DAS SCHLAUE FÜCHSLEIN – Wuppertal, Opernhaus

von Leoš Janáček (1854-1928), Oper in drei Akten, Libretto: der Komponist, nach der Novelle von von Rudolf Těsnohlídek in der deutschen Übersetzung von Peter Brenner

UA: 6. November 1924 Brünn, Nationaltheater

Regie: Aurelia Eggers, Bühne: Stephan Mannteuffel, Kostüme: Veronika Lindner, Licht: Henning Priemer, Dramaturgie: Ulrike Olbrich

Dirigent: Hilary Griffiths, Sinfonieorchester Wuppertal, Opern- und Kinderchor der Wuppertaler Bühnen, Choreinstudierung: Jens Bingert

Solisten: Dorothea Brandt (Füchslein Schlaukopf), Joslyn Rechter (Fuchs), Derrick Ballard (Förster), Michaela Mehring (Försterin/Eule), Boris Leisenheimer (Schulmeister/Dackel), Ulrich Hielscher (Pfarrer/Dachs), Olaf Haye (Haraschta) u.a.

Besuchte Aufführung: 12. Mai 2012 (Premiere)

Kurzinhalt

Das junge Füchslein Schlaukopf wird von einem Förster gefangen genommen, schafft es jedoch, sich zu befreien und in den Wald zurückzukehren. Hier vertreibt sie den Dachs aus seinem Bau und heiratet einen Fuchs. Mit diesem gründet sie eine Familie und läßt die Kinder an ihren Erfahrungen teilhaben. Doch das Leben von Füchslein Schlaukopf findet ein jähes Ende durch die Waffe des Wilderers. Parallel zu diesem steten Kampf um Freiheit und Unabhängigkeit kämpfen die Menschen gegen ihre alltäglichen Probleme: Während etwa die Försterin von den Flöhen des Füchslein geplagt ist, schwärmen der Förster, der Lehrer und der Pfarrer für die unnahbare Terynka. Diese entscheidet sich jedoch für den Wilderer. Am Ende kehrt der Förster alt geworden in den Wald zurück, erkennt den ewigen Kreislauf der Natur und schläft von dieser Erkenntnis beseelt ein.

Aufführung

Die Grundkonzeption der Bühne bleibt im Verlauf der Oper gleich: Der Mittelpunkt der Bühne wird von einem mehrstufigen Halbkreis eingenommen, in dem die Naturszenen spielen. Im Hintergrund erheben sich die Ruinen der Burg aus Janáčeks Heimatdorf Hukvaldy. Angereichert wird diese Atmosphäre etwa durch fliegende Tier-Tänzerinnen.

Im vorderen Teil befinden sich am linken und rechten Rand der Bühne zwei Ausschnitte aus altertümlichen Theaterrängen. Mit einer Wand kann dieser Bereich vom hinteren Teil abgetrennt werden, wenn das Schicksal der Menschen im Mittelpunkt der Handlung steht.

Die Kostüme der Menschen sind schlichte Anzüge oder Mäntel. So heben sie sich stark ab von den Tieren: Während etwa der Hahn und die Henne in den grell-opulenten Kostümen einer Revuetruppe die Bühne betreten, sind die Füchse in jungem Alter mit geschlechtsneutralen Ganzkörperpullovern mit Kapuze zu sehen. Im Verlauf des zweiten Aktes tritt dann eine Wandlung, entsprechend ihrer Reifung ein, z.B. bei Füchslein Schlaukopf der ein Frauenkleid anzieht.

Sänger und Orchester

Das Sinfonieorchester Wuppertal zeigt vielseitige Fähigkeiten und präsentiert so verschiedene Facetten der Partitur. Unter der Leitung von Hilary Griffiths erklingt zunächst ein Orchester, das jeden breiten, romantischen Natur-Stereotypklang vermeidet: Sehr gefallen die Wechsel zwischen Streicher- und Flötenpassagen im ersten Akt, die zwar fragil und dünn klingen, aber nie gefährdet sind. An den Szenenenden, etwa bei der Verwandlung am Ende des ersten Akts, erklingt ein runder Gesamtklang, aus dem keine Instrumentengruppe heraussticht. Lediglich im dritten Akt bleiben die Blechbläser ein wenig stehen und lassen eine größere lineare Entwicklung vermissen.

Derrick Ballard (Förster) überzeugt mit fokussiert geführter Stimme, wobei das Klangvolumen nicht darunter leidet. Auch seine deutliche Textaussprache weiß zu gefallen. Hier liegt zunächst auch die große Stärke von Dorothea Brandt (Füchslein Schlaukopf), die ihre Partie deklamatorisch gestaltet, ohne dabei die Linienführung zu vernachlässigen. Ihre Fähigkeiten in diesem Bereich kommen dann vor allem im zweiten Akt zum Vorschein, wenn sie diese etwa bei ihrer lyrischen Passage Ich seh doch ganz gut aus zeigen kann. Auch Ulrich Hielscher (Pfarrer/Dachs) gehört zu den positiven Sängererscheinungen des Abends, seine Klanggewalt verleiht der Rolle des Pfarrers sichere Autorität. Besonders gefällt dabei, daß er in der Lage ist, diese Stimmvolumen kontrolliert zu führen, so daß er in der Tiefe nicht in ein Poltern verfällt. Leider sind nicht alle Rollen so zufrieden stellend besetzt: Boris Leisenheimer (Schulmeister/Dackel) ist vor allem im zweiten Akt in der Höhe zu bemüht, im dritten Akt wird seine Mittellage ein wenig dünn, um gegen das Orchester zu bestehen. Olaf Haye (Haraschta) kann zwar mit großen Melodielinien in seiner Auftrittsromanze überzeugen, danach gerät ihm jedoch die Stimmführung zu breit und im Ansatz zu weit hinten, so daß man sich ein wenig mehr Fokussierung der Stimme gewünscht hätte.

Fazit

Eine stimmige und kurzweilige Inszenierung sowie eine insgesamt zufriedenstellende musikalische Leistung wird von dem Premierenpublikum mit Applaus honoriert.

Malte Wasem

Bild: Uwe Stratmann

Das Bild zeigt: Fuchs (Joslyn Rechter), Füchsin Schlaukopf (Dorothea Brandt) und das Ensemble

 

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