IM WEISSEN RÖSSL – Coburg, Landestheater

von Ralf Benatzky (1884-1957), Singspiel in drei Akten, Libretto: der Komponist zusammen mit Hans Müller-Einigen und Erik Charell, Fassung Bar jeder Vernunft mit sechs musikalischen Einlagen von Robert Gilbert, UA: 8.November 8. November 1930 Berlin

Regie: Tobias Materna, Bühne: Lorena Diaz Stephens / Jan Hendrik Neidert.

Dirigent: Lorenzo Da Rio, Philharmonisches Orchester Landestheater Coburg.

Solisten: Ulrike Barz (Josepha Vogelhuber), David Zimmer (Leopold Brandmeyer), Helmut Jakobi (Wilhelm Giesecke), Anna Gütter (Ottilie), Karsten Münster (Dr. Otto Siedler), Stephan Ignaz (Sigismund Sülzheimer), Stephan Mertl (Prof. Dr. Hinzelmann), Sandina Nitschke (Klärchen), Thomas Straus (Der Kaiser), Marcus G. Kulp (Piccolo), Sofia Kallio (Kathi), u.a.

Besuchte Aufführung: 29. März 2014 (Premiere)

Im weißen Rössl // Singspiel von Ralph Benatzky in der Fassung der "Bar jeder Vernunft" // ML Lorenzo Da Rio, R Tobias Materna, B Jan-Hendrik Neidert, K Lorena Diaz, Ch Tara Yipp // Premiere am Samstag, 29. März 2014, Großes Haus Landestheater CoburgKurzinhalt

Im Hotel „Zum weißen Rössl“ am Wolfgangsee wartet das Personal auf die Sommergäste. Auch der Berliner Stammgast und Rechtsanwalt Dr. Otto Siedler hat sich wieder angekündigt, in welchen zum Leidwesen des Zahlkellners Leopold die Chefin des Hauses, Josepha Vogelhuber, verliebt ist. Leopold, selbst in seine Chefin verliebt, kann nach vergeblichem Werben die Abfuhren Josephas nicht mehr ertragen und kündigt. Gleichzeitig bemüht sich Dr. Siedler um Ottilie, die Tochter des Berliner Fabrikanten Wilhelm Giesecke. Damit nicht genug treffen der Fabrikantensohn Sigismund Sülzheimer sowie Prof. Dr. Heinzelmann samt seiner Tochter Klärchen im „Rössl“ ein. Unerwartet kündigt sich Kaiser Franz Joseph zum Schützenfest an. Josepha ist überfordert und bittet Leopold zurückzukehren. Beim Empfang seiner Majestät kommt es zum Eklat. Anstatt Leopold endgültig zu entlassen, engagiert sie ihn schließlich als Ehemann.

Aufführung

Das Bühnenbild wirkt einfach und schlicht. Im Hintergrund steht das einstöckige Hotel in Kastenbauweise. Drei Zimmer bilden den ersten Stock, das mittlere mit Balkon, im Erdgeschoß in der Mitte die große Drehtür, die immer für einen Gag gut ist, links daneben der Hendl-Straßenverkauf. Davor sehen wir den Vorplatz mit Biergarten und halbrechts den Swimmingpool, in dem sich das sichtbare Orchester befindet, das mal in die Handlung eingreift, mal sich lustige Hüte aufsetzt. Im Pool ist noch Platz für Schwimmtraining, den weißen Hai (inkl. Filmmusik) oder den Kaiser auf Unterwasserjagd.

Sänger und Orchester

Wer die musikalische Umsetzung der Musikfilme der 1950er Jahre gewohnt ist, der muß umdenken. Das Humba-Humba-Täterä prägte auch noch spätere Generationen, bis Max Raabe den filigranen Klang 1994 wieder entdeckte. So tragen acht Streicher und ein Klangwerk eine musikalische-politische-satirische Revue durch den Abend. Leider wurden die Sänger durch Microports unterstützt, so daß sie auch hörbar waren, wenn sie den Rücken dem Publikum zudrehten. Das Operetten-Ensemble des Coburger Landestheaters konnte aber zeigen, wie man Operette singen muß, herausragend David Zimmer als Zahlkellner Leopold, der als schmissiger Tenor den Vergleich mit Peter Alexander nicht scheuen muß. Oder Stephan Ignaz, der als schöner Sigismund eine Charakterrolle formt und keine Knallcharge. Oder Ulrike Barz (Josepha), die zusammen mit Sofia Kalio (Briefträgerin) ein hochdramatisches Duo bildet. Oder der wie immer bestens eingestimmte Chor des Landestheaters, der immer für einen running gag (auch als Gesangseinlage) gut und nicht nur im Opernfach zu Hause ist.

Fazit

In einem Punkt irrt der Coburger Intendant Bodo Busse. Die Spielfassung der „Bar jeder Vernunft“ macht aus der Operette Im weißen Rössl kein Musical mit großer Ausstattung, großer Besetzung und niveaureduzierter musikalischer Umsetzung, sondern das Revival einer Revue aus den 1930er Jahren mit einfachem Bühnenbild, kleiner musikalischer Besetzung (8 Streicher und ein Paukist), detaillierter witziger Personenführung, mit schmissigen Dialogen, die als politische Satire dem Zeitgeist widersprechen, und vielen unsterblichen Melodien, die nicht als Schlager heruntergenudelt werden. Dem Publikum gefällt es und bedankt sich heftig für einen unterhaltsamen Abend.

Oliver Hohlbach

Bild: Henning Rosenbusch

Das Bild zeigt: David Zimmer (Leopold Brandmeyer) mit der Blume und Das Ensemble

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