DIE LIEBE ZU DREI ORANGEN – Mannheim, Nationaltheater

von Sergej Prokofjew (1891-1953), Oper in vier Akten und einem Prolog, Libretto: Sergej Prokofjew nach einem Divertissement von Wsewolod E. Meyerhold und Wladimir N. Solowjow, nach einem Märchenspiel von Carlo Gozzi, deutsche Textfassung: Werner Hintze

Regie: Cordula Däuper, Bühne: Ralph Zeger, Kostüme: Sophie du Vinage, Licht: Ralph Schanz, Dramaturgie: Anselm Dalferth, Puppenbau: Michael Pietsch

Dirigent: Dan Ettinger, Chor und Orchester des Nationaltheater Mannheim, Choreinstudierung: Tilman Michael

Solisten: Sung Ha (Kreuz-König), Szabolcs Brickner (Der Prinz), Evelyn Krahe (Prinzessin Clarice), Karsten Mewes (Leander), Uwe Eikötter (Truffaldino), Lars Møller (Pantalone), Bartosz Urbanowicz (Celio), Heike Wessels (Fata Morgana), Eunju Kwon (Ninetta), Michael Pietsch* (Puppenspieler,* Rolle von der Regie hinzugefügt)

Besuchte Aufführung: 14. Februar 2014 (Premiere)

Mannheim_drei_orangen_08Kurzinhalt

Im Prolog wird über die richtige Abendunterhaltung gestritten: Die Gruppe der „Lächerlichen“ setzt sich durch und kündigt das Stück Liebe zu drei Orangen an. Hier sorgt sich der König um seinen kranken Sohn. Da nur Lachen den Prinzen heilen kann, wird der Spaßmacher Truffaldino gerufen, um ein Fest zu organisieren. Minister Leander und Clarice verschwören sich mit der Zauberin Fata Morgana gegen den Prinzen, um selbst auf den Thron zu gelangen. Während des Festes versucht Truffaldino vergeblich, den Prinzen zu erheitern. Erst ein Malheur der Zauberin kann den Prinzen zum Lachen bringen. Erbost verflucht ihn Fata Morgana: Der Prinz soll sich in drei Orangen verlieben. Um diese zu finden, machen sich Prinz und Truffaldino nach Kreonta auf, wo sie die drei Orangen entwenden können. Aus einer der Orangen entsteigt Prinzessin Ninetta. Sie wird zunächst von Fata Morgana verzaubert, kann aber aus ihrem Bann befreit werden. Ninetta und der Prinz feiern Hochzeit.

Aufführung

Die Bühne ist ein Zuschauerraum: Das Publikum blickt auf eine Art Amphitheater, in dessen Mitte die Bühne eines Marionettentheaters plaziert ist. Auf den Rängen sitzt der Chor und kommentiert das Geschehen. Im Verlauf der Oper werden zahlreiche Protagonisten von Puppen gedoppelt oder auch – wenn es sich um stumme Rollen handelt – ersetzt. Die Puppe der Fata Morgana erscheint mehrmals riesig und mit rot glühenden Augen hinter dem Amphitheater, die kleineren Puppen werden von dem Puppenspieler oder den Sängern geführt. Beide, Sänger und Puppen, tragen bunte und schrille Kostüme, die an Gewänder der Commedia dell’arte erinnern oder aber am biederen Büro-Outfit von heute angelehnt sind.

Sänger und Orchester

Dan Ettinger und das Orchester des Nationaltheater Mannheim zauberten hervorragende Musik. Was da aus dem Orchestergraben ertönte, war rhythmisch fein differenziert, sehr gut ausbalanciert und wunderbar vielfältig in seinen klanglichen Farbschattierungen. Ettinger scheute sich nicht vor Kontrasten und so wechselten Kantilenen zu stampfender Perkussion und spitze Bläserakkorde platzten in satte Streicherklänge. „Vitalität, Energie, Bewegung“ hatte Prokofjew sich gewünscht, die Mannheimer Musiker setzten dies um. In den Vokalstimmen herrscht der Deklamationsstil vor, hier sind Textverständlichkeit, eine flexible Stimme und schauspielerisches Talent gefragt. Sung Ha besaß den nötigen kraftvollen Baß, um sich als König Autorität zu verschaffen. Szabolcs Brickner zeigte sein darstellerisches wie stimmliches Vermögen in der ersten „Arie“, die nur aus Schmerzensschreien besteht. Sicher meisterte er auch im Verlauf die rhythmisch und melodisch schwierige Partie. Das Terzett der Verschwörer erklang perfekt intoniert von Evelyn Krahe (Clarice), Heike Wessels als Fata Morgana und Karsten Mewes als Leander. Nur Krahes Altstimme hatte einen so warmen und runden Ton, daß man ihr die Bösartigkeit nicht recht abnehmen wollte. Glockenhell und klar zauberte Eunju Kwon gleich mit ihren ersten Tönen einen kurzen Moment des Innehaltens in das sonst so grotesk-vitale Klangspiel. Ebendieses verkörperte Uwe Eikötter als Truffaldino, der seinem Tenor die für den Spaßmacher nötigen aggressiven Spitzen verpaßte. Aber auch die verzweifelten Töne lagen ihm, wie sein Monolog vor dem Aufschneiden der Orangen bewies. Etwas blass war der Bariton von Bartosz Urbanowicz, der dafür seinen Zauberer Celio umso überzeugender schauspielerisch darstellte. Ein besonderes Lob muß den Choristen des Nationaltheaters Mannheim und dem für die Einstudierung verantwortlichen Tilman Michael ausgesprochen werden. Sie waren während der gesamten Oper auf der Bühne präsent und brachten dennoch die nötige Konzentration für ihre exakt plazierten Einsätze auf.

Fazit

Cordula Däupers Inszenierung lebte von der Idee des Puppenspiels, die das Maskenhafte und Typisierte der Oper in der Art der Commedia dell’arte akzentuierte. So entstanden wunderschöne Bilder, als etwa eine winzige Prinzessinnenpuppe der überdimensionalen Orange entstieg. Michael Pietsch, der Schau- und Puppenspieler, hatte viel zu tun und wurde mit besonders lautem Applaus belohnt. Aber auch von den musikalischen und inszenatorischen Leistungen zeigte sich das Mannheimer Publikum begeistert.

Jelena Rothermel

Bild: Christian Kleiner

Das Bild zeigt: Szabolcs Brickner (Der Prinz) re. , Uwe Eikötter (Truffaldino) li.

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