IL TRITTICO – DAS TRIPTYCHON – Köln, Oper

Il Tabarro – Der Mantel, Suor (Schwester) Angelica, Gianni Schicchi

von Giacomo Puccini (1858-1924), drei Einakter, Libretto Der Mantel: Giuseppe Adami nach dem Schauspiel La Houppelande (1910) von Didier Gold, Libretti: Suor Angelica und Gianni Schicchi: Giovacchino Forzano, Gianni Schicchi nach Inferno (Göttlichen Komödie)  von Dante Alighieri.

Regie: Sabine Hartmannshenn (IL Tabarrao),  Eva-Maria Höckmayr (Suor Angelica), Gabriele Rech (Gianni Schicchi), Bühne: Dieter Richter, Kostüme Susana Mendoza/Julia Rösler/Sandra Meurer, Licht: Nicol Hungsberg, Dramaturgie: Michael Dißmeier

Dirigent: Will Humburg, Gürzenich-Orchester, Chor der Oper, Choreinstudierung: Andrew Ollivant

Der Mantel: Scott Hendricks (Michele), Asmik Grigorian (Giorgetta), Héctor Sandoval (Luigi),  Dalia Schaechter (Frugola) u.a.

Schwester Angelica: Jacquelyn Wagner (Schwester Angelica), Dalia Schaechter (Die Fürstin) u.a.

Gianni Schicchi: Scott Hendricks (Gianni Schicchi), Gloria Rehm (Lauretta), Dalia Schaechter (Zita), Jeongki Cho (Rinuccio) u.a.

Besuchte Aufführung: 9. Mai 2013 (Premiere)

Kurzinhalt

Il Tabarro – Der Mantel

Paris Anfang des 20. Jahrhunderts. Ein Schiff auf der Seine wird entladen. Der Kapitän beaufsichtigt die Arbeit. Er ist niedergeschlagen, da er bemerkt, daß seine Frau Giorgetta ihn nicht mehr liebt. Er wird am Abend gewahr, daß Luigi, einer seiner Matrosen, ein Verhältnis mit seiner Frau hat. In der Annahme, er schliefe, treffen sich die beiden des Nachts auf dem Schiff. Doch Michele lauert Luigi auf und ersticht ihn. Sodann zeigt er den Leichnam Giorgetta.

Suor (Schwester) Angelica

In einem Frauenkloster im 17. Jahrhundert. Angelica hatte ein uneheliches Kind bekommen und war aus Sühne und auch auf Anordnung ihrer Familie Nonne geworden. Sehnsüchtig wartet sie auf eine Nachricht von ihren Sohn. Nach sieben Jahren erscheint ihre Tante im Kloster und fordert von ihr, Schriftstücke wegen des Aufteilens des Familienbesitzes zu unterschreiben. Sie erfährt, daß ihr Sohn an einer schweren Krankheit gestorben ist. Auf den Tod traurig, trinkt sie Gift. Kurz vor ihrem Tod erkennt sie die Sünde des Selbstmords. Sie fleht die Madonna an, die das Wunder vollbringt, ihr ihren Sohn zuzuführen.

Gianni Schicchi

Florenz im Jahr 1299. Im Haus von Buoso Donati sitzen die Verwandten trauernd um den Toten. Man munkelt, daß Buoso seine reiche Erbschaft dem Kloster hinterlassen habe. Als sie das Testament finden, bestätigt sich die schlimme Ahnung. Sie sinnen auf einen Ausweg und holen Gianni Schicchi, der ihnen helfen soll. Nach einigem Nachdenken legt sich Schicchi anstelle des Toten ins Bett. Ein Notar wird herbeigerufen, dem der falsche Buoso ein Testament zugunsten Schicchis diktiert. Die Verwandten sind wütend, werden nun aber von Gianni Schicchi aus seinem neu ererbten Haus hinausgeschworfen. Sein Tochter Laurette kann nun mit der neuerworbenen Mitgift ihren Rinuccio heiraten.

Aufführung

Bei Il Tabarro ist die Bühne in zwei Ebenen unterteilt. Die obere stellt das Oberdeck des Seine-Schiffs dar, mit zwei Türen rechts und links. Vom Wasser der Seine ist nichts zu sehen. In der Mitte des Oberdecks gibt es eine Tür. Dahinter wird eine Treppe sichtbar, die in die unteren Kabinen hinabführt. Auf dieser Treppe schleppen die Matrosen schwere Säcke herauf und bringen sie ans Land. Der hintere Teil der Bühne wird von einem weiß-nebeligen Himmel abgeschlossen.

Giorgetta ist in ein blau-rot geblümtes, halblanges Kleid mit kleinen Puffärmeln gekleidet, die Füße stecken in roten Schuhen mit erhöhtem Absatz. Der Anzug von Michele ist schwarz. Luigi trägt Blue-Jeans und ein blau gekringeltes Hemd. Die Kleidung der übrigen Personen ist ärmlich und durchweg bunt. Am Anfang ist Michele in einen übergroßen schwarzen Mantel gehüllt. Am Ende wird der tote Luigi mit diesem Mantel zugedeckt.

 

Bei Suor Angelica gibt es drei Ebenen. Die untere stellt wohl die Strafkammer der Nonnen dar. Die dort sich aufhaltenden Nonnen zeigen sich in rotem Ordenskleid mit halblangem Rock und Stöckelschuhen.  Auf der obersten Ebene versammeln sich die Nonnen wohl vor dem Eingang zur Kirche, die aber nicht gezeigt wird. Auf der mittleren Ebene spielt sich die Handlung ab. Hier laufen nacheinander ein Kind, weißgekleidet mit schwarzen Stümpfen, eine Schwangere in rotem kurzem Rock etc. und auch Nonnen mit rotem Talar vorüber. Die Fürstin (Angelicas Tante) ist in ein blaues Kleid mit weißem, rundem Kragen gekleidet. Die Nonnen tragen ihr schwarzes Ordenskleid wie auch Angelica, diese trägt jedoch keinen Kopfschleier. Die Äbtissin zeigt sich mit langem, kostbarem Talar und hochaufragendem Strahlenkranz.

 

An einem langen, weißgedeckten Tisch sitzen die Personen der Handlung bei Gianni Schicchi. In der Mitte der noch nicht tote Erblasser, der aber sogleich nach Opernbeginn stirbt und ins Bett auf der linken Bühnenseite verfrachtet wird. Die Gesellschaft ist bunt und auch ärmlich gekleidet. Später erscheint Lauretta in engem dunklen Lederkleid mit ledernen Halbstiefeln. Ihr Vater Gianni Schicchi trägt einen Anzug mit großen Karos, vielleicht ein Hugo Boss? Zum Opernende liegt Gianni in weißem Hemd im Bett.

Sänger und Orchester

Will Humburg leitet umsichtig das rhythmisch und dynamisch gut aufgelegte Gürzenichorchester. Auch gelingt es dem Dirigenten, die ruhigen und heftigen Kontraste gut gegeneinander abzusetzen, ohne dabei die Sänger zu übertönen.

In Il Tabarro kann Asmik Grigorian (Giorgetta) mit ihrem lyrischen Sopran die Partie der braven Ehefrau wie der leidenschaftlichen Geliebten darstellen, was ihr besonders in den Duetten gelingt. Darin steht ihr Héctor Sandoval (Luigi) kaum nach. Scott Hendricks (Michele) Baßstimme ist sehr flexibel: Seine Trauer um die verlorene Liebe von Giorgetta und seine wilde Eifersucht meistert er mit großer Bravour.

Die beiden Hauptfiguren von Suor Angelica, als Fürstin Dalia Schaechter, als Schwester Angelica Jacquelyn Wagner, zeigen sowohl in Gesang und Darstellung eine große Leistung, die vom Publikum auch mit Recht gewürdigt wird.

Bei Gianni Schicchi sind besonders Scott Hendricks (Gianni Schicchi) und Jeongki Cho als liebender Rinuccio hervorzuheben. Gloria Rehm als Schicchis anhängliche Tochter Lauretta zeigt in ihrer Arie O mio babbino caro – o mein liebes Papachen (reinste Puccinische Lyrik) jenen reizenden Schmelz, der hierbei so nötig ist. Ihr klangschöner Sopran läßt das hohe zweigestrichene „A“ blendend erstrahlen, aber in ihrer Mittellage verschwindet die Stimme fast im Orchester. Doch die geforderte Naivität dieser Arie (Puccini schreibt Andante ingenuo – naiv) trifft Gloria Rehm jedenfalls musikalisch ungemein genau!

Fazit

Man bemerkt regiehandwerkliches Können! Doch warum wird Luigi von Giorgetta statt – wie vorgeschrieben – von Michele erstochen? Und warum bebildert Eva-Maria Höckmayr die Erinnerungen von Schwester Angelica (Kindheit, Schwangerschaft etc.) mit Zusatzpersonen, die alle mehr oder weniger wahllos über die Bühne daherkommen? Zutrauen zur Phantasie der Zuschauer scheint ihr zu fehlen. Sie stülpt dieser überaus zarten Oper (einmalig bei Puccini) damit banale Äußerlichkeiten über. Und auch durch dreidutzend Kreuzzeichen Angelicas werden diese Zumutungen keineswegs abgebüßt. Die Zuschauer vergelten es ihr mit lautesten Buhs. Zurück ins Lot bringt wieder die Handlungsdarstellung von Gianni Schicchi, wenn auch da die Unbeschwertheit einer Commedia dell’arte sich nicht einstellen will.

Dr. Olaf Zenner

 

Bilder: Bernd Uhlig

Die Bilder zeigen:

Der Mantel: tanzend: Giorgetta (Asmik Grigorian) und  Tinca (John Heuzenroeder), ganz rechts: Luigi (Héctor Sandoval), unten:  Dalia Schaechter (Frugola)

Suor Angelica: Ensemble, ganz rechts: Jacquelyn Wagner (Schwester Angelica)

Gianni Schicchi: Neben Oratio Romano (Buoso Donati, der Erblasser ) re: Dalia Schaechter (Zita) li: Simone (Ulrich Hielscher) und weiter li: Rinuccio (Jeongki Cho)

 

Veröffentlicht unter Köln, Bühnen der Stadt, Opern
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