Oper Leipzig – DIE BEIDEN GEIZIGEN

von André-Ernest-Modeste Grétry (1741-1813), Komische Oper in zwei Akten, Text von Charles-Georges Fenouillot de Falbaire de Quingey; Deutsche Dialoge von Igor Folwill
UA: 27. Oktober 1770, Schloßtheater Fontainebleau
Regie: Igor Folwill, Bühnenbild: Manfred Kaderk
Dirigent: Werner Ehrhardt, Orchester der Musikalischen Komödie Leipzig, Herrenchor Einstudierung: Wolfgang Horn, Volker Krafft
Solisten: Dan Karlström (Gripon, erster Geiziger), Miljenko Turk (Martin, zweiter Geizige), Henriette, Heike Porstein (Gripons Nichte), Raphael Pauß (Jérôme, Martins Neffe), Sandra Danyella (Madelon, Dienerin), Andreas David (Ali, erster Janitschar)

Besuchte Aufführung: 10. November 2007 (Premiere: 29. September 2007)

Inhalt
die-bieden-geizigen.jpgDie witzig-simple, vorhersagbare Handlung läßt den geneigten Betrachter doch eher in Richtung Operette denken. Das lustige Stück Les deux Avares eröffnet einen Zyklus Opéra comique der Musikalischen Komödie Leipzig.
Auf der Flucht vor der Steuerfahndung haben die beiden Geizkragen Gripon und Martin in Smyrna Asyl gefunden. Unglücklicherweise verlieben sich Gripons Nichte Henriette und Martins Neffe Jérôme – eine Heirat zwischen den beiden würde nämlich bedeuten, daß die bösen Onkels die von ihnen verwalteten Erbschaften der Waisen an letztere abtreten müßten. Um diese Hochzeit zu verhindern erwägt Martin sogar, seinen Neffen für geistesgestört erklären zu lassen – bei den heutigen Scheidungsgesetzen sicher bedenkenswert, aber in Smyrna…? Gripon und Martin verbünden sich trotz gegenseitiger Abneigung, um gemeinsam das Grab eines unlängst verstorbenen und angeblich mit großen Reichtümern bestatteten Würdenträgers auszuplündern. Das geht natürlich schief, sie schließen sich bei diesem Versuch selbst ein und die beiden Heiratswilligen befreien sie aus ihrer fatalen Lage nur, nachdem die geizigen Onkel geschworen haben, der Verbindung nicht länger im Wege zu stehen.
Die Aufführung
Endlich mal wieder ein Bühnenbild, das man sich ohne Verrenkung der Augenmuskeln anschauen kann. Liebevoll-naiv inszeniert von Igor Folwill im Bühnenbild von Manfred Kaderk. Geldstücke bilden sinnigerweise die Mauern der Häuser der beiden Geizkragen und ein Teppich sorgt für orientalische Atmosphäre. Ein paar lehrreiche Sprüche sollte man sich merken: Glücklich ist, wer sein Geld hinter Schloß und Riegel hat und So recht von Herzen hundsgemein, das können nur Verwandte sein!
Dirigent und Sänger
Unter der fröhlich-schwungvollen Leitung von Walter Ehrhardt erklingt Mozart…weit gefehlt: das ist Grétry, ein Vorläufer Mozarts, der letzteren durchaus inspiriert hat. Die sängerische Siegespalme des Abends geht sogleich an Raphael Pauß als flotter Neffe Jérôme. Ein ausdrucksstarker, strahlender Tenor mit schöner, kräftiger Stimme, gut aussehend dazu, was will man mehr? Praktisch ebenbürtige Partnerin war ihm Heike Porstein als stimmschöne Henriette. Dan Karlström als Geiziger No.1 und Miljenko Turk als zweiter Geizkragen ließen auch keine Wünsche offen. Sandra Danyella als Dienerin Madelon, die natürlich hinterrücks gegen ihren Dienstherren zugunsten des jungen Paares intrigierte, rundete das erfreuliche Sängerensemble bestens ab. Andreas David als erster Janitschar führte seine Mannen dienstlich zur Weinvernichtung beschlagnahmter Schmugglereien – das Resultat kann man sich denken.
Der Schlußchor ertönte im wahrsten Tutti, denn alle, auch das Publikum, durften unter Leitung von Maestro Ehrhardt mitsingen: Auf das ewig Komödien erklingen an diesem so schönen Haus!

Rüdiger Ehlert                                                             Bild: Andreas Birkigt

Veröffentlicht unter Leipzig, Oper

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