Nürnberg, Staatstheater – DIE ZAUBERFLÖTE

von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791), Deutsche Oper in zwei Aufzügen, Libretto von Emanuel Schikaneder, UA: 1791, Wien.
Regie/Choreographie: Laura Scozzi, Video: Stephane Broc
Dirigent: Christof Prick, Nürnberger Philharmoniker, Chor und Tanzensemble des Staatstheaters Nürnberg
Solisten: Guido Jentjens (Sarastro), Tilman Lichdi (Tamino), Kurt Schober (Sprecher / 1. Priester), Kalle Kantilla (2. Priester / 1. Geharnischter), Hrachuhi Bassenz (Königin der Nacht), Heidi Elisabeth Meier (Pamina), Melih Tepretmez (Papageno), Melanie Hirsch (Papagena), Richard Kindley (Monostatos) u.a.
Besuchte Aufführung: 14. November 2009 (Premiere)

Kurzinhalt
nurnberg-zauberflote.jpgDie Königin der Nacht beauftragt Prinz Tamino, ihre von Sarastro entführte Tochter Pamina zu befreien. Tamino macht sich zusammen mit dem Vogelfänger Papageno auf den Weg. Beide erhalten magische Instrumente, die sie auf der Reise beschützen sollen: Tamino eine Zauberflöte, Papageno ein Glockenspiel. In Sarastros Tempel findet Papageno Pamina und rettet sie vor Monostatos, der ihr nachstellt. Monostatos nimmt Tamino gefangen und bringt ihn zu Sarastro. Dieser schickt Tamino und Papageno in den Prüfungstempel: Sie sollen drei Prüfungen bestehen. Zusammen mit Pamina besteht Tamino mit Hilfe der Zauberflöte die Prüfungen. Dadurch werden sie in den Kreis der Eingeweihten aufgenommen. Papageno spielt sein Glockenspiel und bekommt seine Papagena. Ein Versuch der Königin der Nacht, in den Tempel einzudringen, scheitert.
Aufführung
Während des Vorspiels taucht ein Brautpaar auf, das nach dem Hochzeitsphoto in Streit gerät. Die Umbauten geschehen rasch, indem komplette Kulissen von der Seite oder von oben hineingeschoben werden. Taminos liegt in einem Zimmer im Bett und hat einen Alptraum, aus dem er von den drei Hostessen geweckt wird. Papageno führt den Damen keine Vögel sondern Freier zu. Wir befinden uns in einem Skigebiet, im dortigen Nachtklub ist die Königin der Nacht zu Hause, wo sie zu Oh zittre nicht betrunken über die Bühne wankt. Tamino verliebt sich in ein Photo aus der Zeitung. Die Flöte für Tamino ziehen die Damen aus dem Mülleimer, das Glockenspiel kommt aus einer Mc-Donalds-Menü-Tüte. Die Frage nach der Stellung der Damen in dieser Gesellschaft wird in Ein Mädchen oder Weibchen durch ein Damenballett mit Haushaltsgeräten beantwortet. Die Flucht aus Sarastros Palast, einer Skihütte in den Bergen, gelingt Papageno und Pamina auf einem Schlitten, dargestellt mit einer Videoprojektion. Sarastro fährt im Zug vor, ihn begrüßen Volk, Blaskapelle und Tambourmajor. Sarastro ähnelt einem linkischen James-Bond-Bösewicht. Es gibt rasante Verfolgungen im Skilift oder im Hubschrauber. Nach einer Verfolgungsjagd im Hundeschlitten versöhnen sich Königin und Sarastro. Der Weisheit letzter Schluß ist eine Verlobungs-Grillparty, bevor es mit dem Flugzeug auf Hochzeitsreise geht.
Sänger und Orchester
Zwar ist Melih Tepretmez (Papageno) ein technisch brillanter Spielbariton, aber Farbe und Ausdruck fehlen und die Spielfreude bleibt auf der Strecke. Anders der Publikumsliebling Guido Jentjens als Sarastro mit großer Ausdruckskraft, auch wenn er in der Tiefe nicht immer zu befriedigen vermag. Gefeiert wurde Tamino Tilman Lichdi und Heidi E. Meier als Pamina dank technisch glänzender Koloraturen und einrucksvoller Differenzierung zwischen forte und piano. Dagegen fielen Hrachuhi Bassenz als Königin der Nacht und Richard Kindley als Monostatos ab. Sie ist ein solider dramatischer Sopran, wobei sie jedoch mit Der Hölle Rache hörbar an ihre Grenzen stieß, er wird in der Höhe leise und es geht ihm die nötige Bösartigkeit in der Stimme ab. Ein gutes Zeichen, daß die drei Damen und Knaben unabhängig voneinander besetzt werden konnten – das Opernstudio macht es möglich. Aus dem Opernstudio kam Kalle Kantilla im letzten Jahr und konnte als Geharnischter in dieser schwierigen Partie glänzen.
Die Nürnberger Philharmoniker unter GMD Christof Prick beweisen, daß Mozart auch aus dem Blickwinkel der Romantik überzeugt. Mit differenzierten Tempo- und Lautstärkewechseln konnte eine innere Spannung aufgebaut werden, die zu der auf das Kino anspielenden Handlung sehr gut paßt.
Fazit
Die Publikumsreaktionen waren zwiespältig, gerade beim Schlußapplaus, was die Regie angeht: Ein Teil distanzierte sich von dieser Produktion genauso wie GMD Christof Prick: Er kam nicht vor den Vorhang. Der andere Teil feierte den Opernabend, gespickt mit donnerndem Szenenapplaus. Auch wenn Fragen offen blieben: Welche Macht hat eine Königin, die Nachtklubsängerin ist? Was ist der Sonnenkranz? Taugen Golf und Schach wirklich als Weisheitsprüfungen? Lustig war es und unbestritten musikalisch hochwertig.
Oliver Hohlbach

Bild: Ludwig Olah
Das Bild zeigt: Die Gesellschaft Sarastros hat für Frauen nur eine Aufgabe: Küche

Veröffentlicht unter Opern