London, Covent Garden – Royal Opera House – IL BARBIERE DI SIVIGLIA

von Gioachino Rossini, Melodrama buffa in zwei Akten, Text: Cesare Sterbini nach einer Komödie von Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais, UA: 20. Februar 1816, Rom, Teatro Argentina
Regie: Patrice Caurier und Moshe Leiser, Kostüme: Agostino Cavalca, Bühnenbild Christian Fenouillat, Licht: Christophe Forey
Dirigent: Antonio Pappano, Orchester und Chor des Royal Opera House
Solisten: Pietro Spagnoli (Figaro), Joyce DiDonato (Rosina), Juan Diego Flórez (Graf Almaviva), Alessandro Corbelli (Doktor Bartolo), Ferruccio Furlanetto (Don Basilio) u.a.
Besuchte Aufführung: 10. Juli 2009 Premiere der Inszenierung: 2005, Wiederaufnahme 4.7.2009

Kurzinhalt
100709-london-il-barbiere.jpgRossinis bekannte Buffa erzählt von einer ungleichen Liebe mit Hindernissen. Graf Almaviva versucht gegen den Widerstand ihres Vormundes Doktor Bartolo, der sie selbst heiraten will, die Liebe und die Hand der bürgerlichen Rosina zu erlangen. Almaviva bekommt Hilfe vom illustren Barbier Figaro, und mit vielen Einfällen, allerlei Verkleidungen und Tricks, mit seinem Charme und Geld kommt Almaviva zum Ziel: er heiratet Rosina.
Aufführung
Patrice Caurier und Moshe Leiser bieten eine moderne, frische und witzige Co-Produktion ins Royal Opera House. Obwohl man sich zunächst in einem überdimensionierten gestreiften Schuhkarton glaubt, überzeugt der minimalistisch ausgeführte Blick für das Detail. Plötzlich entstehen Fenster, Türen und Treppen im Streifenkarton, und man ist in Rossinis Welt. Die Bühne ist frei aufgehängt, und schwankt in der Kopfschmerzszene zur Verwirrung der Sänger und Zuschauer Mi par d’esser con la testa in un’orrida fucina mir scheint mein Kopf in einer schrecklichen Schmiede zu sein (Schluß Finale I). Auch Farbgebung und Kostüme sind modern und frisch, aber nie aufdringlich. So wirkt Rosinas Kleid in grün und pink komplementär zur Bühne und zum Charakter von Rossinis Opera buffa.
Sänger und Orchester
Dieser Abend bot eine selten gehörte musikalische Leistung auf breiter Basis. Joyce diDonato, die sich in der Aufführung zuvor das Wadenbein brach, sang und spielte die Rosina mit pinkem Gips im Rollstuhl mit einer sagenhaften Leichtigkeit und unerhörten Belcanto. Sie wurde begleitet vom kristallklaren Tenor des Juan Diego Flórez (Graf Almaviva), und auch zusammen boten die beiden ein musikalisch harmonisches Paar. Die Arien der beiden brachten das Opernhaus mehr als einmal zum berstenden und berechtigten Applaus. Besondere Höhepunkte waren Rosinas Una voce poco fa qui nel cor mi risuonò – eine Stimme vorhin erklingt hier im Herzen (1. Akt) die Joyce diDonato mit stimmlicher Gewandtheit und körperlicher Akrobatik aus ihrem Rollstuhl sang, sowie Almavivas auf halber Höhe von Bartolos Haus gesungenes Se il mio nome saper voi bramate – wenn ihr meinen Namen zu wissen wünscht (1. Akt).
Erstaunlich war auch die Leistung der anderen Sänger, die zusammen zum großartigen und abgerundeten Bild dieser Inszenierung beitrugen. Alessandro Corbelli spielte einen lustigen, jedoch nicht überzogenen Doktor Bartolo und verblüffte mit seinen klaren jedoch in atemberaubender Geschwindigkeit gesungenen Läufen (Parlando), wie beispielsweise in A un dottor della mia sorte – Ein Doktor meinesgleichen (1. Akt). Der in klassischen Barbierfarben rot-weiß gekleidete Figaro wurde von Pietro Spagnoli lebhaft und sehr überzeugend dargeboten Largo al factotum della cità – ja das Faktotum der Stadt bin ich (1. Akt), und Ferruccio Furlanetto sang einen glaubhaft-verschlagenen Don Basilio mit großem Nachdruck.
Antonio Pappano dirigierte das Orchester des Royal Opera Houses enorm virtuos, melodisch und präzise. Das für gewöhnlich reservierte Londoner Publikum honorierte dies mit dem seltenen Ereignis eines donnernden und wohlverdienten Beifalls nach der Ouvertüre.
Fazit
Dies war ein musikalisch und visuell einzigartiger Abend mit einer selten gesehenen Besetzung und einem eher italienischen, aber durchaus wohlverdienten Beifall.

Dr. Dominik Zenner

Bild: Bill Cooper
Das Bild zeigt: Graf Almaviva (Juan Diego Flórez) singt ein Stänchen.

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