DIE LIEBE ZU DEN DREI ORANGEN – Kassel, Staatstheater

von Sergej Prokofjew (1891-1953), Oper in vier Akten und einem Prolog, Libretto: Sergej Prokofjew nach einem Divertissement von Wsevolod E. Meyerhold und Wladimir N. Solowjow, nach einem Märchenspiel von Carlo Gozzi, deutsche Textfassung: Werner Hinze, UA: 30. Dezember 1921, Chicago, Auditorium Theatre

Regie: Dominique Mentha, Bühne: Werner Hutterli, Kostüme: Anna Ardelius

Dirigent: Patrik Ringborg, Staatsorchester Kassel, Opernchor und Extrachor des Staatstheaters, Choreinstudierung: Marco Zeiser Celesti

Solisten: Tobias Hächler (Der Prinz), Ulrike Schneider (Prinzessin Clarice), Hansung Yoo (Leander), Johannes An (Truffaldino), Marian Pop (Pantalone), Marc-Olivier Oetterli (Tschelio), Inna Kalinina (Fata Morgana), Hee Saup Yoon (König Treff, Köchin), Ani Yorentz (Ninetta), u.a.

Besuchte Aufführung in Kassel: 5. März 2016 (Premiere)

Die Liebe zu den drei Orangen

Die Liebe zu den drei Orangen

Kurzinhalt

Im Prolog wird über die richtige Abendunterhaltung gestritten: Die Tragischen wünschen eine Tragödie, die Komischen eine Komödie, die Lyrischen eine Liebesgeschichte und die Hohlköpfe ein leichtes Unterhaltungsstück. Die Lächerlichen kündigen zur Lösung das Stück Liebe zu drei Orangen an: König Treff sorgt sich um seinen depressiven Sohn. Minister Leander und Clarice verschwören sich mit der Zauberin Fata Morgana gegen den Prinzen. Nur Lachen kann den Prinzen heilen, Truffaldino versucht es mit einem Fest, aber erst ein Malheur der Zauberin bringt den Prinzen zum Lachen. Erbost verflucht ihn Fata Morgana: Der Prinz soll sich in drei Orangen verlieben. Um diese zu finden, machen sich Prinz und Truffaldino nach Kreonta auf, wo sie die drei Orangen entwenden können. Aus einer der Orangen entsteigt Prinzessin Ninetta. Sie wird zunächst von Fata Morgana in eine Ratte verwandelt, kann aber aus diesem Bann befreit werden. Ninetta und der Prinz feiern Hochzeit.

Aufführung

Das Bühnenbild besteht aus einer Zirkusarena, gefüllt mit Sand – eine Sitzbank-Barriere befindet sich kreisförmig darum herum. Im Hintergrund eine Empore auf der die sechsköpfige Blaskapelle in Zirkusuniform thront. König Treff ist der Zirkusdirektor, die anderen Rollen schlüpfen in bunte Zirkuskostüme. Fünf Clowns wuseln auch durch das Publikum, das rund um die Arena gruppiert sitzt, die Gruppen bestehen aus den Befürwortern der verschiedenen Theatergenres: Sie können über Attribute wie bunte Kappen, Perücken oder Gitterköpfe zugeordnet werden.

Sänger und Orchester

Die Hauptrolle des Prinzen singt er mit Verve und Ausdruck, Tobias Hächler ist der Rollenwechsel ins Tenorfach gut gelungen. Die Anlage zum Heldentenor ist vorhanden, die Durchschlagskraft mag sich noch entwickeln. Ulrike Schneider legt ein großes Ausdrucks- und Gestaltungsvermögen als Prinzessin Clarice an den Tag. Hansung Yoo ist der servile Minister Leander, den er spielerisch als Spielbariton zeichnet. Johannes An ist der Spaßmacher Truffaldino vom Dienst. Er verfügt über eine strahlende baritonale Mittellage, seine Höhen klingen manchmal eng geführt. Marian Pop ist ein durchschlagsstarker Bariton, der auch die Nebenrolle des Pantalone aufwerten kann, genauso wie Marc-Olivier Oetterli, der sich als Zauberer Tschelio im Hintergrund stimmlich zurückhält, um dann mit Macht einzugreifen. Inna Kalinina ist ein volltönender Mezzo und gibt der bösen Hexe Fata Morgana Glaubwürdigkeit und Dominanz. Hee Saup Yoon besitzt eine Baßstimme mit sicherer Tiefe, der dem Zirkusdirektor König Treff Würde, Glanz und Ausstrahlung gibt und der Köchin mit viel Durchschlagskraft als resolute Herrscherin der Küche zeichnet – und dafür Szenenapplaus erhält. Ani Yorentz ist die liebreizende Ninetta, ihr jugendlich heller und sprungsicherer Sopran überzeugt immer und weckt Sympathien. Patrik Ringborg gelingt es erneut ein Fingerspitzengefühl für feinfühlige großformatige Klangwelten unter Beweis zu stellen und so dem Staatsorchester Kassel einen silbrigen, erzählfreudigen Klang zu entlocken. Das Orchester kann diese Harmonien gebündelt aus dem versenkten Orchestergraben abschießen – und Prokofjews Werk kann auch wie Zirkusmusik klingen! Eine überzeugende Figur macht der Chor auch in der Zirkusarena oder als widerstreitende Interessengruppen.

Fazit

Die Verlagerung der Handlung in einem Zirkus, ermöglicht märchenhaft bezaubernde Bilder – Zirkusclowns versuchen den Prinzen zu erheitern. Viele Verwandlungen oder Zaubereien funktionieren als Zirkustricks recht gut, zum Beispiel die Verwandlung der Ninetta aus einer Orange in eine Ratte funktioniert in der Manege glaubhaft – die Zirkus-Spielkapelle kommentiert das Spiel von der Empore. Viel Beifall, auch von rundum begeisterten Kindern: vielleicht erklären Ihnen Ihre Kinder, welches Motiv Prokofjews John Williams für den Marsch der Ewoks in Krieg der Sterne verwendet hat?

Oliver Hohlbach

Bild: Nils Klinger

Das Bild zeigt: Inna Kalinina (Fata Morgana, Zauberin), Marc-Olivier Oetterli (Tschelio, Zauberer) und Herren des Extrachores

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