La Fanciulla del West – Hamburg, Staatsoper

von Giacomo Puccini (1858-1924), Libretto: Guelfo Civinini, Carlo Zangarini, UA: 1910 New York, Metropolitan Opera

Regie: Vincent Boussard, Bühne: Vincent Lemaire, Kostüme: Christian Lacroix, Licht: Guido Levi

Dirigent: Carlo Montanaro, Philharmoniker Hamburg, Chor der Hamburgischen Staatsoper.

Solisten: Emily Magee (Minnie), Andrzej Dobber (Jack Rance), Carlo Ventre (Dick Johnson), Jürgen Sacher (Nick), Tigran Martirossian (Ashby), Davide Damiani (Sonora), Dovlet Nurgeldiyev (Trin), Moritz Gogg (Sid), Viktor Rud (Bello), Benjamin Popson (Harry), Jun-Sang Han (Joe), Vincenzo Neri (Happy), Alin Anca (Larkens), Szymon Kobylinski (Billy Jackrabbit), Rebecca Jo Loeb (Wowkle), Florian Spiess (Jake Wallace), Christoph Rausch (José Castro), Daniel Todd (Postillon).

Besuchte Aufführung: 7. Februar 2014. (Premiere 1. Februar 2015)

Hamburgische Staatsoper La Fanciulla del WestKurzinhalt

Der gesuchte Räuber Johnson betritt unerkannt die Bar eines kalifornischen Goldgräberortes, die von Minnie, der einzigen Frau dort, betrieben wird. Johnson möchte das in der Bar aufbewahrte Gold der Goldgräber stehlen, dann aber verlieben sich Minnie und er ineinander. Sheriff Rance will Johnson loswerden. Er ist ebenfalls in Minnie verliebt, die ihn jedoch abblitzen läßt. Als Johnson später in Minnies Hütte ist, wird er enttarnt und angeschossen. In einem Kartenspiel mit dem Sheriff um Johnson Leben gewinnt Minnie durch einen Trick. Am Ende überzeugt sie die Goldgräber und den Sheriff davon, daß der zwischenzeitlich geflohene und wiedereingefangene Johnson nicht aufgehängt wird. Minnie und Johnson verlassen zusammen Kalifornien.

Aufführung

Auf der Bühne ist der Wilde Westen im Winter nur angedeutet: Ein Pferd als Scherenschnitt, der typische Kronleuchter, Fässer. Bäume lassen sich in schmutzigen Schlieren auf den Wänden nur erahnen. Im zweiten Akt wird der Schneesturm per Projektion und Windpfeifen dargestellt. Der Gesamteindruck ist der einer bewußt häßlich wie ärmlich gehaltenen Unwirklichkeit: Neon, schief stehende Häuser, eine Leiter ins Nirgendwo, Anzüge, die wie Leichen von der Decke hängen. Die Kostüme sind eine Mischung aus Abendgarderobe und Arbeiterkleidung.

Sänger und Orchester

Die Philharmoniker Hamburg unter Carlo Montanaro zaubern von den ersten Minuten an einen unglaublich luxuriösen Puccini-Breitwandklang, so daß verständlich wird, warum der Komponist seine heute selten gespielte Oper selbst so hoch einschätzte. An Farben, melodischer Kraft, intonatorischer Sicherheit und vor allem Wärme der Streicher läßt sich das kaum noch überbieten, auch wenn die Balance mit der Bühne erst nach und nach hergestellt wurde. Emily Magee als einzige Frau auf der Bühne – neben dem adäquaten Kürzestauftritt von Rebecca Jo Loeb als Indianerin Wowkle – gab die Minnie stimmstark und mit Selbstbewußtsein. Kam das parlando auch mit wenig Nachdruck, so klang der eigentliche Gesangspart in Mittel- und Höhenlage umso präsenter und dramatischer. Auf diese Weise war es auch glaubwürdig, wie am Ende die Goldgräber einer nach dem anderen nachgeben, als Minnie sie davon überzeugt, Johnson zu verschonen. Andrzej Dobber war ein stimmlich gut zu verstehender, wuchtiger Sheriff Rance mit viel Gewicht. Carlo Ventre als Johnson spielte den Räuber wider Willen ebenfalls glaubwürdig und mit Deutlichkeit in der Höhe. Aus dem umfangreichen, durchweg glänzenden Ensemble stach niemand ganz hervor, zumal die Übergänge zu den Chorszenen in dieser Oper oftmals fließend sind.

Fazit

Visuell enttäuschend, wirft die musikalisch hohe Qualität der Hamburger Aufführung die Frage auf, warum diese Oper eigentlich hinter den anderen Opern Puccinis zurücksteht. Das Publikum zeigt sich jedenfalls zu Recht begeistert. Visuell war die Aufführung weder veristisch im Sinne von Realitätsnähe noch trug sie der kitschigen Handlung Rechnung.

Dr. Aron Sayed

Bild: Brinkhoff/Mögenburg

Das Bild zeigt: Jürgen Sacher (Nick), Jun-Sang Han (Joe), Davide Damiani (Sonora), Emily Magee (Minnie), Tigran Martirossian (Ashby), Staatsopernchor

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