DER SCHAUSPIELDIREKTOR – Griebenow bei Greifswald, Opernale 2011

von Wolfgang Amadé Mozart (1756 – 1791), Komödie mit Musik in einem Akt, Libretto: Johann Gottlieb Stephanie der Jüngere, UA: Wien 1786

Regie:: Henriette Sehmsdorf, Bühne: Tom Hornig, Kostüme: Angelika Bretzke, Maske: Sophia Mey, Projektleitung: Hans-Henning Bär, Henriette Sehmsdorf

Dirigent: Kiril Stankow, Projektorchester der Opernale, musikalische Einrichtung: Lea Fink, Einstudierung: Clemens Flick, Kerstin Simon, David Grant

Solisten: Matthias Nagatis (Frank), Thomas Lettow (Buff), Dirk Dreissen (Eiler), Susanne Rögner (Madame Pfeil), Christiane Schulz (Madame Krone), Christoph Kayser (Monsieur Vogelsang), Anke Retzlaff (Madame Vogelsang), Sijia Lu (Madame Herz), Minyoung Catharina Lee (Mademoiselle Silberklang)

Besuchte Aufführung: 10. Juli 2011

Kurzinhalt

Der Schauspieldirektor Frank und sein Gehilfe Buff haben Erlaubnis erhalten, eine neue Theatertruppe zusammenzustellen. Die Nachricht spricht sich wie ein Lauffeuer unter Schauspielern und Sängern herum. Nach und nach treffen sie ein, sprechen und singen vor und bitten Frank um ein Engagement. Er verspricht alle zu engagieren, wobei die zugesagte Gage höher und höher wird. Zuletzt kommt es zum Eklat, weil die beiden Sängerinnen sich um die Stellung der Primadonna streiten. Frank resigniert und gesteht, ohnehin nichts zahlen zu können. Als sich gerade alle Bewerber einig geworden sind ohne Bezahlung nur um der Ehre Willen trotzdem zu spielen, erreicht sie die Nachricht, daß Franks Konkurrent ebenfalls eine Truppe zusammenstellt, und sie eilen davon.

Aufführung

Die Aufführung findet im freien vor dem Schloß in Griebenow statt. Die Freitreppe und die Fassade des Schlosses bilden das Bühnenbild. Auch der Platz vor der Freitreppe wird genutzt. Direkt vor den Sitzreihen für das Publikum stehen Stühle, von denen aus Frank und Buff das Geschehen verfolgen. Das reduzierte Orchester ist unterhalb der Freitreppe untergebracht. Die Kostüme sind im Theaterstil des 18. Jahrhunderts gehalten mit allen für Komödienaufführungen dieser Zeit typischen überspitzten und phantastischen Elementen. Dazu gesellt sich immer wieder auch moderne Technik, wie ein Mobiltelefon oder ein Auto. Die sprechenden Namen der Figuren spiegeln sich in ihren farbenfrohen Kostümen – so ist z. B. das Kleid von Madame Herz ganz und gar rot und Herzförmig. Für Auf- und Abtritte der Figuren werden teilweise die Anfahrtswege zum Schloß genutzt, mit verschiedenen Fahrzeugen: Eiler und Madame Pfeil fahren in einem Oldtimer vor, Madame Vogelsang im Anhänger eines Traktors und Mademoiselle Silberklang in einer Pferdekutsche. Mit Hilfe einer Umfrage zur Vergabe eines Publikumspreises wird eine Parallele zu heutigen Castingshows hergestellt. Eingebunden ist die gesamte Aufführung in ein umfassendes Rahmenprogramm mit barockem Picknick im Schloßpark, Führungen, Kutschfahrten, einer Einführung für Kinder und weiterem Unterhaltungsprogramm.

Sänger und Orchester

Die musikalischen Einlagen in der Komödie sind nicht besonders zahlreich. In dieser Inszenierung werden zwei weitere Arien Mozarts eingefügt, die im Stück ursprünglich nicht vorgesehen sind: Eine Tenorarie aus Così fan tutte und die Arie der Königin der Nacht aus der Zauberflöte (instrumental vorgetragen). Gesungen wird nur von denen, die Sängerrollen spielen, wenn sie sich bewerben. Christoph Keyser (Monsieur Vogelsang) stellt einen hypochonderen Tenor dar und unterbricht seine Arie deshalb mehrfach durch Husten und Räuspern. Dazwischen erklingt seine angenehme, weich lyrische Tenorstimme. Mit klarem beweglichem Sopran trägt Sijia Lu (Madame Herz) ihren Part vor; man hätte sich für ihre Rolle eventuell etwas mehr Tiefe und Wärme in der Stimme gewünscht. Unter den Sängern besonders herausragen kann Minyoung Catharina Lee (Mademoiselle Silberklang) mit gekonnten klangvollen Koloraturen, die sie wunderbar übertrieben ausgestaltet, so wie es ihre Rolle erfordert. Thomas Lettow (Buff) hat ausschließlich im Schlußensemble etwas zu singen, nachdem er das ganze Stück hindurch eine umfangreiche Sprechrolle zu bewältigen hatte; seine sängerische Leistung kann demnach kaum angemessen bewertet werden. Schauspielerisch ist er ebenso überzeugend wie das ganze Ensemble.

Das reduzierte Orchester, von dem nach Lea Finks Bearbeitung nur noch ein kleines Kammerensemble von neun Musikern bleibt, wird den musikalischen Ansprüchen des Stückes vollauf gerecht. Dank einer sehr gut austarierten Verstärkeranlage ist die Balance ausgezeichnet. Die größte Schwierigkeit besteht für die Musiker in der Überbrückung der Wartezeiten, wenn während langer Dialoge keine Musik erklingt – gerade im Freien ist die Intonation in solchen Fällen äußerst gefährdet. Dieses Problem wurde jedoch bewältigt, ohne größeren Anstoß zu erwecken.

Fazit

Eine gänzlich gelungene Aufführung mit viel Spaß für Jung und Alt – die Opernale zeigt zwar keine eigentliche Oper, bietet aber ein abend- bzw. nachmittagsfüllendes Programm für die ganze Familie.

Anna-Juliane Peetz-Ullman

Bild: Vincent Leifer

Das Bild zeigt: Schauspieldirektor Frank (Matthias Nagatis) umrankt von den Sängerinnen und Aktricen,  links im Bild: Monsieur Vogelsang (Christoph Kayser)

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