollte. Hier erreicht sie kaum einmal das hohe Niveau. Auch hat sie Atemproblem und macht Pausen, wo keine stehen. Ist sie überfordert?
Undeutlichkeit und gutturales Singen kennzeichnet über weite Strecken den Gesang Jean Sébastien Bou als Don Giovanni. Regina Richter (Donna Elvira) kämpft meist mit den Höhenlagen und forciert dabei fortwährend.
Die Arie des Don Ottavio Dalla sua pace – von ihrem Frieden [Donna Annas] hängt meiner ab, hat Mozart in die Wiener Fassung eingeschoben. Julien Behrs Gesang bringt einen Lichtblick schon allein von der Wortdeutlichkeit her. Leider ist seine Stimme öfter zu kehlig und zu viel Vibrato durchwirkt seinen ansonsten lyrisch wohlgeformten Gesang. Die Höhen kommen allerdings deutlich und die Verzierungen werden nicht verschliffen. Kurzer Zwischenapplaus. Eine weitere angenehme Erscheinung ist Aoife Miskelly (Zerlina). Ihre Stimme ist einschmeichelnd und gut geführt bei Batti, batti, o bel Masetto – Schlage, schlage, o schöner Masetto. Die Spitzentöne sind durchweg angenehm weich. Auch ihre gewährt das Publikum kurzen Applaus.

Fazit

Das Gürzenich Orchester unter François Xavier Roth zeigte perfekt Gestaltung in der Begleitung der Sänger, selten ist es zu laut. Auch die Dynamik ist vorzüglich. Die Sängerleistung ist sehr gemischt. Doch das Ernüchterndste nach der außerordentlichen gelungenen Aufführung der Bohème in Michael Hampes Regie war die Inszenierung. Hier ist nicht der Ort einer analytischen, eigentlich notwendigen Betrachtung, zumal OPERAPOINT sich hinsichtlich der Regie meist zurückhält. Aber eine enorme Enttäuschung kann hier nicht verhehlt werden.

Dr. Olaf Zenner

Bild: Bernd Uhlig

Das Bild zeigt: li. Regina Richter (Donna Elvira), Aoife Miskelly (Zerlina), Jean-Sébastien Bou (Don Giovanni)

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