DIE CSÁRDÁS-FÜRSTIN – Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein

von Emmerich Kálmán (1882-1953), Operette in drei Akten, Libretto: Leo Stein und Béla Jensbach, UA 17.11.1915 Wien, Johann-Strauß-Theater

Regie: Joan Anton Rechi, Bühne: Alfons Flores, Kostüme: Sebastian Ellrich, Licht: Volker Weinhart, Dramaturgie: Bernhard F. Loges, Choreographie: Amelie Mertel

Dirigent: Lukas Beikircher, Orchester Düsseldorfer Symphoniker und Opernchor, Choreinstudierung: Christoph Kurig

Solisten: Peter Nikolaus Kante (Fürst von und zu Lippert-Weylersheim), Barbara Olschner (Anhilte, seine Frau), Bernhava (Sylva Varescu), Bruno Balmelli (Féri, genannt Bácsi)

Christian Bartels (General Rohnsdorff)

Tänzerinnen und Tänzer

Besuchte Aufführung: 7. Dezember 2013 (Premiere)

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Die Chansonette Sylva Varescu des Budapester Orpheum ist in den Grafensohn Edwin verliebt. Beide wollen heiraten, was aber durch den Standesunterschied unmöglich ist. Es gab mancherlei Wirren. Einmal wollte Sylvia nach Amerika, dann wieder nicht, dann wieder doch. Schließlich kam heraus, daß der Fürst von und zu Lippert-Weylersheim seine Anhilte zwar als verwitwete Gräfin geheiratet hatte, diese jedoch vorher eine berühmte Chansonette und die Geliebte von Feri gewesen war. So mußte er zähneknirschend seine Einwilligung zur Ehe seines Sohnes mit Sylva geben.

Aufführung

Ein abgedunkelter, flacher Raum mit einer Putzfrau, die den Boden mit einem Schrubber aufwischt. Später senken sich schmale Elemente ins Blickfeld der Zuschauer herunter. Es sind Treppen, worauf die Akteure hoch- und heruntersteigen, und – im zweiten Akt, der im Palast des Fürsten Lippert-Weylersheim in Wien spielt – ist die Festgesellschaft auf den Stufen nach aufwärts aufgereiht. Davor wird zum Orchestergraben ein schmaler Bühnenstreifen freigelassen, auf dem sich ebenfalls die Handlung vollzieht. Das Auf- und Abklappen der Bühnenelemente schafft Aktion und gelegentlich Abwechslung. Die Beleuchtung geschieht durch Spots aus heutiger Zeit. Die Tänzerinnen tragen schwarze, busenbetonte, luftige Kleider, manchmal mit netzartigen, langen Ärmeln. Die Tänzer treten in verschiedenen T-Shirts mit schwarzen Hosen auf. Damen wie Herren haben im Palast festliche, lange Kleider bzw. Gehröcke an. Aus welcher Zeit sie stammen, ist unbestimmt. Jedenfalls ist Edwin, die Hauptperson, im schwarzen Gehrock mit vornehmen Nadelstreifen gekleidet. Sylva tritt zunächst im Varieté-Kostüm auf, später in schwarzem Mantel und weißem, beinfreiem, kurzem, festlichen Kleid.

Sänger und Orchester

Die Stimmen der beiden Protagonisten Nataliya Kovalova (Sylva Varescu) und Bernhard Berchtold (Edwin) sind biegsam und mit warmem Timbre ausgestattet. Ihr Duett Ich will nur dich und Frag‘ ich dich warum grad ich, das dann in dem walzerseligen Refrain mündet: Ja Mädchen gibt es wunderfeine doch wer liebt, der sieht nur Eine wird in leichter und tänzerischer Weise ausgebreitet. In der mittleren Lage war Nataliya Kovalovas Stimmer sehr rund und tongerecht, wohingegen sie in den Höhen ihre Stimme zu sehr forcierte, was sie gar nicht nötig hatte. Doch es gibt heute eine allgemeine Tendenz, die hohen Tönen, die ohnehin ja schon laut sind, noch weiter zu betonen.

Bei diesem Duett und auch späterhin übertönte die Orchesterbegleitung erheblich die Sängerinnen und Sänger. Dies war während des ganzen Abends leider mehr oder weniger der Fall. Außerdem nahm Dirigent Lukas Beikircher die schon vom Komponisten Kálmán angegebenen breiten Tempi, z.B. Andante mit dem Zusatz „sehr langsam“ und, an anderer Stelle, „sehr breit und ausdrucksvoll“ sowie „sehr breit leidenschaftlich“ wie in diesem Duett, noch viel breiter und langsamer, so daß die Musik öfter gleichsam stillstand. Auf diese Weise konnte kaum eine rechte operettenselige Stimmung aufkommen, zumal auch die schnelleren Stellen so manches Mal überhastet wurden. Aïsha Tümmler (Stasi) hatte die feinste Stimme. Ihr lyrischer Sopran war eine wahre Wonne. Peter Nikolaus Kante (Fürst von und zu Lippert-Weylersheim), Cornel Frey (Graf Boni Káncsiánu) und Bruno Balmelli (Feri) entsprachen in Aktion und Stimme ihren Rollen, wobei Bruno Balmelli mit seiner klaren Tenorstimme deutlich den Ton angab. Die im ersten Akt auftretenden Tänzerinnen und Tänzer gaben dem Geschehen ihre elegante Würze, zumal sie mit vielen weißen Boas andeuteten, wo wir uns befanden, nämlich im Orpheum in Budapest, vergleichbar etwa den noch existierenden Folies Bergère in Paris, die ja ab 1869 eine Varietéform, was man Grand spectacle nannte, kreierte. Hier traten so berühmte Chansonsänger auf wie Maurice Chevalier, Jean Gabin, Joséphine Baker, der Clown Grock oder Charlie Chaplin.

Fazit

Das Orchester, das – wie oben bemerkt – keine echte Operettenstimmung aufkommen ließ, wurde ergänzt durch eine Regie, die an Steifheit nicht zu überbieten war. Der war es wohl auch zu verdanken, daß man schon zu Beginn der Operette ein wenig konsterniert dem ungelenken und oft erlahmenden Treiben der Sängerinnen und Sänger beim Abschiedsfest von Sylva, die zu einer Tournee nach Amerika aufbrechen wollte, verstört zuschaute. Manchmal tanzten sogar Stasi und Féri Bácsi ohne Musik (!) einen langsamen Walzer (2. Akt). Das Publikum bemerkte das wohl und applaudierte mezzoforte.

Dr. Olaf Zenner

Bild: Hans Jörg Michel

Das Bild zeigt: Nataliya Kovalova (Sylva Varescu), Bruno Balmelli (Féri Bácsi), Bernhard Berchtold (Edwin), Chor, Tänzerinnen und Tänzer

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