DIE ZAUBERFLÖTE – Mannheim, Nationaltheater

von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Eine deutsche Oper in zwei Aufzügen, Libretto: Emanuel Schikaneder, UA: 30. September 1791 in Wien

Regie: Joachim Schlömer, Bühne: Jens Kilian, Kostüme: Dagmar Morell, Licht: Markus Bönzli

Dirigent: Dan Ettinger, Orchester, Chor und Statisterie des Nationaltheater Mannheim Choreinstudierung: Anke-Christine Kober

Solisten: Pavel Shmulevich (Sarastro), Juhan Tralla (Tamino), Thomas Berau (Sprecher / Erster Priester), David Lee (Zweiter Priester), Antje Bitterlich (Königin der Nacht), Marina Ivanova (Pamina), Iris Kupke (Erste Dame), Anna-Theresa Møller (Zweite Dame), Heike Wessels (Dritte Dame), Julius Lehmann (Erste Knabe), Tristan Busbach (Zweiter Knabe), Dritter Knabe (Maximilian Mader), Papageno (Lars Møller), Camille Butcher (Papagena), Uwe Eikötter (Monostatos), István Kovácsházi (Erster geharnischter Mann), Mihail Mihaylov (Zweiter geharnischter Mann)

Besuchte Aufführung: 13. Juli 2011 (B-Premiere)

Kurzinhalt

Prinz Tamino fällt aus Angst vor einer Schlange in Ohnmacht. Drei Damen erretten ihn und töten das Ungeheuer. Die Königin der Nacht hört von dem Jüngling und bittet diesen, ihre Tochter Pamina aus den Fängen des Sonnenkönigs Sarastro zu befreien. Zum Begleiter wird ihm der Vogelfänger Papageno bestimmt, ein Naturbursche par excellence. Die beiden haben viele Prüfungen und Gefahren zu bestehen. So muß unter anderem der böse Mohr Monostatos, ein schwarzer Fleck in Sarastros Sonnensystem, aus dem Weg geschafft werden. Aus Liebe zu Pamina schlägt sich der Prinz überraschend tapfer, während Papageno sich mit leckeren Speisen und Wein zufrieden gibt. Doch auch Papageno wird belohnt und erhält sein langersehntes Weibchen. Nachdem Pamina und Tamino eine letzte Prüfung gemeinsam bestanden haben, siegt nicht nur die Liebe: Sarastro vernichtet die Königin samt ihren drei Damen; es siegt das Licht über das Dunkel, Gut über Böse und – der Mann über die Frau.

Aufführung

Fluchtartig und steil streben vier Rahmenseiten nach innen, zwei dicke Baumstämme stützen die Szenerie. Die drei Damen buhlen abwechselnd um den bewußtlosen Prinzen. Wo diese anfangs als undifferenzierte Heldinnen erscheinen, wird jede einzelne kurz darauf zur individuellen Verliebten. Papageno ist ein Vogelfänger aus dem Bilderbuch, in Federn gehüllt und leeren Käfigen auf dem Rücken. Von allen Protagonisten macht er die größte emotionalen Wandlungen durch: Es handelt sich nicht nur um einen ledigen Spaßvogel, sondern um einen vom Regisseur ernstgenommenen Menschen mit tiefen Gefühlen. Er verschwindet zwar zum Spaghetti-„Fressen“ in einem überdimensionalen Kochtopf, als Pamina in ihrer Arie zu den Worten So wird Ruh’ im Tode sein kommt, bleibt ihm tiefbetroffen jeder Bissen im Halse stecken. Einfühlsamer kann Regie kaum sein! Die Königin der Nacht scheint bei ihrem ersten Auftritt in ein schwarz-blaues Gewand gehüllt. Wenn sie sich in ihrer Arie als Rachegöttin entpuppt, weitet sich ihr blaues Kleid eindrucksvoll zu einem die Bühne verhüllenden, wogenden Meer aus Stoff.

Sänger und Orchester

Dan Ettinger hat seit La Clemenza di Tito im letzten Sommer seinen Mozart-Stil grundlegend überdacht. Die Tempi sind stabiler, die Dynamik hat dabei nichts von ihrer Ausdifferenzierung eingebüßt. Leider scheint zwischen Orchester und Ensemble noch ein tiefer Graben zu sein. Das Zusammenspiel holpert, findet aber immer wieder zueinander. Juhan Tralla ist kein guter Tamino. Er zieht alle Belcanto-Register, besonders in der Bildnis-Arie mit allerlei schluchzenden Phrasierungen. Auch seine Aussprache zeigt noch Schwächen, ebenso die Textsicherheit. Iris Kupke, Anne- Theresa Møller, Heike Wessels (Die drei Damen) dagegen bilden dank einem abgerundeten Gesamtklang eine geschlossene Einheit. Zwar haben Julius Lehmann, Tristan Bosbach, Maximilian Mader (Die drei Knaben) mit kleinen Intonationsproblemen zu kämpfen, singen sich im Ganzen jedoch großartig durch ihre Auftritte. Wahrlich sternflammend war die Darbietung Antje Bitterlichs als Königin der Nacht. Anfangs merkt man ihr die große Nervosität an, allerdings völlig unbegründet. Der Klang ihrer glasklaren Stimme kennt kein raumfüllendes Fortissimo, sie rauscht aber ohne große Zwischenfälle durch alle Höhen ihrer Partie. Marina Ivanova ist das Bindeglied dieses Abends. Als Pamina wechselt sie am häufigsten ihre Gesangspartner. Mit bewundernswerter Anpassungsfähigkeit gestaltet sie im Duett mit Lars Møller (Papageno) liebevolle Melodielinien, in Taminos Nähe reagiert sie schnell und nutzt ihr volles Stimmvolumen.

Fazit

Schade, daß die Besetzung, wohl aus Gründen einer übermäßigen Fokussierung auf die A-Premiere, noch nicht zueinander gefunden hat. Joachim Schlömer ist es gelungen, Körperlichkeit und Musikalität eng mit einander zu verbinden. Die Regie hinterfragt auch die Schwachstellen des Werkes. Vor dem ersten Finale läßt Papageno verlauten: Drei Knaben hätten uns leiten sollen, aber wir haben keine gesehen. Ein Anachronismus, der zum Nachdenken anregt. Ein philosophisches Bühnenbild rundet den Abend ab und der Applaus ließ nichts zu wünschen übrig.

Daniel Rilling

Bild: Hans Jörg Michel

Das Bild zeigt: Iris Kupke (Erste Dame), Anna-Theresa Møller (Zweite Dame), Heike Wessels (Dritte Dame) und Juhan Tralla (Tamino)

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