GRÄFIN MARIZA – Greifswald, Theater Vorpommern

von Emmerich Kálmán (1882-1953), Operette in 3 Akten, Libretto: Julius Brammer und Alfred Grünwald, UA: 28. Februar 1924 Wien, Theater an der Wien

Regie: Klaus Seiffert, Bühne/Kostüme: Christopher Melching, Licht: Kirsten Heitmann, Dramaturgie: Stephanie Langenberg, Choreographie: Klaus Seiffert, Ralf Dörnen

Dirigent: Florian Csizmadia, Philharmonisches Orchester und Opernchor des Theaters Vorpommern, Choreinstudierung: Rustam Samedov, Ballett Vorpommern

Solisten: Kristi Anna Isene (Gräfin Mariza), Dennis Marr (Tassilo), Marina Medvedeva (Lisa), Johannes Richter (Baron Zsupán), Anna Wagner (Manja), Doris Hädrich-Eichhorn (Fürstin Bozena), Tye Maurice Thomas (Fürst Populescu), Ralf Lehm (Penizek) u.a.

Besuchte Aufführung: 28. November 2015 (Premiere)

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Kurzinhalt

Der verarmte Graf Tassilo arbeitet unter falschem Namen als Verwalter auf dem Landgut der Gräfin Mariza. Überraschend kehrt die Gräfin auf ihr Gut zurück, um vor ihren unzähligen Verehrern zu flüchten. Sie erfindet einen Baron namens Zsupán und möchte schnell die Verlobung feiern – jedoch ohne Bräutigam. Doch plötzlich taucht wirklich ein Adliger mit dem Namen Zsupán auf und wirbt um ihre Hand. In vier Wochen kommen sich Tassilo und Mariza näher. Baron Zsupán hat mittlerweile längst ein Auge auf die Komtesse Lisa geworfen. Zufällig gerät ein Brief Tassilos in Marizas Hände, in welchem er seine wahre Identität gesteht. Daraufhin zeigt ihm die Gräfin die kalte Schulter. Tassilos Erbtante Fürstin Bozena taucht unerwartet auf und kauft dessen verpfändeten Güter zurück. Auf diese Weise wird Tassilo ein standesgemäßer Partner für die Gräfin.

Aufführung

Während der Ouvertüre wird der Vorhang geöffnet und das Gutshaus mit Säulen und einer Terrasse wird sichtbar. Zigeuner kommen aus einem Zigeunerwagen und beginnen zu tanzen. Mit ihrer lebensfrohen Art spielen sie eine zentrale Rolle in dieser Inszenierung. Mithilfe einer Drehbühne werden die Schauplätze verändert. So wird die Gutshausfassade in einen prunkvollen Saal mit blauen und goldenen Farbakzenten verwandelt. Durch die großen Fenster kann je nach Blickwinkel immer wieder das Geschehen im Inneren und auch außerhalb des Gutes verfolgt werden. Durch Bühnenaufbauten wird deutlich, daß die Handlung in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg in rumänischer Umgebung spielt. Auch der Stil der Kostüme erinnert an diese Zeit. Nur Baron Zsupán sticht mit Zebra-Leggins, türkisfarbenen Umhang und einer Bauchtasche mit einem Schweinekonterfei heraus. Die Lichtregie kennzeichnet stimmungsvoll verschiedene Orte und Tageszeiten.

Sänger und Orchester

Die Solisten sind perfekt gewählt, und die Umsetzung der unterschiedlichen Charaktere gelingt zum Großteil mit Bravour. Besonders Dennis Marr (Tassilo) glänzt mit einer ausgeglichenen, klangvollen Stimme unter anderem in Grüß mir die Süßen, die reizenden Frauen. Durch weiche und leuchtende Nuancen beeindruckt sein Tenor. Marina Medvedeva singt die Passagen der kleinen Schwester Lisa mit einer passenden Keckheit, und strahlt zugleich Sicherheit aus. Ihr heller, beweglicher Sopran ist jedoch in einigen Passagen zu leise. Die technisch einwandfreie Kristi Anna Isene stellt eine wunderbar eingebildete, standesbewußte und lebenslustige Gräfin Mariza dar. Sie glänzt mit ihrem klaren, in allen Registern gleichmäßig kräftigen und flexiblen Sopran. Die natürliche Darstellung und sehr gute Textverständlichkeit, besonders im Duett Einmal möcht’ ich wieder tanzen, runden den positiven Eindruck ab. Ebenso eindrucksvoll verkörpert Johannes Richter den Wirbelwind Baron Zsupán, den er mit dem richtigen Maß an Witz und Charme gestaltet. Sein samtener, gut fokussierter und in den Höhen strahlender Tenor hebt sich vorteilhaft vom Gesamtklang ab. Tye Maurice Thomas glänzt in seiner Rolle als Fürst Populescu. Mit klangvollem Baß singt und spricht er gekonnt österreichischen Dialekt. Als Zigeunerin Manja betört Anna Wagner mit ihrem lyrischen, raumfüllenden Mezzosopran, den sie angenehm mit Vibrato anreichert, gesanglich gehört ihr die schönste Leistung des Abends. Doris Hädrich-Eichhorn gehört ebenso zu den Lieblingen des Abends und spielt die Rolle der Fürstin Bozena so überzeugend, als wäre diese für sie geschrieben worden.

Der Opernchor nimmt aktiv am Geschehen teil. Dadurch profitiert die Vorstellung besonders vom schauspielerischen Einsatz aller Chorsänger und einem stets ausgewogenen Gesamtklang.

Florian Csizmadia gelingt es, das Philharmonische Orchester auf eine schwungvolle Reise in die Klangwelten einzustellen und mitzunehmen – einer Mischung aus Soli und Duetten, die sich in Walzern, Modetänzen der 1920er Jahre und Zigeunerklängen bewegen. Die Abstimmung zwischen Orchester und den Sängern stimmt gut überein.

Fazit

Ein kurzweiliger, unterhaltsamer und durchaus mitreißender Operettenabend, der für viele Lacher im Publikum sorgt – vor allem die zum Teil abgewandelten Textpassagen. Die Inszenierung wird mit häufigem Szenenbeifall und schließlich einem langanhaltendem Schlußapplaus sowie Bravorufen gewürdigt und hebt die Leistung des Ensembles im ausverkauften Greifswalder Theater hervor.

Judith Hering

Bild: Barbara Braun/Gunnar Lüsch

Das Bild zeigt: Anna Wagner (Manja), Marina Medvedeva (Lisa), Kristi Anna Isene (Gräfin Mariza) und Johannes Richter (Baron Zsupán) sowie den Chor

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